Er war ein Glücksfall für Konz

Der Stadtrat verabschiedet den 78-jährigen Manfred Wischnewski als ersten Beigeordneten und wählt seinen Nachfolger Bernd Marx mit überwältigender Mehrheit. Der plant schon eigene Ideen, die er künftig umsetzen will.

Konz "Konz war in meinem Leben ein Glücksfall - die Menschen hier haben mir eine besondere Art von Reichtum geschenkt" - Worte von Manfred Wischnewski (78), der nach 33 Jahren das Amt des Ersten Beigeordneten niedergelegt hatte. Dem folgten am Dienstagabend im Kloster Karthaus ein großer Abschied in Ehren und ein Neuanfang. Auf einstimmigen Beschluss verlieh der Konzer Stadtrat Manfred Wischnewski das Ehrenbürgerrecht. Die offizielle Ernennungsurkunde wird ihm in einer Feierstunde am 14. November überreicht. Gleichzeitig wählte der Rat Bernhard Marx zu seinem Nachfolger.
Für viele in der Kommunalpolitik, aber auch für Bürger, ist es nach 33 Jahren noch schwer vorstellbar: Die Stadt Konz und ihr Rat ohne die Präsenz von Manfred Wischnewski. Bei unzähligen Anlässen hatte der stets freundliche Mann in seiner unaufdringlich-ruhigen Art den Bürgermeister vertreten.
Vor der Abstimmung über die Ehrenbürgerwürde würdigte Bürgermeister Karl-Heinz Frieden das Wirken des einstigen Englischlehrers Wischnewski. "Auch meine Frau hat bei ihm noch Englisch gelernt", betonte Frieden, und erinnerte an die Herkunft des Mannes, der ohne die Kriegswirren und die Flucht im Alter von fünf Jahren aus der Geburtsstadt Danzig nie in diese Region und somit auch nicht in diese Position gelangt wäre. Besonders ist Frieden eine gemeinsame Reise ins heutige Danzig in Erinnerung, die für Wischnewski eine bewegende Rückkehr in die Straßen seiner Kindheit gewesen sei.
Dank für die vielen Jahre der guten Zusammenarbeit, Dank für das immer vorbildliche und menschliche Auftreten Wischnewskis sprachen alle Fraktionen aus. Hervorgehoben wurde auch seine Fähigkeit, auf alle eingehen zu können, auch wenn die politische Farbe eine andere sein mag.
"Ich bin dankbar, dass ich nach einer fatalen Jugend hier heimisch werden konnte. Konz ist meine Heimat, hier sind die Menschen offen und geprägt von der Grenzlage ihrer Region", sagte Wischnewski. Ein Ehrenamt bringe keine materiellen Reichtümer, aber "der menschliche Reichtum, der mir hier zuteil wurde, ist groß".
Dann die offizielle Entlassungsurkunde aus der Hand von Bürgermeister Frieden und der Aufruf zur Wahl eines Nachfolgers. CDU-Fraktionssprecher Bernd Henter schlug Bernd Marx zur Wahl als Nachfolger vor. Gegenvorschläge gab es nicht. Das Ergebnis der geheimen Wahl war eindeutig: 27 gültige Stimmabgaben, davon 25 Ja- und zwei Neinstimmen.
Der neu gewählte Erste Beigeordnete lenkte den Blick auf den Vorgänger Wischnewski, der ihm ein Vorbild an Herzlichkeit sei. Marx: "Ich werde versuchen, Ihre Arbeit fortzusetzen - ob mir das so wie Ihnen gelingt, das weiß ich nicht." Seine Ernennung nannte der gerade 63 Jahre alt gewordene Marx ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk. Er hoffte auf eine gute Zusammenarbeit im Rat, die oft Kompromissbereitschaft erfordere. Eine Fähigkeit, die besonders seinen Vorgänger ausgezeichnet habe.
Gegenüber dem TV nannte Bernd Marx einige Schwerpunkte seiner künftigen ehrenamtlichen Tätigkeit: Die Arbeit im Sinne des Vorgängers fortsetzen, mit einem offenen Ohr für die Belange aller Fraktionen - "Ich habe ihn sehr geschätzt mit seiner Menschlichkeit - und er war immer gut gelaunt".
Und als Beigeordneter sollte man die Arbeit des Bürgermeisters unterstützen, ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Marx sagt: "Vielleicht kommen mir auch ein paar neue Ideen zum Wohle der Stadt Konz."
Sein Herz hänge an der Jugend und deren Belange, sagt Marx, der 36 Jahre lang Jugendfußballmannschaften trainiert hatte. Es gelte, der Konzer Jugend Möglichkeiten zur sinnvollen Freizeitgestaltung aufzuzeigen, wobei der Sport eine herausragende Rolle spielen könnte. Marx meint: "Und ich freue mich über das doch sehr eindeutige Wahlergebnis."
Zur profanen Alltagsarbeit des Rates zählten einige Grundsatzbeschlüsse über verschiedene Projekte: Ausbau der Adolph-Kolping-Straße und des Friedhofs St. Johann, wobei die vorgestellte Planung noch überarbeitet werden soll. Auch im Grundsatz beschlossen wurde die Umgestaltung des Saarufers zur Saarpromenade (der TV berichtete).Extra: DER NEUE BEIGEORDNETE


Der neue Erste Beigeordnete Bernd Marx (63) stammt aus Krettnach, wo er auch heute noch lebt. Der pensionierte Diplom Betriebswirt- FH und Vater zweier Töchter war 40 Jahre lang bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben tätig und lebt seit eineinhalb Jahren im Ruhestand. Er bekleidete zahlreiche Sport-Ehrenämter: 30 Jahre tätig im Fußballverband Rheinland, davon zehn Jahre als Kreissachbearbeiter, 16 Jahre als Kreisvorsitzender und sechs Jahre als Präsident. 40 Jahre Mitglied im SV Krettnach, darunter als Präsidiumssprecher und Geschäftsführer. Kommunalpolitisch ist Marx seit 25 Jahren im Ortsbeirat Krettnach und seit 15 Jahren im Verbandsgemeinderat Konz tätig. Hinzu kommen zehn Jahre im Jugendhilfeausschuss des Kreises Trier-Saarburg. Der CDU gehört Marx seit 30 Jahren an.

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