Ja, wann enden sie denn...?

Es gab mal eine Zeit, nämlich in den 80ern, da wurde im Deutschen Bundestag heftig gestrickt. Nicht etwa an neuen Konzepten und Modellen, sondern ganz real und lebensnah an Schals, Pullis und wärmenden Socken.

Vornehmlich die Damen der grünen Fraktion schienen damit so manche langatmige Sitzung "ein Stück weit effizienter zu nutzen" und manövrierten sich mit dieser Tätigkeit so manches Mal in die erste Reihe bei den Aufnahmen der Fernsehsender. Nun liegt diese Epoche einige Jährchen zurück. Stricken ist aus der Mode gekommen, und der Deutsche Bundestag ist aus geografischer Sicht noch ein Stück weiter weg gerückt. Sicher: Trier, Konz, Schweich, Saarburg - das ist alles nicht vergleichbar mit Berlin. Gewisse Phänomene sind jedoch durchaus übertragbar. Zum Beispiel das der schier endlosen Haushalts-Sitzungen, bei denen Fraktionsvorsitzende zur Höchstform auflaufen und scheinbar persönliche Rhetorik-Rekorde brechen wollen. Da macht so mancher Fraktionschef seinen Schein im Freischwimmen, pardon: Freireden. Obwohl es dafür weder ein Abzeichen und in der Regel nicht mehr als höflichen Applaus gibt. Und so werden bei der Ratssitzung in Konz - wie bei vielen anderen Veranstaltungen dieser Art - im Geiste der "Zwangszuhörer" zahlreiche Einkaufszettel, Kalender-Einträge und Wochenend-Planungen gemacht worden sein. Wer mit dieser Art von Stillarbeit weniger am Hut hat, nutzt die Zeit für ein Zigarettenpäuschen vor der Tür oder für mindestens einen Gang zur Toilette. Der Harndrang schien in Konz vorgestern jedenfalls besonders groß gewesen zu sein. Liebe Ratsherren, nur zur Erinnerung: Nicht nur bei Kindern ist die Zeit, in der sie sich konzentriert einer Sache widmen, eindeutig begrenzt. Vielleicht versucht Ihr's beim nächsten Mal einfach mal mit den Kurz-Versionen. So mancher würde Euch dafür sicher die Füße küssen... s.windfuhr@volksfreund.de