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Jazzklassiker im Rumba-Rhythmus

Als Zugabe gibt Götz Alsmann auf der Ukulele bundesdeutsche Nachkriegscowboylieder zum Besten. TV-Foto: Christian Jöricke
Als Zugabe gibt Götz Alsmann auf der Ukulele bundesdeutsche Nachkriegscowboylieder zum Besten. TV-Foto: Christian Jöricke FOTO: Christian Jöricke (chj) ("TV-Upload J?ricke"
Kröv. Kein Künstler trat bisher häufiger beim Mosel Musikfestival auf: In der Kröver Weinbrunnenhalle luden der göttliche Götz Alsmann und seine brillante Band die 500 Besucher ein zu "Expeditionen in die ferne und seltsame Welt des Broadways". Es war Alsmanns achter Auftritt im Rahmen der Konzertreihe - und wie immer ein gefeierter. Christian Jöricke

Kröv. Wenn man etwas zu früh angereist ist und deshalb beschließt, sich noch ein bisschen den Ort anzuschauen, kann man bereits vor dem Konzert schmunzeln: Die Straße gegenüber der Halle heißt "Ritter-Götz-Straße".
Ob Götz Alsmann davon weiß, ist nicht bekannt. Viel Spaß bereitet dem Schelm jedenfalls schon der volkstümliche Name des Auftrittsortes: "Nacktarschhalle". Weniger Spaß bereitet dem Zuhörer die Akustik der Halle, denn die ist für den selbigen. Vier Betonsäulen, viel Glas und viele Winkel sorgen für einen Klang, der musikalisch anspruchsvoller Musik nicht gerecht wird.
Evergreens aus Übersee


Nach der CD "In Paris", die Alsmann Platin und seinen zweiten Echo-Preis einbrachte, widmet er sich in seinem neuen Programm "Am Broadway" amerikanischen Evergreens. Der 58-Jährige trüge jedoch nicht den Titel "König des deutschen Jazzschlagers", wenn er die Titel nicht in deutschen Versionen sänge. Tatsächlich wurden oft schon kurz nach der Veröffentlichung des Originals deutsche, meist auch adäquate Texte zu den Songs geschrieben. Harry Warrens "Serenade in blue" heißt in der germanisierten Fassung "Das Lied der Einsamkeit", Richard Rodgers "Blue Moon" trägt den Titel "Mondnacht am Meer", und George Gershwins "They can't take that away from me" wurde in "Es ist die Liebe, die so glücklich macht" umgedichtet.
Auch bei den Arrangements ist bei Alsmann keine Werktreue zu erwarten. Der Künstler hat den Songs seinen typischen Latinsound verpasst. So steckte er "Mondnacht am Meer" in einen hawaiianischen Hula-Rock. Und seine Interpretation von "My Funny Valentine" ("Traumvision") - eine der meistaufgenommenen Jazzballaden - dürfte die erste Version im Paso-Doble-Rhythmus sein.
Nun kommen die Besucher nicht nur, weil sie ausgesprochene Liebhaber von Musicalstücken der 20er bis 50er Jahre im Rumba- oder Cha-Cha-Cha-Gewand sind oder sich Alsmann "wie eine Mischung aus Ozeloth und Feuersalamander" (zutreffende Eigenbeschreibung) über die Tasten bewegt und von einer perfekt eingespielten Band begleitet wird. Alsmanns Konzerte bieten beste Unterhaltung, da er nach zwei Nummern immer wieder charmant Anekdoten und erfundende Geschichten zum Besten gibt.
Amüsante Anekdoten


Er kann zwar auch fast so schnell sprechen wie Klavier spielen, dies ist jedoch nur ein rhetorisches Stilmittel, das er gerne benutzt. Der wortgewandte Münsteraner ist ein wunderbarer Erzähler, der jeden Vortrag zum Funkeln bringt - und die Besucher zum Lachen. Zum Beispiel wenn er erklärt, dass es eine Diskrepanz zwischen dem Namen des Hotels in New York, wo er im vergangenen Jahr das Album "Am Broadway" einspielte, und dessen Standort gibt ("Manhattan View" im Stadtteil Queens). Oder wie er und seine Kollegen sich dort für die Tour mit pinkfarbenen Jackets mit schwarzen Samtkragen einkleideten und ihnen daraufhin auf der Straße Bauarbeiter hinterherpfiffen und riefen, ob wieder Christopher Street Day sei.
Für Unterhaltungskünstler ist es von großem Vorteil, musikalisch zu sein. Götz Alsmann ist jedoch mehr als ein feiner Komiker und großartiger Musiker. Sein Stil, sein Charme, sein Humor und sein Können machen ihn zum größten deutschen Entertainer.