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Landkreis Bernkastel-Wittlich: Ranzenkopf bekommt Mega-Windpark

Landkreis Bernkastel-Wittlich: Ranzenkopf bekommt Mega-Windpark

Auf dem Ranzenkopf soll ein kommunaler Windpark enstehen. Mehrere Projektgesellschaften sind dort tätig. 70 Millionen Euro will der Landkreis Bernkastel-Wittlich dort investieren. Aber es gibt auch Kritik an dem Projekt: eine Bestandsaufnahme.

Bernkastel-Kues/Morbach/Wittlich. Der Ranzenkopf, zwischen der Einheitsgemeinde Morbach und der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues gelegen, gilt als ein besonders günstiger Standort für Windkraftanlagen. Deshalb soll dort eine Anlage entstehen, für die die Kommunen bis zu 70 Millionen Euro investieren wollen. Die Genehmigungsverfahren laufen derzeit. Aktuell ist der Flächennutzungsplan der Gemeinde Morbach in der verkürzten Offenlage. Das bedeutet konkret, dass Anwohner noch zwei Wochen Zeit haben, um Beschwerde einzulegen. Das Thema wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert.

Die Ausgangslage:
Bislang haben einzelne Gemeinden separate Verträge mit Windkraftbetreibern abgeschlossen. Das können sie, solange sie in Verbandsgemeinden organisiert sind, auch tun. Jedes Dorf ist in der Lage, selbstständig Bauland für Windkraft auszuweisen. Einzige Ausnahme ist die Einheitsgemeinde Morbach, in der Bauvorhaben zentral gesteuert werden. Dort ist seit 15 Jahren der Windpark "Energielandschaft Morbach" in Betrieb. Er produziert mit 14 Windrädern, Photovoltaik-Anlagen und einer Biogasanlage "grünen" Strom für mehr als 13 000 Haushalte.
Der Ranzenkopf, der im Bereich der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues und der Einheitsgemeinde Morbach liegt, gilt inzwischen als besonders günstiger Standort für Windkraftanlagen.

Dort ist bereits die Windkraftgesellschaft Juwi (Wörrstadt) tätig. Wie deren Pressesprecher Felix Wächter dem TV mitteilt, wird das Gebiet um den Ranzenkopf bereits seit mehreren Jahren von Juwi beplant. Wächter: "Ende vergangenen Jahres konnten wir sechs Anlagen vom Typ Enercon E-101 in Betrieb nehmen. Pro Jahr erzeugen diese Windräder mehr als 58 Millionen Kilowattstunden sauberen Windstrom. Das entspricht dem jährlichen Bedarf von mehr als 14 000 Haushalten." Eine Anlage des gleichen Typs auf der Gemarkung Gornhausen sei im Dezember 2015 genehmigt worden. Der Baubeginn stehe kurz bevor. Zwei weitere Anlagen, ebenfalls auf der Gemarkung Gornhausen, befinden sich derzeit im Genehmigungsverfahren, so Wächter weiter.

Das Projekt:
Die zwischenzeitlich auf Initiative der Kreisverwaltung gegründete Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) "Energie Bernkastel-Wittlich" plant ebenfalls den Bau eines Windparks in diesem Gebiet. Die AöR will 14 Anlagen errichten lassen - mit einer Gesamtleistung von 42 Megawatt und einer Investitionssumme von zirka 70 Millionen Euro, so Roland Glaz vom Vorstand der AöR. Finanziert wird das Projekt über die Bremer Landesbank. An der Finanzierung sollen aber auch die regionalen Banken, Sparkasse Mittelmosel Eifel-Mosel-Hunsrück und die VR-Banken aus Wittlich und Morbach beteiligt werden.
Glaz: "Hier wollen wir regionale Impulse setzen. Wir können von einer guten Rendite ausgehen, wie sie sich darstellt, können wir aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Das kommt auf die Höhe der Einspeisevergütung der Bundesregierung an, die zu diesem Zeitpunkt gilt." Dazu pachtet die AöR Grundstücke vom Land Rheinland-Pfalz, dem der dortige Staatsforst gehört.

Die Betreiber:
Die Energie Bernkastel-Wittlich AöR ist ein kommunaler Träger. In der AöR sind der Landkreis, die EG Morbach, die VG Traben-Trarbach,, Bernkastel-Kues und Wittlich-Land vertreten. Landrat Gregor Eibes sagt zu diesem Modell.
"Wir haben eine hundertprozentige Wertschöpfung in der Region." Im anderen Modell erhalten die Kommunen lediglich die Pachteinnahmen für die Vermietung der Fläche. Neben der Energie Bernkastel-Wittlich mit ihren 14 Anlagen plant auch die Windenergie Wintrich Planungsgesellschaft einen weiteren Windpark mit zehn Anlagen nördlich des Planungsgebietes der AöR.

Der Gewinn:
Beim Modell der AöR verbleibt das Geld in der "kommunalen Familie". Zudem kann der Gewinn durch einen Solidarpakt an alle Gemeinden verteilt werden. Außerdem soll mit dem Gewinn auch die Regionalentwicklung vorangetrieben werden. So könnte der Bau eines Tankstellennetzes für E-Mobilität entwickelt werden. Der ursprüngliche Plan, eine "Bürgeraktie" anzubieten, wurde verworfen, denn bei der begrenzten Zahl solcher Aktien könnten diese nicht fair verteilt werden. Eibes: "Der Benefit soll gerecht verteilt werden, auch um den ländlichen Raum zu entwickeln."

Die Kritiker:
Karin Fass ist Vorsitzende der Bürgerintiative Wald in Not. Diese Initiative will die Ansiedlung von Windkraftanlagen am Ranzenkopf verhindern. "Wir sind nicht grundsätzlich gegen erneuerbare Energien, aber es ist fraglich, ob man dazu ausgerechnet ein Landschaftsschutzgebiet mit Wanderwegen und der historischen Römerstraße aussuchen muss", sagt Fass auf TV-Nachfrage. Sie kritisiert zudem, dass der Morbacher Gemeinderat einer verkürzten Offenlage des Flächennutzungsplans zugestimmt hat.
Dieser ist ab 13. Juni für zwei Wochen einsehbar. Dann können Bürger ihre Bedenken dazu äußern. Fass: "Wir wollen rechtlich dagegen vorgehen, denn in nur zwei Wochen haben die Leute keine ausreichende Möglichkeit dafür."