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"Man muss authentisch sein"

"Man muss authentisch sein"

WITTLICH. Kunst ist für sie Menschenbildung und zwischenmenschlicher Dialog. Als einzige Künstlerin des Diözesanverbandes Trier der "Katholischen Frauen Deutschlands" ist Christine Nicolay mit zwei Projekten beim Katholikentag in Saarbrücken vertreten.

Aus "absoluter Empörung" mit den vergewaltigten Frauen in Bosnien habe sie damals ihre skandalträchtige Skulptur "Arimee" vor der Trierer Tufa geschaffen. Das steinerne, aufgerichtete männliche Genital ist inzwischen entfernt worden. Soldarität mit den Opfern und jedwedem verletzten Leben empfindet Christine Nicolay immer noch. Gegen zwischenmenschliche Stummheit und um menschliche Selbstfindung kämpft die Bildhauerin und Kulturpädagogin aus Greimerath bei Wittlich einmal mehr beim Katholikentag in Saarbrücken mit ihren Kunstaktionen. Wie schon früher geht es in ihrer Aktion "Lebens(stuhl)kreis" um die Frage nach dem rechten Platz und der Position im eigenen Leben. "Ich freue mich, dass ich in Saarbrücken vor Ort bin und lebendig Kunst als Dialog betreiben kann", freut sich die kleine Frau. Auf Dialog angelegt ist auch ihr zweiter künstlerischer Beitrag "WortgeSchenk", bei dem Interessenten Mitteilungen auf Postkarten hinterlassen oder mit anderen Besuchern austauschen können. Kunst sei für sie schon immer auch Menschenbildung gewesen, sagt die 1957 geborene Absolventin der Alanus Hochschule in Bonn. "Unmittelbar und unverstellt" geht sie mit ihrem Umfeld um. Das war schon damals so, als sie noch in der Behinderteneinrichtung Maria-Grünewald in Wittlich arbeitete. "Ich habe da gesehen, wie heilsam es ist, wenn man Kunst und Pädagogik verbindet." Und noch etwas hat sie dort gelernt: "Man muss authentisch und ehrlich sein." Glaube und Spiritualität hätten in ihrem Leben immer schon eine große Rolle gespielt, sagt Nicolay. auch die Ökumene war der Tochter eines katholischen Vaters und einer in einem jüdischen Gymnasium erzogenen evangelischen Mutter wichtig. In der katholischen Kirche wünscht sie sich mehr "weibliche Energie". "Ich fühle mich nicht ganzheitlich wahrgenommen", klagt sie. Nur wenige Frauen hätten hohe Positionen. Dabei werde doch gerade in der Marienverehrung die Bedeutung der Frau und Mutter hervorgehoben. In Zukunft möchte sie noch mehr solcher Aktionen machen. "Ich habe gesehen, dass das mein Weg ist".