Dem Zufall eine Chance geben

Mit schwungvollen abstrakten Arbeiten beeindruckt die Traben-Trarbacher Künstlerin Anne M. Krauss. Derzeit sind ihre Arbeiten in einer Schau im Kreishaus zu sehen.

Wittlich. Ihre Arbeiten wirken nicht streng, sondern organisch, schwungvoll. Und so lautet auch der Titel der Ausstellung von Anne M. Krauss "Swinging Lines und andere Vernetzungen". Die Schau ist derzeit im Kreishaus in Wittlich zu sehen. Die Traben-Trarbacher Künstlerin beruft sich in ihren Arbeiten auf den abstrakten Expressionismus, der sich in den 1940er Jahren in den USA und zeitgleich auch in Europa unter der Bezeichnung Tachismus entwickelte.
Worum geht es in dieser Kunstrichtung? Im Gegensatz zur Wiedergabe von konkreten Dingen sind die Bilder dieser Kunstrichtung abstrakt, auf ihnen ist nichts real Existierendes zu sehen, sondern sie bestehen aus Formen, Linien und Farben, die frei gewählt werden. Das Besondere ist dabei, dass Künstler dieser Kunstrichtung auch das sogenannte "action painting" verwenden. So zum Beispiel der New Yorker Maler Jackson Pollock, auf den sich Krauss beruft. Pollock nutzte nicht immer den Pinsel, sondern tröpfelte oder spritzte sogar Farbe auf eine Leinwand. Aus dem teilweise geplanten Malen und den auch zufälligen Veränderungen durch Spritzen und Tropfen ergeben sich so außergewöhnliche Gemälde, die für sich wirken. Dabei wird dem Zufall gewissermaßen eine Chance gegeben.
Anne M. Krauss schafft in ihrem Atelier an der Mosel seit den 1980er Jahren solche Gemälde. Erste Ausstellungen hatte sie bereits 1978 in Koblenz und Heidelberg. Sie beteiligte sich auch an Gruppenausstellungen der Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen.
Weitere Schauen folgten, so auch in Metz, Traben-Trarbach und Bendorf. Ihre aktuell ausgestellten Arbeiten beeindrucken durch hohe handwerkliche Qualität und geschickte Farbauswahl. Im Hintergrund der Bilder sorgen Komplementärfarben für einen Ausgleich zu den dynamischen Strukturen der schwungvollen Linien, die die Bilder dominieren. So gibt sie dem auf nur den zahllosen Linien und Kurven eine gewisse Struktur und Ruhe. Dennoch wirken ihre Arbeiten auf den Betrachter herausfordernd. Aber genau dieser Gegensatz macht den Reiz der Ausstellung aus. hpl

Öffnungszeiten: montags bis donnerstags von 7 bis 18 Uhr und freitags von 7 bis 15 Uhr im Foyer der Kreisverwaltung in Wittlich. Die Ausstellung ist bis 19. Dezember zu sehen.