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Zum Geburtstag von Franz Grundheber: Der uneitle Sängerstar

Sehr privat und ganz glücklich: Franz Grundheber 2017 im Gespräch über den „Fliegenden Holländer“ in Trier. TV-Foto: Martin Möller
Sehr privat und ganz glücklich: Franz Grundheber 2017 im Gespräch über den „Fliegenden Holländer“ in Trier. TV-Foto: Martin Möller FOTO: Martin Möller (mö) ("TV-Upload M?ller"
Trier/Hamburg. Begeistert das Publikum auf der ganzen Welt: Der Trierer Franz Grundheber wird 80 Jahre alt. Martin Möller

Alfred Einstein, der Musikwissenschaftler und Vetter des Physikers, sagte einmal, es sei ein Wunder, dass Joseph Haydn nicht irgendein Dorfmusikant geworden sei, sondern der große Haydn. Das hätte er auch über Franz Grundheber sagen können. Es ist ein Wunder, und noch nicht einmal ein kleines, dass dieser Moselaner aus dem Dorf Biewer bei Trier nicht irgendein Männerchor-Potentat oder ein Handballer wurde, sondern der große Sänger Grundheber.

Die Umgebung, in der er aufwuchs, war alles andere als musikfreudig. Was Grundheber geworden ist, wurde er durch sich selbst. Als er noch im Jugendalter und völlig unerwartet seine Stimme entdeckte, provozierte das den Vater im Nebenzimmer zu heftigen Beschwerden. Nur durch Zufall hörte er dann, gerade mal achtzehnjährig, im Trierer Theater Peter Roth-Ehrang - ein wunderbarer Sarastro in Mozarts "Zauberflöte". Durch dieses künstlerische Erlebnis mit Roth-Ehrang, der aus dem Nachbardorf stammte und damals schon zur Berliner Staatsoper gehörte, entdeckte er die Fähigkeit, allein mit der Stimme große Musik zu machen, Glück auszudrücken, Komik oder Tragik.

Grundheber entschloss sich, Sänger zu werden. Gradlinig war seine Entwicklung danach keineswegs. Um den Unterricht zu finanzieren, verdingte er sich als Zeitsoldat. Gleich zu Beginn seiner Ausbildung geriet er in eine Krise. "Ich war kurz davor, aufzuhören". Erst ein Stipendium in den USA gab den letzten Anstoß zur Sängerkarriere. Was er als Sänger beherrschte, hat er bei Margaret Harshaw in Bloomington gelernt. Später wurde das Aufnahmegerät zu seinem ständigen Begleiter. "Nichts sonst ist für einen Sänger so unbarmherzig deutlich wie die Tonaufnahme", sagte er einmal.

1966 wurde Grundheber Ensemblemitglied an der Hamburger Staatsoper, übrigens für eine Spielzeit gemeinsam mit Peter Roth-Ehrang. Heute ist er Ehrenmitglied der Staatsoper. Als er 1988 freischaffender Künstler wurde, hatte sich sein Ruhm in der Musikwelt längst verbreitet. Im italienischen Fach und bei Richard Strauss hat Grundheber rasch Maßstäbe gesetzt. Sein Simon Boccanegra, sein Amonasro in Aida, sein Jago in Verdis Otello und sein Scarpia in Puccinis Tosca rissen die Besucher förmlich von den Sitzen.

In den Opern von Richard Strauss hat er alle Rollen für sein Fach gesungen - allen voran der Barak in der "Frau ohne Schatten" und der Jupiter im Spätwerk "Die Liebe der Danae". Seine enorme Bühnenpräsenz, die Intensität von Darstellung und Stimme, die perfekte Sprache - auch im Italienischen - dazu die Reflektiertheit im Umgang mit den Rollen, die gelegentlich zu Konflikten mit der Regie führte - all das hat bei den Menschen rund um den Globus Beifallsstürme ausgelöst. Legendär sein Mandryka in "Arabella" von Richard Strauss und vor allem sein Wozzeck in Alban Bergs gleichnamiger Oper. Der Mandryka - für Grundheber ist er ein Mann von stolzer und doch höchst verletzlicher Noblesse. Und in der Verzweiflung des unterdrückten Soldaten Wozzeck klingt bei Grundheber eine tief empfundene Menschenwürde mit - der humane Appell in Bergs großer Oper.

Ich habe Franz Grundheber zum ersten Mal 1979 in Bachs Matthäuspassion gehört, ein Jahr später in Mozarts "Figaro" und drei Jahre darauf im Brahms-"Requiem". Manches erschien mir damals zu dramatisch, zu demonstrativ. Als Figaro spielte er sich damals allzu nachdrücklich an die Rampe. Aber Grundheber, der damals im besten Sängeralter war, hat dann noch und noch gelernt und dabei eine Kunst entwickelt, die manchem großem Sänger fehlt: die Fähigkeiten zur Integration, zur Anpassung, zur Gemeinsamkeit mit anderen in der Musik. Gerade in Trier, dessen Musikleben er schätzt, hat Grundheber bei Auftritten immer wieder den Kontakt zu Mitsängerinnen und Mitsängern gesucht und gefunden. Er ist der uneitle Star geworden - seiner Bedeutung bewusst, eigenständig und gewiss manchmal auch eigensinnig, aber frei von jeder Arroganz.

Lieber Franz, deine Freunde und Verehrer wünschen dir heute einen fröhlichen, unbeschwerten Geburtstag und noch viele glückliche Jahre!