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Theater Trier: Der nächste muss gehen

Theater Trier: Der nächste muss gehen

Ulf Frötzschner wird ab Sommer 2017 nicht mehr Schauspieldirektor des Trierer Theaters sein. Die Mehrheit des neuen Leitungsgremiums hat sich dagegen ausgesprochen, dem Spartenleiter einen neuen Vertrag zu geben.

Trier. Die Bilder sind unterschiedlich. Freude hier. Anspannung dort. Doch das Prozedere ähnelt sich: Kaum posiert eine neue Führungsmannschaft für Fotografen vor dem Trierer Theater, schon sind die Ersten, die vorgestellt wurden, Vergangenheit. So war es, als Karl Sibelius im April 2015 jene Menschen präsentierte, die das Haus in der kommenden Saison umkrempeln sollten. So ist es nun.
Am Mittwoch erst offenbarte Oberbürgermeister Leibe, wer zu dem neuen siebenköpfigen Führungsteam gehört (der TV berichtete). Nur zwei Tage später steht fest, dass Schauspielchef Ulf Frötzschner zum Ende der Saison gehen muss. Denn die Mehrheit des neuen Leitungsgremiums hat sich nach Auskunft des Theaters dagegen ausgesprochen, dem Spartenleiter einen neuen Vertrag zu geben. Er wird das Haus daher nach Ablauf der Saison wie geplant mit einer Abfindung in Höhe von 50 000 Euro verlassen - obwohl er gerne noch eine weitere Spielzeit geblieben wäre.
Leibe hatte die Entscheidung dem Team überlassen, da er selbst nicht beurteilen könne, ob Frötzschner zu den anderen passe und was aus künstlerischer Sicht das Beste für die Sparte sei. Er trägt die Entscheidung als derzeit amtierender Kulturdezernent allerdings mit. Und er wünscht sich laut Pressemitteilung "von den Verantwortungsträgern eine professionelle Zusammenarbeit".
Es krachte schon länger

Foto: (g_kultur


Da - wie Leibe am Mittwoch erklärte - für Entscheidungen mindestens eine Mehrheit von fünf Stimmen nötig ist, lässt sich leicht erahnen, wer wie gestimmt hat. Nach TV-Informationen hat sich nur Operndirektorin Katharina John hinter Frötzschner gestellt, der sich selbst vorerst nicht zu alledem äußern möchte.
Die übrigen, also Verwaltungsdirektor Herbert Müller, Generalmusikdirektor Victor Puhl, Waltraut Körver (Tanz), Chefdisponent Marius Klein-Klute und der technische Leiter Peter Müller, dürften demnach den Abschied von Frötzschner befürworten.
Kracht es hinter den Kulissen doch schon länger. Besonders laut krachte es zwischen Sibelius und Frötzschner. Ein Konflikt, der in der fristlosen Entlassung des Schauspielchefs gipfelte - also ausgerechnet jenes Künstlers, den Sibelius als Allerersten aus Luzern an seine Seite nach Trier geholt hatte. Anlass für den Rauswurf war der Eklat um das Theaterstück "Die rote Wand" über den öffentlichen Umgang mit dem Todesfall Tanja Gräff.
Was folgte war ein massiver Protest der Schauspieler, die sich in einem Brief hinter Frötzschner stellten, und die fachlichen und menschlichen Qualitäten des Schauspieldirektors lobten. Andererseits berichteten Theatermitarbeiter damals wie vor wenigen Tagen von cholerischen Schrei-Anfällen des Spartenleiters. Nach TV-Informationen hatte Sibelius Frötzschner schon im Februar 2016 einen Auflösungsvertrag vorgelegt, den dieser aber ablehnte. Auch jetzt würde er, wie er am Mittwoch betonte, lieber bleiben. Nicht nur um seiner selbst willen, sondern auch im Interesse der zehn Schauspieler, die er nach Trier geholt hat. Welche Folgen all dies für das Ensemble hat, bleibt vorerst offen.
Dass Frötzschner das Haus mit 50 000 Euro Abfindung verlässt, resultiert aus einem Vergleich, den er mit der Stadt geschlossen hatte. Hatte sich das Bühnenschiedsgericht doch nach seiner fristlosen Kündigung voll hinter den Thüringer gestellt. Statt der 100 000 Euro, die Sibelius ihm bot, wollte er lieber eine weitere Saison arbeiten und 50 000 Euro Abfindung.
Zu den größten Erfolgen Frötzschners in Trier zählt die Produktion "Der Zauberberg", auch das aktuelle Kinderstück "In 80 Tagen um die Welt" kommt sehr gut an. In den nächsten Monaten ist noch einiges zu sehen, was Frötzschner auf den Spielplan gesetzt hat, darunter "Der Steppenwolf", "Schwarze Jungfrauen" und "Ernst ist das Leben (Bunbury)".