Kunstwerke aus Blech

In seiner aktiven Zeit hat Karl Merten aus Traben-Trarbach Wasserhähne repariert, Leitungen verlegt und Anlagen installiert. Heute fertigt der 82-Jährige filigrane Gießkännchen. Für sein Engangement in der Innung der Gas- und Wasserinstallateure erhielt er alle möglichen Urkunden. Eine ist der Goldene Meisterbrief.

Wiederaufbau, Marshallplan, Berlin-Blockade und Rosinenbomber, Währungsreform. Man schreibt das Jahr 1948. Wer einen Beruf erlernen will, hat Probleme - die Strukturen sind gerade wieder im Aufbau. Besonders auf dem Land. Wohl mit ein Grund, weshalb Karl Merten (82) nach seiner Schulzeit Metzger werden will - gegessen wird immer.

Er beginnt mit der Lehre. Doch gerade das Schlachten von Tieren, besonders von - früher üblich - Kälbern "ging mir unter die Haut. Das hat mir nach wenigen Wochen nicht mehr gefallen." Merten bricht die Ausbildung ab. Ein Bekannter aus der Trabener Nachbarschaft ist zu der Zeit Lehrling bei einem Installateurbetrieb in Trarbach. "Er erzählte mir, dass sein Chef noch einen Azubi sucht." Merten bewirbt sich - und bekommt den Job im Betrieb in der Mittelstraße. Im Januar 1949 beginnt er seine Ausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur.Transport mit Handkarren


"Wir haben damals überwiegend Reparaturen durchgeführt", erinnert sich Merten. Mit der Instandsetzung eines Spülkastens etwa hat sein Chef 2,50 D-Mark verdient - auch damals nicht viel Geld. Dachrinnen etwa habe der Betrieb aus Blechen und Rohren selbst hergestellt. "Anfangs war es für die Firma schwierig, an Material zu kommen. Und wir haben es noch mit dem Handkarren hier am Bahnhof abgeholt." Damals sei viel mit dem Rad oder mit dem Handwagen transportiert worden. Im Januar 1953 verlässt Merten seine Heimat, geht für vier Jahre als Monteur in ein 650-Mitarbeiter-Unternehmen nach Köln. Eine große Umstellung. "In Köln wurde mehr gebaut als an der Mosel, etwa Kasernen für die Besatzungsmächte und große Wohnblocks", sagt Merten. Und der Wiederaufbau war noch nicht abgeschlossen. "Wir haben auch in Kolonnen von 20 Kollegen in großen Werken gearbeitet."

1957 kehrt Merten zurück in seinen Lehrbetrieb. Und findet veränderte Verhältnisse vor. Inzwischen wird auch an der Mosel verstärkt gebaut, unter anderem Schulen. Und die Materialien kommen per LKW. Seine Meisterprüfung macht Merten im Februar 1965. Sein Meisterwerk: ein Zierfüllhorn aus Neusilber. Seine Prüfer seien überrascht gewesen. "Sie konnten sich nicht erinnern, schon einmal so eine Arbeit bei einer Prüfung gesehen zu haben."

Das Schmuckstück besteht aus rund 50 einzelnen Teilen. Normalerweise werden für ein Werkstück Papierschablonen gezeichnet. "Aber bei dieser geschwungenen achteckigen Form war das nicht möglich", sagt Merten. Deshalb hat er eine Gipsform gefertigt, diese ausgemessen und Papiervorlagen für die Metallteile gezeichnet. "Die einzelnen Streifen habe ich stumpf aneinander gelötet." Der obere Wulst des Gebildes ist gedreht, "wie bei einer Dachrinne".

Das Horn verbirgt auch ein Geheimnis: Im unteren Bereich hat Merten ein Kupferrohr versteckt - als Gegengewicht zu dem schwereren oberen Teil. Insgesamt sehr viel Arbeit. "Ich habe etwa 900 Stunden daran gearbeitet."Umzug ins Gewerbegebiet


1966 übernimmt Merten den Betrieb. "Anfangs hatte ich ein, zwei Monteure und zwei Azubis beschäftigt", sagt Merten. Später waren es bis zu 15 Mitarbeiter plus Lehrlinge. "Wir hatten immer einen Auszubildenden." Unter anderem drei seiner vier Söhne. Das Unternehmen wächst. Die engen, winkligen Gassen in der Trarbacher Innenstadt sind zunehmend unpraktisch. 1982 zieht Mertens Firma ins Trabener Gewerbegebiet.

Merten ist nicht nur in seiner Firma engagiert. Von 1995 bis 2005 war er Obermeister, also Vorsitzender seiner Innung, und mehr als 30 Jahre, von 1973 bis 2006, im Gesellenprüfungsausschuss. "Ich wusste immer, was los ist mit den Azubis", sagt Merten.

Als Lehrlingswart (1975 bis 1995) ist er der Ansprechpartner für den Nachwuchs. Zahlreiche Urkunden schmücken die Wand in seinem ehemaligen Büro, unter anderem die Ehrennadel in Silber der Handwerkskammer Trier (1985), die Goldene Ehrennadel des Fachverbands (1993) und der Goldene Meisterbrief, den er in diesem Jahr erhielt. "2006 wurde ich vom Fachverband noch zum Ehrensenator ernannt", sagt Merten und grinst. Der Titel werde nur verliehen, "wenn es sonst keine Ehrungen mehr gibt".

1989 gab Merten seinen Betrieb an seinen zweitältesten Sohn weiter. "Ich war bis zu meinem 70. Lebensjahr als Gesellschafter mit meinem Sohn tätig." Seit 2004 führt Karl Mertens Enkel die Firma in der dritten Generation weiter. Auch wenn sich Lothar Merten vor mehr als zehn Jahren zur Ruhe gesetzt hat, die Arbeit mit Blech liebt der 82-Jährige heute noch. Für Freunde und Bekannte fertigt er Gießkännchen aus Kupfer.Extra

Wenn der Wasserhahn tropft oder im Haus eine neue Gasheizung eingebaut wird, sind sie zur Stelle, die Gas- und Wasserinstallateure. Allerdings gibt es den Beruf unter diesem Namen nicht mehr. Seit 2003 werden nur noch die Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ausgebildet. Die Handwerker kümmern sich darum, dass Gebäude mit Wasser versorgt werden und eine Heizung bekommen. Sie fertigen Rohrleitungen und bauen sie in die Gebäude ein. Sie stellen Heizungsanlagen, aber auch Solaranlagen auf und montieren diese, daher kommt die Bezeichnung Monteur. Sie kümmern sich auch darum, dass der Hausherr Energie einsparen kann und dass die Geräte funktionieren. Die Ausbildung dauert in der Regel dreieinhalb Jahre und endet mit dem Abschluss als Geselle. Die Azubis lernen sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule. Wer später einen Betrieb gründen möchte oder selbst ausbilden will, besucht noch einmal eine Schule und wird Meister. Wer nicht so praktisch veranlagt ist, kann Techniker werden. Diese berechnen und planen Anlagen für die Bereiche Heizung, Sanitär, Lüftung und Klima. mehi