Ackern im Weinberg des Herrn

Die Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Neumagen besitzt einen Weinberg, der zu den steilsten in der Weinlage "Neumagener Sonnenuhr" zählt. Da sich kein Pächter mehr um den Weinberg kümmert, übernahmen Angehörige der Pfarrgemeinde die Lese.

Neumagen-Dhron. (red) Wohl auch, weil hier alle Arbeiten unter erschwerten Bedingungen von Hand verrichtet werden müssen, fand sich zuletzt kein Winzer mehr, der die gut 3000 Quadratmeter pachten wollte. "Dann lesen wir die Trauben eben selbst", beschlossen einige Gemeindemitglieder. Innerhalb nur einer Woche fanden sich 32 Helfer, unter anderem aus dem Pfarrgemeinderat, dem Verwaltungsrat, dem Förderverein der Kirchengemeinde und einige der ortsansässigen Winzer, die Ende Oktober den Aufstieg zum Pfarrweinberg wagten.

Spitzenqualität ohne Krankheiten



"So einen Weinberg habe ich noch nicht erlebt", sagt Marianne Lemmermeyer. Die 68jährige Neumagenerin ist selbst Winzerin, doch unter so schwierigen Bedingungen hat sie noch nicht gearbeitet: Das Gelände ist nicht nur steil, sondern auch verwildert. Vor einem Jahr war der Pachtvertrag für den vor 33 Jahren gesetzten Weinberg ausgelaufen. Eine Verlängerung kam für den bisherigen Pächter nicht mehr infrage, obwohl es eine absolute Top-Lage ist. "Hier ist es aber so unwegsam, dass eine maschinelle Bearbeitung nicht möglich ist", erklärt der Vorsitzende des Neumagener Pfarrgemeinderates Bernhard Schneider. Da sich also kein Pächter mehr um den Pfarreiweinberg kümmerte, verwilderte der Weinberg zusehends. "Doch obwohl hier weder gespritzt noch gedüngt wurde, wuchs eine Spitzenqualität ohne Krankheiten oder Mangelerscheinungen heran. Man könnte fast sagen: Hier hat der Herrgott alleine gewirkt", erklärt Winzer Georg Heim, der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende. In einem kleinen Kreis entstand die Idee, mit Freiwilligen aus der Gemeinde die Trauben im Pfarrweinberg zu lesen.

Einen ganzen Samstag schuften die Freiwilligen als einfache Arbeiter im Weinberg - darunter auch die Pfarrsekretärin, der Gemeindereferent und Pfarrer Thomas Thielen. "Ich finde das Engagement super. Ich habe zwar Urlaub, aber als ich von der Idee hörte, war ich sofort mit dabei", sagt der gebürtige Hermeskeiler. Er findet es bemerkenswert, dass die Gemeinde von sich aus die Aktion gestartet hat. Der jüngste Helfer ist elf, der älteste 80 Jahre alt. Den Ausbau des Weines übernimmt Winzer Georg Heim. "Nachdem die Innenrenovierung unserer Pfarrkirche in diesem Jahr abgeschlossen wurde, wollen wir den aus dem Weinverkauf erzielten Gewinn für die Renovierung der Märtyrerkapelle verwenden", erklärt Thomas Kaspar. Was in den kommenden Jahren mit dem Weinberg passieren werde, stehe noch nicht fest, sagt er.

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