Aus Liebe zum Moselwein

Hans-Peter Bölinger und sein Sohn Oliver kümmern sich in vierter und fünfter Generation gemeinsam um das 136 Jahre alte Familienweingut in Maring. Die Liebe zum Kulturgut Wein lässt die beiden leidenschaftliche Winzer sein.

Maring. (mbl) Das alte Schieferbruchhaus in der Moselstraße in Maring hat Oliver Bölingers Ururgroßvater im Jahr 1871 gebaut. Es legt nicht nur äußerlich Zeugnis ab von der Kulturlandschaft an der Mosel, sondern zeigt auch drinnen in der Scheune eindruckvoll in Versform, was das Haus im Keller birgt. Auf alten Holzfassböden hat Oliver Bölingers Opa Ludwig Patzer Verse rund um den Rebensaft verewigt, die von der harten Winzerarbeit, von Freuden und Sorgen, aber auch vom herausragenden, köstlichen Produkt erzählen. Für Hans-Peter Bölinger und Sohn Oliver ist Winzersein nicht nur Beruf, sondern Berufung. Die Liebe zum 2000 Jahre alten Kulturgut steht bei der vierten und fünften Generation im Weingut Bölinger ganz oben. Für die Arbeit als Winzer werde man immer wieder mit einem besonderen "Ergebnis" belohnt, sagen sie.Nahezu 136 Jahre alt ist der Traditionsbetrieb in Maring, der auf Olivers Ururgroßvater Phillip Lichter zurückgeht. Bis 1974 haben die drei ersten Generationen, die Familien Phillip Lichter, Peter Klippel und Hans Bölinger ein Weingut mit Landwirtschaft betrieben. Obwohl auch schon Olivers Ururgroßvater Lichter Flaschenweinverkauf betrieb, diente der Hof mit Viehhaltung doch hauptsächlich der Selbstversorgung. Hans-Peter Bölinger hat dann in vierter Generation 1975 den Weinbau übernommen und die Landwirtschaft aufgegeben.Durch die verstärkte Nachfrage nach Moselwein ist der Weinbautrieb stetig gewachsen. Später kamen Gästehaus mit Fremdenzimmer und Ferienwohnungen sowie Kellerbar und Weinprobierstube hinzu. Den größten Anteil an Bölingers Weinen hat der Riesling. Die Weinkarte bietet darüber hinaus die Sorten Müller Thurgau, Ortega, Bacchus und Kerner. Im Jahr 1994 wurde der erste "Rote" geerntet. Spätburgunder und Dornfelder nehmen seither rund 25 Prozent der Ernte ein. Bölingers Betrieb setzt seit fast 30 Jahren ausschließlich auf Flaschenweinverkauf. "Gott sei Dank ist es auch wieder lohnenswert, Winzer zu sein", sagt Jungwinzer Oliver mit Blick auf die positive Entwicklung im Weinbau.Dabei war sein eigenes Interesse am Weinbau in jungen Jahren eher zurückhaltend. Die harte Arbeit im Winzerberuf, die Arbeitszeiten, die oftmals keinen Feierabend oder Freizeit kennen, reizten ihn nicht, gibt er gerne zu. Er wurde zunächst Heizungsbauer. Sein Wunschberuf für die Zukunft aber hieß "Winzer". Denn mit dem Erwachsenwerden sah und lernte der heute 30-Jährige schätzen, was Vorfahren und Eltern aufgebaut haben. So machte er eine Winzerlehre und kümmert sich - neben einer Halbtagsbeschäftigung bei der Ortsgemeinde - zusammen mit seinem Vater um den Weinbau.Auch die Ehefrauen packen mit an. Weinbau und Gästehaus sind zwei Standbeine, die sich gut ergänzen. Denn die Gäste, die alles rund um Winzerarbeit und Weinherstellung kennen- und so auch das "handgemachte" Naturprodukt schätzen lernen, werden auch zu neuen Kunden. Wird auch Ihr Betrieb in mindestens dritter Generation geführt oder ist älter als 100 Jahre? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an eifel@volksfreund.de.