Funkelndes Leben in farbiger Einsamkeit

Funkelndes Leben in farbiger Einsamkeit

Für das letzte Konzert der laufenden Saison im Kloster Machern bot das Mosel Musikfestival noch einmal einen ganz großen Namen auf. Zusammen mit Ottavio Dantone bescherte die Geigerin Viktoria Mullova einen Abend des Außergewöhnlichen.

Bernkastel-Wehlen. (gkl) Wie einsam muss sich ein Musiker fühlen, der sich anschickt, eine der Partiten oder Sonaten für Violine solo von Johann Sebastian Bach zu spielen. Vor sich die erwartungsvollen Zuhörer. Vor sich auch den Notentext, der sowohl in technischer als auch in intellektueller Hinsicht als Meilenstein in der Musikgeschichte gilt. Mit Viktoria Mullova hatte das Mosel Musikfestival eine Interpretin zu Gast, die sich in diese Einsamkeit begab und dem Publikum eine wahre Sternstunde barocker Kammermusik im Kloster Machern bescherte.

Bach war der einzige Name, der auf Mullovas Programm stand. Zur Solosonate g-Moll, BWV 1001 und der Partita d-Moll, BWV 1004, gesellten sich noch die Sonaten h-Moll und c-Moll, BWV 1014 und 1017, für Violine und Cembalo, die sie mit Ottavio Dantone interpretierte. Beide erweckten die Stücke zu funkelndem Leben. Ohne die Qualitäten des Übrigen in irgendeiner Form zu mindern, stellte die d-Moll-Partita den überragenden, einzigartigen Höhepunkt des Konzertes dar.

Vielleicht liegt das Geheimnis in der Biographie der Mullova, die ihre Interpretationen zu etwas Besonderem machen. Es ist diese Mixtur aus ihren russischen Wurzeln einerseits und ihrer Liebe zur barocken Spielweise, verknüpft mit einem tiefen Verständnis dafür, was Bach mitteilen will, was ihrem Spiel einen ganz besonderen Zungenschlag verleiht. Sie spielt mit gläsernem Klang, der trotzdem kraftvoll wirkt. Ihr partiell eingesetztes Vibrato, eigentlich in der Barockmusik nicht zulässig, unterstreicht, ist ein überhaupt nicht störendes Ausdrucksmittel.

Bei der beschließenden Ciaconna konnte man sich nur noch andachtsvoll von der Musik umfangen lassen und hatte den Eindruck, dass diese Musik genau für diese Interpretin, für diesen Raum und für diesen Moment geschrieben wurde.

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