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"Diese Musik braucht keine Bilder" - László Lukács im TV-Interview

"Diese Musik braucht keine Bilder" - László Lukács im TV-Interview

In Béla Bartóks Oper "Herzog Blaubarts Burg" singt der Trierer László Lukács die Titelrolle. Eine anspruchsvolle Aufgabe. "Herzog Blaubarts Burg" sei "ein musikalischer Vulkan", sagte Béla Bartók über seinen Einakter.

Die Oper, die 1918 in Budapest uraufgeführt wurde, ist am Donnerstag (16. Februar) und am Samstag (18. Februar) im 5. Trierer Sinfoniekonzert konzertant zu hören. Außerdem auf dem Programm: "Tod und Verklärung" von Richard Strauss. Die beiden Gesangspartien in Bartóks "Blaubart" sind höchst anspruchsvoll. TV-Mitarbeiter Martin Möller sprach darüber mit László Lukács, der die Titelrolle singt. Lukács gehört seit mehr als 25 Jahren zum Ensemble am Trierer Theater.

Herr Lukács, Bartóks Blaubart - das ist eine große Partie.
László Lukács Ganz bestimmt. Sie ist länger als die Titelrolle in Verdis "Rigoletto". Man singt fast eine Stunde ohne Unterbrechung.

Und eine schwere Partie.
Lukács Ich sage Ihnen, warum sie so schwer ist. Sie ist rhythmisch kompliziert und voller Dissonanzen, wobei das Orchester dem Sänger nicht immer hilft. Sie geht über zwei Oktaven. Für einen Bass liegt sie zu hoch und für einen Bariton zu tief. Ich kenne eine Aufnahme, in der ein Sänger einfach die Spitzentöne weggelassen hat. Das habe ich natürlich nicht vor.

Sie kommen aus Ungarn und Sie singen das Stück in der ungarischen Originalsprache. Was bedeutet das für einen Sänger? Wie musikalisch ist diese Sprache?
Lukács Die Vokale sind mit dem Italienischen vergleichbar, und es gibt weniger Konsonanten als im Deutschen. Ungarisch ist für einen Sänger eine sehr gute Sprache.

Der Blaubart bei Bartók - was ist das für ein Mensch? Oder ist er gar kein Mensch?
Lukács In der historischen Vorlage von Gilles de Rais aus dem 15. Jahrhundert hatte der Blaubart sehr viele Frauen. Bei Bartoks Textdichter Béla Bálazs sind es nur noch vier - Symbole für Morgen, Mittag, Abend und Nacht. Es ist der symbolistische Stil aus Frankreich.

Also wie "Pelléas und Mélisande" von Debussy?
Lukács Ja, so ist das. Und der Inhalt behandelt ein Urthema: Dass ein Mann und eine Frau nicht zueinander kommen können, weil sie auf sich bezogen sind. Aber der Mensch ist kein Eigentum eines anderen. Bei Bartók fragt die Judith immer weiter, gibt nicht nach und lässt vom widerstrebenden Blaubart alle sieben Türen auf der Burg öffnen. Damit endet sie im ewigen Tod. Und Blaubart geht in die ewige Einsamkeit.

In Trier wird der Blaubart konzertant aufgeführt? Es kommt nur etwas Beleuchtungsregie dazu. Ist das für Sie ein guter Kompromiss?
Lukács Ach, der "Blaubart" ist so etwas wie eine Kantate. Es ist keine sehr dramatische Musik, obwohl es natürlich eine Menge Dissonanzen gibt. Aber das Werk braucht keine Inszenierung.

Also auf die optische Dimension - den Blumengarten hinter der vierten Tür oder den Tränensee hinter der sechsten - kann man wirklich darauf verzichten?
Lukács Ja! Die Musik ist so stark, so intensiv, dass sie ohne Bilder auskommt.

Sie sind seit 1990 am Trierer Theater engagiert. Ich übertreibe nicht, wenn ich Sie zum Urgestein des Trierer Hauses zähle. Reden wir nicht über die jüngere Vergangenheit dieses Hauses, sondern über dessen Zukunft. Was möchten Sie nach Ihren jahrzehntelangen Erfahrungen dem Trierer Theater wünschen?
Lukács Ganz eindeutig: Dass dieses Theater erhalten bleibt. Trier, die älteste Stadt Deutschland, eine Kulturstadt, die Stadt von Karl Marx - wenn man in dieser Stadt das Theater schließen würde, wäre es wie eine Amputation. Trier würde sich ohne Theater selber aufgeben.

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5. Sinfoniekonzert, Donnerstag, 16. Februar, und Samstag, 18. Februar, jeweils um 20 Uhr im Trierer Theater. Béla Bartók, "Herzog Blaubarts Burg" (konzertant), Richard Strauss, "Tod und Verklärung". Dirigent: Victor Puhl, Lichtgestaltung: Ulla Wentenschuh und Kai Kolodziej. Erzähler: Christian Beppo Peters. Es singen Bernadette Flaitz (Judit) und László Lukács (Blaubart). Es spielt das Philharmonische Orchester der Stadt Trier.
Karten unter Telefon 0651/7181818, www.theater-trier.deTRIERER SäNGER SEIT 26 JAHREN: LáSZLó LUKáCS

László Lukács wurde an der Liszt-Musikakademie in Budapest ausgebildet und nach seinem Studienabschluss sofort an die Budapester Oper engagiert. Er blieb dort drei Jahre und wechselte 1990 an das Trierer Theater. Seine erste Rolle in Trier war der Scarpia in Puccinis "Tosca". Lukács hat am Trierer Theater rund 130 große Rollen mit einer erstaunlichen Bandbreite gesungen - zuletzt den Peter Besenbinder in Humperdincks "Hänsel und Gretel". Gastspiele führten ihn unter anderem nach Prag, Budapest, Warschau, Paris, Amsterdam, Tokio und Osaka.