Das Theater wird total ver-rückt: Großes Kennenlernen im Trierer Walzwerk

Trier · In genau einer Woche, am 11. September, startet das Theater Trier in die neue Spielzeit. Welche Künstler die Zuschauer dann in den Sparten Schauspiel, Tanz und Musiktheater auf der Bühne erleben werden, hat das Team um Intendant Karl Sibelius bei einem Termin im Trierer Walzwerk verraten.

Trier. Am Eingang zum Trierer Walzwerk, vor dessen Toren sich rund ein Dutzend Journalisten zum Pressetermin eingefunden hat, empfängt ein bekanntes Gesicht die Gäste. Klaus-Michael Nix, Mitglied des aktuellen Schauspiel-Ensembles und einer der wenigen verbliebenen Akteure der Ära Gerhard Weber, geleitet den Tross durch die Hallen. Es geht vorbei an Gabelstaplern und stillgelegten Maschinen bis in den Raum, der zugleich auch neue Nebenspielstätte des Theaters Trier in der bevorstehenden Spielzeit werden soll.

Premierenfieber

In der riesigen Industriehalle sind neben den Kulissen für das Schauspiel "Der Zauberberg", eine der ersten Premieren der Saison (der TV berichtete), mehrere Stühle und ein Podium aufgebaut. Dort Platz genommen haben der Intendant Karl Sibelius, Generalmusikdirektor Victor Puhl und die neuen Spartenleiter. Sibelius hat diesen Ort bewusst ausgewählt, wie er gleich bei der Begrüßung klarstellt, um hier die neuen Ensembles der Sparten Schauspiel, Musiktheater/Musical und Tanz vorzustellen.

"Ver-rücken ist unser Motto, das tun wir nicht nur künstlerisch, sondern auch räumlich", erklärt er. Die Halle des ehemaligen Walzwerks, heute in Besitz der Trierer Immobilienagentur Triwo AG, stehe dem Theater in den nächsten Monaten kostenfrei zur Verfügung. Neben dem "Zauberberg" werde auch das Musical "Sweeney Todd" dort aufgeführt.

Von der besonderen Akustik erhalten die Anwesenden gleich eine Kostprobe. Komponist Mark Scheibe am Klavier, Counter-Tenor Fritz Spengler und Nadia Migdal an der Violine präsentieren ein eigens für den "Zauberberg" geschriebenes Stück. Beim zweiten Lied steigt das gesamte Ensemble mit ein und spornt die Zuhörer spontan zum Mitsingen an.

Er wolle mit der "Mär aufräumen", dass es am Theater Trier keine festen Ensembles mehr geben werde, leitet der Intendant sogleich wieder zum ernsthafteren Teil des Programms über. Anschließend lässt er seine Spartenchefs ihre Ensemblemitglieder, von denen rund zwei Dutzend unter den Zuhörern sitzen, einzeln aufrufen und vorstellen.
Schauspieldirektor Ulf Frötzschner leitet ein elfköpfiges Team. Neben Nix ist auch Barbara Ullmann dem Trierer Theaterpublikum bereits seit vielen Jahren bekannt. Die neuen Gesichter wird das Publikum jedoch schnell kennenlernen, etwa bei "Molière" (12. September) oder am 18. September bei der "Zauberberg"-Premiere.
Ebenfalls elf feste Mitglieder hat das Musiktheater - darunter vier Musicalsänger -, das von der neuen Operndirektorin Katharina John vorgestellt wird. Dazu zählt auch der 25-jährige Fritz Spengler, worüber sich John besonders freut: "Es ist schon etwas Besonderes, einen Counter-Tenor im Ensemble zu haben." Bei den ersten Premieren der Saison, der skandinavischen Oper "Ur" (11. September) und der "Fidelio"-Inszenierung (19. September), werde das Team von Gastsängern unterstützt.

Besonders international ist das Personal der Sparte Tanz, die von Susanne Linke geleitet wird. Waltraud Körver stellt die zehn Künstler vor. Sie hätten soeben ihren dritten Probentag beendet, hätten "müde Knochen und sind froh, hier ein wenig sitzen zu können", scherzt die Managerin der Kompanie. Unter den Zuhörern sitzt etwa der spanische Flamencotänzer Elias Morales-Pérez, Gaststar im Tanzstück "Der Fremde". Diese erste eigene Trierer Tanzproduktion der Saison wird von der englischen Choreographin Rosamund Gilmore inszeniert, die ebenfalls anwesend ist.

Einige Neuigkeiten gibt es zum Programm der drei Eröffnungswochenenden vom 11. bis 27. September. Wie Sibelius verrät, wird die Außenfassade des Theaterbaus von Trierer Graffitikünstlern neu gestaltet. Der bereits begonnene Umbau von Foyer und Garten zum Theaterpark (der TV berichtete) liegt laut Arved Schultze und Bernhard Siegel, die das Konzept erstellt haben, im Zeitplan.

Am Donnerstag sei das mobile Büro angekommen, in dem sich Sibelius einrichten wird. Der Container werde nun per Kran in den Garten gehoben. Dort werde auch das Kuppelzelt für Begegnungen der Besucher mit den Künstlern aufgebaut. Also alles bereit für den "Eröffnungswahnsinn", wie Sibelius es nennt: "Ich wünsche uns eine wunderbare Spielzeit. Das hat Trier sich verdient."Extra

Bei der Gestaltung des neuen Theaterparks hinter dem Theatergebäude bittet das Theater Trier die Bürger um Mithilfe. Wer möchte, kann seine nicht mehr gebrauchten Gartenmöbel zur Verfügung stellen. Sie sollen dem Publikum ab dem Spielzeit-Eröffnungswochenende am 11. September als Sitzgelegenheiten dienen, um sich im Garten entspannen oder mit Künstlern ins Gespräch kommen zu können. Wer also einen Stuhl oder eine Liege spenden möchte, kann sich bei Pressesprecher Eric Thielen melden (E-Mail: thielen@teatrier.de) red