Entscheidung drängt: Kanal oder Kläranlage?

Entscheidung drängt: Kanal oder Kläranlage?

Das Land gibt seit 2013 Geld dafür, Anwesen außerhalb der Dörfer ordnungsgemäß ans Abwassernetz anzuschließen. Die Zuschüsse fließen aber nur noch in diesem Jahr. In der VG Hermeskeil müssen deshalb fünf Ortsgemeinden bald entscheiden, ob sie ihre Sportlerheime mit kleinen Kläranlagen ausrüsten oder eine Kanalleitung bauen wollen. Das hängt vor allem von den Kosten ab.

Reinsfeld/Rascheid. Unser Abwasser fließt in geschlossenen Ortschaften ins öffentliche Kanalsystem - ganz einfach, sauber und bequem. Außerhalb von Städten und Dörfern sieht das allerdings oft anders aus, zum Beispiel bei Höfen oder Ferienhäusern. Die sind nur selten ans Kanalnetz angeschlossen. Bis vor drei Jahren wurde das Abwasser dort meist über einfache Sickergruben entsorgt, was heute aber nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben entspricht.
Die Landesregierung startete deshalb im Sommer 2013 ein großes Förderprogramm, das den Bau privater Kleinkläranlagen unterstützt. So sollte bis 2016 eine flächendeckende Abwasserentsorgung erreicht werden. Die Frist für Förderanträge lief Ende des vergangenen Jahres aus. Auch die Verbandsgemeindewerke Hermeskeil, die gesetzlich zur Abwasserbeseitigung verpflichtet sind, haben sich über dieses Programm Zuschüsse gesichert. "Wir können die Zuschüsse aber auch an Privatpersonen weitergeben", sagt Werkleiter Andreas Schmitt. "Für ein normales Anwesen sind das bis zu 3000 Euro."
Viele Bürger hätten davon bereits Gebrauch gemacht. Etwa die Hälfte der insgesamt 55 betroffenen Anwesen sei auf Kleinkläranlagen umgerüstet.
Für den Rest wird die Zeit nun allerdings knapp. "Wer noch in den Genuss einer Förderung kommen will, muss die Sache in diesem Jahr umsetzen", sagt Schmitt. Nachzügler seien vor allem die Ortsgemeinden mit ihren Sportplatzgebäuden, die über keine ordnungsgemäße Abwasserentsorgung verfügten. Dort sei allerdings, anders als bei Privatanwesen, auch der Anschluss ans öffentliche Kanalnetz eine Option. Konkret betroffen sind Bescheid, Beuren, Geisfeld, Rascheid und Reinsfeld.
Die Lösung, die etwa bei Grillhütten greife, falle für die Sportlerheime aus, erläutert Schmitt. Bei den Hütten gebe es geschlossene Sammelgruben, die regelmäßig geleert würden und deren Inhalt von den Werken zur Kläranlage gefahren werde. "Das wäre für die Sportplätze unwirtschaftlich, da wird zu viel Wasser verbraucht."
Eine vollbiologische Kleinkläranlage kostet laut Schmitt 15 000 bis 20 000 Euro. Dazu kämen jährliche Folgekosten für Wartung, Strom und Ersatzteile. Langfristig gesehen könne ein Leitungsanschluss daher günstiger sein. "Die Leitung wird einmal verlegt, und danach muss ich mich um nichts mehr kümmern."
Deshalb werde diese Lösung zurzeit von einigen betroffenen Ortsgemeinden favorisiert. Dabei spiele auch eine Rolle, dass die vom Land zugesagten Zuschüsse für Kleinkläranlagen auch für einen Kanalanschluss fließen, falls die Option die günstigere sein sollte.
Zu den Kosten für die Kanalanschlüsse will Schmitt sich nicht äußern. Diese hingen von mehreren Faktoren ab, etwa auch davon, ob die Werke einzelne Arbeiten ausschreiben wollen. Diese offenen Fragen sollen laut Schmitt in einer Werkausschusssitzung im März geklärt werden.
Der Rascheider Ortsgemeinderat hat sich noch für keine Variante entschieden. "Ein Anschluss an den Kanal wäre zunächst etwas teurer, aber langfristig die komfortablere Lösung", urteilt Ortschef Andreas Ludwig auf TV-Anfrage. Dies sei abzuwägen, wenn man die genauen Kosten kenne. "In Rascheid wären immerhin 700 Meter bis um Anschlusspunkt zu überwinden."
Ähnlich lang müsste die Leitung in Reinsfeld sein. Weil aber im Mai die Erschließung für das Neubaugebiet starten soll, laufen in der Nähe des Sportplatzes ohnehin Kanalarbeiten, durch die sich Synergieeffekte ergeben könnten. Der Reinsfelder Rat hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit dem Thema befasst. Dort stellte Ortsbürgermeister Rainer Spies fest, dass der Bau einer Leitung "vermutlich die beste und dauerhafteste Lösung" sei. Um dies zu entscheiden, müsse man aber mit den Werken "vor Ort genau anschauen", wo eine Anschlussmöglichkeit bestehe. "Wir werden vorsorglich entsprechende Haushaltsmittel einplanen."