Geschichten über den jüdischen Großvater

Geschichten über den jüdischen Großvater

Der jüdische Staatsanwalt Paul Sänger und seine Ehefrau Gertrud hatten Wittlich 1938 verlassen und zogen nach Argentinien. Ihr jüngster Sohn, Carlos Sänger, hat jetzt das Stammhaus seiner Familie in der Triererstraße 4 in Wittlich besucht. Zufällig begegnete er dabei Wittlichs Ehrenbürger, dem 97-jährigen Willi Schrot. Dieser konnte Carlos Sänger einiges über dessen Familie berichten.

Wittlich. Die letzte Station ihrer Europareise war Wittlich: Carlos Sänger, als jüngster Sohn des jüdischen Staatsanwalts Paul Sänger und dessen Frau Gertrud 1941 in Argentinien geboren, hat mit seiner Ehefrau Silvia die Heimatstadt seiner Eltern und Großeltern besucht.
Nicht weit vom Stammhaus der Familie Sänger in der Triererstraße 4 kam es zu einer zufälligen Begegnung besonderer Art: Carlos Sänger stieß auf den 97-jährigen Wittlicher Ehrenbürger Willi Schrot. Von diesem konnte er Geschichten über seinen Großvater Eugen Sänger (1871 bis 1935) hören, die nur ein lebendes Geschichtsbuch vom Format eines Willi Schrot erzählen kann. Und der hatte sichtlich Freude daran, den Besuchern aus Südamerika vom vielseitigen Handel der Sängers mit Textilien, Spielsachen und altem Zinn zu berichten. Die Eltern von Carlos Sänger hatten Deutschland im Februar 1938 noch rechtzeitig verlassen und begannen in der argentinischen Pampa ein neues, beschwerliches Leben als Landwirte. Später arbeitete der schon im März 1933 aus dem Dienst in Breslau entfernte Jurist als Verpacker und Übersetzer in einer Butterfabrik. Carlos und Silvia Sänger haben auch den jüdischen Friedhof besucht, auf dem zahlreiche Vorfahren ruhen - darunter auch Tante Emma, die dort 1941 als letzte Wittlicher Jüdin bestattet worden war.
Von der ehemaligen Synagoge und der Wittlicher Gedenkarbeit zeigten sich die Gäste ebenso beeindruckt wie von der Mosel- und Eifellandschaft.