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Wenn die Stimme die Seele eines Songs berührt

Wenn die Stimme die Seele eines Songs berührt

Ein mitreißendes emotionales Ereignis hat Jazzsängerin Dianne Reeves ihrem Publikum mit einem Konzert in der Philharmonie Luxemburg geboten. Die vierfache Grammy-Gewinnerin bewegte mit ihrer außergewöhnlichen Stimmkunst und feierte rauschend ihren 58. Geburtstag.

Luxemburg. Von diesem Konzert-abend ist herausragende musikalische Qualität zu erwarten. Das deutet sich schon an, als Dianne Reeves noch gar nicht auf der Bühne ist. Ihre Band - Peter Martin am Piano, Romero Lubambo an der Gitarre, Reginald Veal am Bass und Terreon Gully am Schlagzeug - eröffnet mit einer so nuancenreichen Version des Klassikers "Summertime", so dass das Publikum bereits hin und weg ist.
Aber da geht noch viel mehr. Als die Sängerin dazustößt und "Thunder Only Happens" von Fleetwood Mac interpretiert, tobt der Saal. Denn sie gibt dem Popsong ein völlig neues Gesicht. Mit einer Stimme, die sich mühelos aus warmer dunkler Tiefe über Oktaven nach oben schraubt, Kapriolen schlägt oder wie ein Perkussions-Instrument eingesetzt wird, dringt sie zur Seele des Liedes vor, transportiert seine Stimmung mitten ins Herz des Zuhörers.
Noch bewegender gerät das im Standard "Stormy Weather". Intensiver, als es Dianne Reeves hier mit zartem balladeskem, bis eruptiv ausbrechendem Gesang vermag, kann man die im Song geschilderte Trauer und Verlassenheit wohl kaum ausdrücken.
Munter geht es weiter im Wechselbad der Gefühle.
Zunächst nur zur Begleitung von Bass- und Schlagzeug, mit denen sich die Sängerin rhythmische Bälle zuwirft, stimmt sie eine wunderbar groovende, tanzbare und zum Mitschnipsen auffordernde Soulnummer an. "Today is a good day", singt sie, es sei ihr 58. Geburtstag. Im Nu herrscht Partystimmung im Saal, das Publikum singt ein Ständchen.
Die Sängerin antwortet feurig mit einer auf improvisiertem Rhythmusgesang basierenden Latin-Nummer. Gesangsstimme und Gitarre des Brasilianers Romero Lubambo liefern sich hier einen berückend filigranen und temperamentvollen Dialog.
Sauer auf George Clooney


Und dann wird es richtig witzig. Dianne Reeves Spontaneität und Humor entladen sich in der teils gesprochenen, teils gesanglich illustrierten Schilderung von Dreharbeiten mit George Clooney zum Film "Good Night And Good Luck". Ihren Frust, dass der Frauenschwarm nun verheiratet ist, kommentiert sie mit einem Blues aus dem Film-Soundtrack "One for my Baby", der in seiner Kraft ein Höhepunkt des Abends wird.
Nachdem sie noch weitere fantastische Song-Perlen, darunter Bob Marleys "Waiting in Vain" teils mit stark afrikanischem Einschlag interpretiert hat, endet das Konzert in ausgelassener Partystimmung. Leidenschaftlich bekunden die Zuhörer ihre Ovationen für eine Sängerin, die offensichtlich ihre Herzen gewonnen hat. ae