Von wegen Schnäppchenjagd

Wissen Sie, was mir in diesen Tagen so richtig abgeht? Es ist der gute, alte Sommer-Schlussverkauf. Jetzt sagen Sie bloß nicht, den gäbe es doch immer noch - nur nicht mehr unter der offiziellen Bezeichnung.



Natürlich werfen die Schuhläden, Boutiquen und Kaufhäuser in Trier, Konz, Saarburg und Schweich schon seit Wochen immer wieder ihre Rabatt-Mühlen an, und vor den Geschäften flattern die reduzierten Teilchen im Wind - meist ohnehin in Größen, die für mich selbst nach drei Radikal-Kuren noch utopisch sein dürften.

Aber es geht mir ja gar nicht um die Rabatte oder vielmehr um die Höhe der Preis-Nachlässe.

Was mir fehlt, ist der ultimative Startschuss an einem Montag um acht - oder meinetwegen - neun Uhr, der die ganze Angelegenheit erst zu einem sportlichen Wettkampf werden lässt und ihr den letzten Kick gibt.

Jahr für Jahr habe ich mich an diesem besagten Schlussverkaufs-Starttag eine halbe Stunde vor Öffnen der Geschäfte von Martin in der Innenstadt absetzen lassen, um bloß keine unnötige Zeit mit der Parkplatzsuche zu verplempern und ganz vorne mitzuspielen. Es war mir ein Fest, zu gucken, ob ich noch vor unserer Nachbarin Gerda da bin und - sagen wir mal - unter den ersten zehn war, die sich an die Türklinken gehängt haben.

Wenn die Türen aufgingen, hieß es: das Feld sondieren, an den richtigen Stand stürmen und mit gekonnten Griffen die heißesten Schnäppchen herausziehen. Mit weniger als fünf Tüten in jeder Hand wäre ich niemals wieder nach Hause zurückgekommen.

Heute hingegen ist das so ein zahnloses Vor-Sich-Hin-Plätschern, von Schnäppchen-Jagd kann für mich keine Rede mehr sein.

Der einzige, den das richtig freut, ist Martin. Der scheint durch den mir genommenen Jagd-Instinkt dermaßen viel gespart zu haben, dass er mich vor ein paar Tagen doch tatsächlich aufgefordert hat: "Kauf Dir doch ruhig mal wieder was Schönes zum Anziehen. Es muss ja nicht immer ein Schnäppchen sein." Da soll noch einer mitkommen…