Ein Terrorist in Wittlich

WITTLICH. 1974 starb der RAF-Terrorist Holger Meins im Wittlicher Gefängnis. Wer war dieser Mensch? In dem Buch "Starbuck Holger Meins" und dem gleichnamigen Film lässt Gerd Conradt viele Menschen zu Wort kommen, um diese Frage zu beantworten. Nun kommt Conradt zu einer Lesung nach Wittlich.

Pfadfinder mit großem Sinn für Gerechtigkeit, Student der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF), Tod am 9. November 1974 nach 58 Tagen Hungerstreik im Wittlicher Gefängnis: Stationen im Leben von Holger Meins.Die Frage, wie es zu dieser Entwicklung kam, versucht Gerd Conradt, der zusammen mit Meins an der Film- und Fernsehakademie Berlin studierte, in dem Buch "Starbuck Holger Meins" und dem gleichnamigen Film zu beantworten. Starbuck ist der Name des Steuermanns der Pequod im Roman "Moby Dick". Die Terroristin Gudrun Ensslin gab Meins den Namen als Tarnnamen. In Buch und Film lässt Conradt viele Menschen, die Meins gekannt haben, zu Wort kommen: Meins' Vater, Mitstudenten, aber auch Regisseur Wim Wenders, Kameramann Michael Ballhaus und die Terroristin Margrit Schiller.Es entsteht ein facettenreiches, zum Teil gegensätzliches Bild von Meins. Von vielen wird er als sensibel und konsequent beschrieben. Eine vierwöchige Untersuchungshaft, die er zu Unrecht absitzen musste, wurde für ihn vermutlich zum Wendepunkt: Darauf konnte er laut Anwalt, nicht mehr mit rechtsstaatlichen Mitteln reagieren. Ob und an welchen Verbrechen der "Roten Armee Fraktion" (RAF) Meins beteiligt war, wurde nie geklärt.1972 wurde Meins in Frankfurt festgenommen. Von März 1973 bis zu seinem Tod war er im Wittlicher Gefängnis inhaftiert, das damals intensiv von Polizisten bewacht wurde. Drei Mal trat Meins zusammen mit den anderen RAF-Gefangenen in den Hungerstreik, um gegen die Isolationshaft zu protestieren. Trotz künstlicher Ernährung magerte er bei einer Größe von 1,86 Meter auf 39 Kilo ab und starb, nachdem die künstliche Ernährung einen Tag lang ausgesetzt wurde, weil der Anstaltsarzt unterwegs war. Die von Kanzler Helmut Schmidt versprochene Untersuchungskommission zu Meins' Tod hat es nie gegeben.Buch und Film über Holger Meins in Wittlich vorzustellen war Conradt ein wichtiges Anliegen. Warum? Conradt: "Die JVA Wittlich ist der Ort an dem Holger Meins in Folge eines Hungerstreiks gestorben ist. Bei meinen Recherchen suche ich nicht nach Schuld. Mich bewegt die Frage, wie konnte es passieren, dass ein junger Mann von 33 Jahre in einem der reichsten Länder der Erde verhungert?" Meins habe sich als Untersuchungshäftling in der Obhut des Staates befunden, für ihn habe bis zur Verurteilung die Unschuldsvermutung gegolten. "Auch wenn Holger Meins durch sein Verhalten Mitschuld an seinem Tod hat, bleibt die Tatsache bestehen: Menschen haben zugesehen, wie ein Mensch verhungert. Bisher war es nicht möglich, mit Beteiligten zu sprechen. Obwohl die Landesregierung den Beamten eine Genehmigung erteilt hat, haben sich alle verweigert. Warum? Ist ihnen der Tod nicht nah gegangen? Was ist in ihnen vorgegangen, als sie zusahen wie Meins über Wochen verhungerte?"Im Wittlicher Kino "Kintim" wird der Film am Montag, 17. Februar, um 20 Uhr gezeigt. Am Mittwoch, 19. Februar, wird Conradt um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei aus dem Buch lesen.