Ein Ritt bis ans Ende der Welt

Erstmals machen sich im Bistum Trier zwei Pilger hoch zu Ross auf den Weg nach Santiago de Compostela. Manfred Adams und Sohn Marco aus Beu ren sind begeisterte Reiter. Im von Papst Benedikt ausgerufenen Heiligen Jahr 2010 ruft der heilige Jakobus zu neuen Horizonten.

Beuren. "A caballo", auf Deutsch "zu Pferde", haben Manfred und Marco Adams auf ihrem Pilgerpass angekreuzt, der vom Bistum Trier ausgestellt wird. Darin können sich Pilger an den Stationen des Jakobsweges per Stempel ihre Reise bestätigen lassen.

"Wir sind die Ersten im ganzen Bistum, die per Pferd nach Santiago de Compostela wollen", sagt der 58-jährige Manfred Adams und fügt hinzu: "Die haben in Trier ganz schön gestaunt." Am Samstag, 27. März, will er sich mit Sohn Marco (36), dem Araber-Wallach Mazero (10) und dem Pinto-Wallach Gitano (6) auf den Jakobsweg machen.

Nur mit Karte und Kompass zu einem neuen Leben



Die Reise geht zunächst per Pferdehänger bis ins spanische Bilbao. Dort werden die Pferde gesattelt. Auto und Hänger bleiben für die Heimreise stehen. 740 Kilometer liegen von dort aus vor den Pilgern, denn sie wollen zum "Cabo Finisterre", auf Deutsch "Ende der Welt", dem letzten Zipfel des spanischen Festlandes. Bis zur Kathedrale von Santiago de Compostela sind es 662 Kilometer. Sechs Wochen, also der gesamte Jahresurlaub, sind dafür eingeplant.

"Wir haben die Nordroute entlang der Küste gewählt. Das ist besser für die Pferde", erklärt Marco, denn den Tieren gilt täglich die uneingeschränkte Aufmerksamkeit und Sorge.

Frömmigkeit ist für die beiden Pferdeliebhaber nicht der Auslöser ihrer Reise. "Ein christlich-gläubiger Hintergrund ist bei uns nicht da, aber sehr wohl der Wille zur Selbstfindung und neue Einsichten über das eigene Leben zu gewinnen", meint Marco. Seit drei Jahren reife der Plan, über den Jakobsweg zu reiten. Seit gut zehn Jahren sammeln Vater und Sohn Adams Erfahrungen bei Wanderritten mit Übernachtungen unter freiem Himmel und direktem Erleben der freien Natur. "In einem Stall zu schlafen ist uns nicht fremd", sagt Marco. Im Heiligen Jahr 2010, das von Papst Benedikt ausgerufen wurde, rufe Jakobus, um den Horizont zu erweitern. Loslassen vom täglichen Konsum, Selbstversorgung für sich und die Tiere, rund 30 Kilometer Strecke sind jeden Tag geplant, ohne Navigationsgerät, nur mit Kompass und Karte.

Der Pilgerausweis des Bistums Trier berechtigt zum Schlafen in einer der offiziellen Herbergen, gegen eine kleine Spende, versteht sich. Spanisch hat Marco in der Volkshochschule gelernt, denn es könnte ja mal ein Notfall bei Mensch oder Tier eintreten, bei dem die Verständigung sehr wichtig werden kann. Auf Marcos Gattin Pia Hoffmann wartet indes noch ein ganz großes Ereignis "am Ende der Welt": die Hochzeit in Weiß. Versprochen ist versprochen.

Extra Die Kathedrale von Santiago de Compostela steht über einer Grabstätte, die dem Apostel Jakobus zugeschrieben wird. Durch die bischöfliche und päpstliche Anerkennung der aufgefundenen Gebeine als Reliquien Jakobi gilt die Kathedrale von Santiago als Grabeskirche des Apostels Jakobus. (doth)