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Kein Leben ohne Kunst

Kein Leben ohne Kunst

Den Dialog mit dem Publikum verstärken und mehr Bewusstsein für Kunst schaffen will Katharina Worring. Die Malerin hat kürzlich den Vorsitz der 280 Mitglieder zählenden Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst übernommen.

Trier. "Ich kann mir ein Leben ohne Kunst nicht vorstellen", sagt sie und schaut aus dem Fenster ihres lichten Ateliers am Trierer Hafen hinaus ins Land. Gerade hat sich Katharina Worrings Leben mit der Kunst um eine neue Aufgabe erweitert. Seit kurzem ist die Malerin als Nachfolgerin von Lydia Oermann Vorsitzende der Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst.
"Tough" wirkt die neue Präsidentin der Gesellschaft, eine echte Powerfrau, der man ohne weiteres glaubt, wenn sie sagt: "Ich habe die Aufgabe übernommen, weil es mir Spaß macht, Ausstellungen zu organisieren und Ideen zu entwickeln." Die Lust am Ideellen gehört auch sonst zu den Vorzügen der Malerin, die das berühmte "Geistige in der Kunst" sehr zu schätzen weiß. Herrlich lässt sich mit ihr über Sinn und Wesen von Kunst diskutieren.
Dass Katharina Worring für ihr neues Amt gut gerüstet ist, steht außer Frage. In Berlin hat sie studiert, in Amerika Lehraufträge wahrgenommen und dort wie hier künstlerische Projekte realisiert. Unentwegt ist die weltläufige Künstlerin bis heute unterwegs in Sachen Kunst. Seit 2001 lebt sie mit ihrer Familie in Trier. Als langjähriges Mitglied der Gesellschaft kennt sie deren Innenleben. Ihre Welterfahrung soll auch ihrem neuen Amt zugutekommen.
Als Palastrevolutionärin sieht sich Katharina Worring allerdings keinesfalls. Es gelte auf jeden Fall, auf der verdienstvollen Arbeit ihrer Vorgängerin Lydia Oermann aufzubauen, stellt sie ausdrücklich fest. Vorerst bleibt es denn auch nach dem Willen der neuen Vorsitzenden bei der bewährten Mischung aus Produzentengalerie (dem Ausstellungsraum für Mitglieder) und offenem Fenster zur Kunstwelt. Weiterhin sollen von den zehn Ausstellungen jährlich drei von Künstlern der Vereinigung bestückt werden, fünf sind externen Kunstschaffenden gewidmet. Dazu kommt die Leistungsschau der Jahresausstellung und Sonderausstellungen wie das aktuelle Projekt "Auf den Hund gekommen".
Neben der Freude am Organisieren und entwickeln von Konzepten bedeute ihr der Austausch mit den Künstlerkollegen viel, bestätigt die dunkelhaarige Frau mit dem bisweilen skeptischen Blick. Verstärkt will sie solch einen gewinnbringenden Kunstdialog künftig auch dem Publikum ermöglichen. "Es wäre schön, wenn sich die Schulen an dem Dialog beteiligten", wünscht sich Worring.
Wie anderswo sind bei der Gesellschaft die Mittel knapp. Auch deshalb sei eine breitere Akzeptanz hilfreich. Gewiss habe es die Kunst wie in vielen anderen Städten schwer, bestätigt Worring.
Dennoch sei die Trierer Kunstszene ausgesprochen vielfältig und lebendig. Dafür will die Malerin, für die Kunst "eine wesentliche Bereicherung des Lebens" ist, verstärkt Bewusstsein schaffen. Das möglichst multimedial und an allen Fronten. Schon jetzt verfügt die Gesellschaft über einen Internetauftritt und einen Facebookaccount.
Überdies - so Worring - wäre politischer Zuspruch ausgesprochen hilfreich. Gerade im Wahljahr wünsche man sich bei den politischen Volksvertretern eine bessere Wahrnehmung und verlässliche Zusagen, statt der vorsorglichen Abwehr eventueller Ansprüche.
Extra

Katharina Worring wurde 1959 in Karlsruhe geboren, 1980 bis 86 Studium der Malerei an der Hochschule der Künste, Berlin; Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes; Gastdozentur an der University of Miami, Ateliers in Berlin, Bornheim und Köln, seit 2001 in Trier. erExtra

Gesellschaft für Bildende Kunst Trier: gegründet 1930 als Verein Bildende Künstler und Kunstfreunde im Bezirk Trier, nach der Auflösung in den Kriegsjahren, wiederbelebt 1950/51 mit verändertem Namen. Heute hat die Vereinigung etwa 300 Mitglieder, davon rund 70 aktive Künstler. er