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Einsteigen ins legendäre "Saufbähnchen"

Einsteigen ins legendäre "Saufbähnchen"

Die Moseltalbahn verkehrte von 1903 bis 1962 am rechten Moselufer zwischen Trier und Bullay. Als wichtige Lebensader im Moseltal transportierte sie Güter und brachte Berufspendler zu ihren Arbeitsstätten, Schüler zur höheren Schule und Gäste in die Weinorte. Karl-Josef Gilles aus Trier lässt in seinem neuen Buch die bewegte Geschichte der Moseltalbahn wiederaufleben.

Wehlen. (mbl) "Weißt du noch...?" Dieser häufige Satz machte die Runde unter den Gästen, die zur Vorstellung des Bildbandes über die Moseltalbahn ins Hotel Hauth nach Wehlen gekommen sind. Viele der Besucher haben selbst noch diese legendäre Kleinbahn benutzt, und beim Lichtbildervortrag des Buchautors Karl-Josef Gilles werden wieder viele Erinnerungen wach.

Die Bahn war nicht nur ein wichtiges Güter- und Personenbeförderungsmittel auf der Strecke zwischen Trier und Bullay, im Salonwagen konnte sich der Fahrgast auch ungetrübtem Weingenuss hingeben, was ihr den Spitznamen "Saufbähnchen" oder auch "Flaschenzug" einbrachte. "Für mich ist es ein Stück Bewältigung von Jugenderinnerungen", nennt Gilles den Grund für sein neuestes, bereits sechstes Buch. Mit der Moseltalbahn fuhr er als Schüler von Zell zum Gymnasium nach Traben-Trarbach.

Der Bildband, der unter Mitarbeit von Gilles' Sohn Joachim entstand, lädt anhand historischer Aufnahmen ein zu einer Reise durch die wechselvolle Geschichte der Moseltalbahn, die ab 1945 Moselbahn hieß. Am Ende ihrer Bauzeit 1905 war sie mit Gesamtkosten von 20 Millionen Mark die teuerste Kleinbahn des damaligen Deutschen Reiches. Sie umfasste 38 Haltepunkte und benötigte für die Gesamtstrecke von Trier bis Bullay bei einer Höchstgeschwindigkeit von 40 Kilometern rund dreieinhalb Stunden.

Die Bahn, die anfangs unter Dampf stand und später mit Triebwagen fuhr, beförderte im Güterverkehr täglich etwa 50 Wagenladungen und 200 Stückgutwagen. Im Personenverkehr fuhren täglich bis zu 35 planmäßige Züge.

Wechselvolle Zeiten mit Kriegen, Währungsreform und Aufschwung, mit Eiszeiten und Hochwasser hat die Bahn erlebt, bevor sie ab 30. September 1961 schrittweise stillgelegt wurde. Der Bildband aber hält diese nostalgische Bahn-Epoche für die Nachwelt lebendig.

"Die Moseltalbahn" ist im Sutton Verlag Erfurt erschienen und im Fachhandel zum Preis von 17,90 Euro erhältlich.