Die Perfekte Welle am Echternacher See

Die Perfekte Welle am Echternacher See

Die 16. Ausgabe des Luxemburger Musikfestivals e-lake hat am Wochenende Tausende Zuschauer an den Echternacher See gelockt. Einer der Höhepunkte war der Auftritt der Gießener Band Juli am Freitagabend.

Echternach. Gute Laune vor und hinter der Bühne: Die Wolken über dem Echternacher See halten am Freitagabend dicht - nur vereinzelt fallen Tropfen vom Himmel. Eva Briegel, Sängerin der deutschen Band Juli, bringt die Misere des bisherigen Open-Air-Sommers auf den Punkt: "Das ist erst der dritte Auftritt ohne Regen. Das ist für uns fast schon ungewohnt", bemerkt sie. Pünktlich um 19 Uhr gehen die Scheinwerfer und Verstärker an - viele Zuschauer sind zu diesem Zeitpunkt noch unterwegs, denn die Parkplätze liegen am gegenüberliegenden Ufer des Sees, den es erst einmal zu umrunden gilt. Der Eintritt zum Festival ist frei, das Gelände weitläufig - es gibt kein Gedränge vor den Eingängen wie bei Massenveranstaltungen dieser Art sonst üblich. Vier Bands treten auf der Hauptbühne auf, davon drei aus Luxemburg, auf der zweiten Bühne wird später am Abend und bis tief in die Nacht Rap, HipHop und Dub serviert.
Auf der Main Stage begrüßen die Birdbones mit einer Mischung aus Progressive Rock und Funk das allmählich anwachsende Publikum. Es folgt der 21-jährige gebürtige Luxemburger Exemo, der mit einer gehörigen Portion Soul in der Stimme und guten deutschen Texten die Party in Schwung bringt. Danach kommt Songwriter Daniel Balthasar mit Band, der eine beträchtliche Fangemeinde mitgebracht hat: Auch in diesem Jahr beweisen die Veranstalter vom Echternacher Jugendverein ein feines Händchen in der Auswahl der Akteure.
Hinter der Bühne freut sich der erste Vorsitzende Frank Rippinger über den gelungenen Auftakt: "Wir arbeiten mit rund 120 ehrenamtlichen Helfern seit vergangenem Oktober an dieser Veranstaltung", sagt er. "Das e-lake-Festival wird immer attraktiver, wir erwarten etwa 8000 bis 10 000 Zuschauer. Für uns ist das der Höhepunkt des Jahres, und so wie es aussieht, fällt der nicht ins Wasser."
In der familiären Atmosphäre des Festivals, die auch die Musiker schätzen, sieht Rippinger den Grund für dessen wachsende Beliebtheit. "Eva Briegel von Juli reist mit ihrem eineinhalbjährigen Kind an - also haben wir eine Kinderecke mit viel Spielzeug eingerichtet. Darüber hat sich die gesamte Band gefreut", schmunzelt Frank Rippinger.
Von der Spielecke auf die Bühne


Dennoch können sich Juli um Punkt 22 Uhr von der Spielecke lösen und entern die Bühne - frenetisch begrüßt von rund 3000 Fans. In den folgenden 90 Minuten des Juli-Konzerts jagt ein Hit den anderen: "Perfekte Welle", "Geile Zeit", "Elektrisches Gefühl", oder "Regen und Meer" - die fünf Musiker um Sängerin Eva Briegel geben dem Publikum, was es will. Die Fans sind jung und überwiegend weiblich, was erstaunt, weil Eva Briegels Texte sämtlich aus der Beziehungskiste stammen und erwachsen bis düster daherkommen. Doch Briegel ist eine charismatische Sängerin, die ihre Zuschauer im Griff hat: Sie lässt sie singen, hüpfen, winken und die brennenden Feuerzeuge hochhalten - die Choreografie eines Rockkonzerts in Reinform.
Nach drei Zugaben fragt Eva Briegel: "Echternach, sollen wir wiederkommen?" "Jaaaa", schreit es aus tausend Kehlen zurück. Das wird auch Organisator Frank Rippinger freuen.

Mehr von Volksfreund