Häuser, in die man gerne heimkehrt

Häuser, in die man gerne heimkehrt

ZELL. Über ein halbes Jahrhundert wirkte der Architekt Otto Finé in Zell/Mosel. Zahlreiche Bauten hat er geplant und gebaut. Die Häuser sind funktionell und schön zugleich. Jetzt ist ein Buch erschienen, in dem das Wirken des Baumeisters gewürdigt wird.

Die meisten Finé-Häuser stehen in Zell. Zwischen 1906 und 1960 hat er die Schwarze-Katz-Stadt mit zahlreichen, zum Teil prächtigen Gebäuden bereichert. Aber Finé wirkte auch im Umland von Zell. So baute er unter anderem die beiden repräsentativen Weingutshäuser Schneiders in Pünderich und das Haus Steinbach in Reil, in dem sich seit 1990 eine Filiale der Raiffeisenbank Bernkastel-Wittlich befindet. Der ehemalige Lehrer und Buchautor Gerd Bayer aus Bausendorf stellt in seinem neuesten Buch in der Reihe über die jüngere Geschichte der Stadt Zell rund 40 Objekte Finés vor. Sie repräsentieren typische Stilmittel und Auffassungen des Architekten. Bayer schreibt im Vorwort seines Buches: "Wer ein Finé-Haus besitzt, ist Besitzer eines unvergleichlichen Kunstwerks, quasi auf den Leib zugeschnitten. Finé berücksichtigte mit dem gleichen Qualitätsstandard große und kleine Vorhaben. Seine Häuser sind funktionell und schön. Der Besitzer soll sich auf seine Heimkehr freuen und nach dem Schließen der Haustüre einen ruhenden Pol finden." In Zell-Corray hat der 1880 in Saarlouis geborene und 1963 in Dillingen gestorbene Finé ganze Häuserzeilen entworfen. Daneben profitierten auch andere Ortsteile von Zell, wie Merl und Kaimt, von dem Ideenreichtum und der Kreativität Finés, der, so Gerd Bayer, "die Bauweise der Häuser in Größe und Aussehen genau dem anpasste, was einer Kleinstadt wie Zell bedurfte". Bayer hebt immer wieder die detailverliebte Genauigkeit des Architekten hervor. Dazu äußert sich in dem Buch auch Finés Enkel Peter Maran. Er schreibt: "Besonders in Erinnerung blieb mir seine Begeisterung für kleine Baudetails. So konnte er bei einem Besuch in Innsbruck vor einem aus Breccie, einer Tiroler Gesteinsart, gehauenen Straßenlichtmast stehen bleiben und uns Kindern erzählen, wie so ein Stein behandelt und behauen wird, bis er die gewünschte Form und Oberfläche erhält." Finé baute neben prächtigen Bürgerhäusern auch Schulen, Sparkassen- und Amtsgebäude und wirkte bei der Restaurierung der Synagoge Zell und dem Umbau des Krankenhauses Zell. Daneben baute er Fabrikgebäude wie die ehemalige Zigarrenfabrik in der Zeller Balduinstraße und das Kino Capitol in Zell-Corray. Ein besonders schönes Beispiel von Finés Baukunst ist das heutige Haus Koch neben dem Zeller Schloss. Finé hat es 1924 für den damaligen Schlossbesitzer Nicolaus Mayer entworfen. Das Haus passt sich in idealer Weise dem Schloss an, zum Beispiel durch die Verwendung des Sandsteins und durch Hauarbeiten, eine feine Aufgliederung der dreigeschossigen Fassade und die Verschieferung im Giebeldreieck. Die Fassade hingegen zeigt Elemente des Art Deco. Heute befindet sich in dem Haus eine Gästepension nebst einer gemütlichen Gutsweinschänke. Bayer schreibt: "Die neuen Eigentümer haben in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt einen Solitär für Zell gerettet, den man in dieser Vollständigkeit an der Mosel suchen geht." Gerd Bayer: Der Zeller Architekt Otto Finé, 92 Seiten mit zahlreichen Farbbildern; Herausgeber: Stadt Zell; ISBN 3-89801-312-X. Das Buch ist bei der Stadtverwaltung Zell sowie den Zeller Buchhandlungen zum Preis von 9,80 Euro erhältlich.

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