Naturschutz: Mehr Platz für Arnika und Waldeidechsen

Naturschutz : Mehr Platz für Arnika und Waldeidechsen

Der Lebensraum für gefährdete Arten in der Region soll vergrößert werden. Zuvor wird ein 23 000 Hektar großes Gebiet untersucht.

Wie schafft man es, dass der Mensch Wälder, Wiesen und Felder nutzt und dabei die Artenvielfalt erhalten bleibt? Beides unter einen Hut zu bekommen, ist das Ziel des Projekts Bänder des Lebens, für das die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken kürzlich (der TV berichtete) den Startschuss gegeben hat. Für rund 1,6 Millionen Euro wird in den kommenden zwei Jahren untersucht werden, welche Gebiete sich in dem Viereck Fischbach/Landkreis Birkenfeld, Birkenfeld, Fell an der Mosel mit dem Fellerbach und Bernkastel-Kues für eine Verknüpfung eignen.

„Zwischen Mosel und Nahe liegt eine besondere Natur- und Kulturlandschaft“, sagte die Umweltministerin. Hier seien Moore und artenreiche Wiesen genauso zu finden wie vielfältige Nieder- und Felswälder. Auch regionale Erzeuger prägen den Landschaftsraum. „Mit dem Naturschutzgroßprojekt Bänder des Lebens haben wir die einmalige Chance, die Biotope in ihrer mittelgebirgstypischen Ausprägung zu erhalten und zu pflegen und somit auch die Nationalparkregion zu stärken“, sagte sie. Das soll in enger Abstimmung mit der Land- und Forstwirtschaft, mit den Naturschutzverbänden und den Bürgern vor Ort erfolgen, sagt Höfken.

Doch wie sieht das in der Praxis aus? In den kommenden zwei Jahren wird das 23 000 Hektar große Gebiet untersucht und ein Pflege- und Entwicklungsplan erstellt, sagt die Landschaftsökologin Margret Scholtes, die das Projekt leitet. „Wir suchen in der Kulturlandschaft Gebiete, die sich für eine Vernetzung eignen“, sagt sie. In der Vergangenheit seien durch die land- und forstwirtschaftliche Nutzung Arten verschwunden oder selten geworden, sagt sie. Doch indem man den bewirtschaftenden Personen und den Eigentümern der Flächen Vorschläge unterbreitet, die entsprechenden Flächen anders zu nutzen, könnte die Artenvielfalt davon profitieren, sagt sie.

Als Beispiele nennt sie das Haselhuhn und die Arnika. Das Haselhuhn sei auf Niederwälder angewiesen, sagt sie. Indem man die Niederwälder nicht abholzt, sondern möglicherweise anders nutzt, könnte man den Lebensraum des Haselhuhns ausweiten und Bereiche, wo der scheue Vogel lebt, miteinander verknüpfen. Davon profitierten dann automatisch auch andere Arten, die in den gleichen Räumen lebten, etwa der Dukatenfeuerfalter.

Von der Arnika, einst im Hunsrück weit verbreitet, gebe es im Landkreis Bernkastel-Wittlich nur noch wenige Exemplare an drei Stellen, sagt Scholtes. Dabei benötige diese Pflanze zur Vermehrung den Austausch mit anderen Exemplaren. „Wenn es gelingt, diese Stellen zu verbinden, wird die Fläche, auf der Arnika wächst, wieder größer“, sagt Scholtes.

Doch soll die Kulturlandschaft, die der Mensch nutzt, nicht verkleinert werden. Diese soll stattdessen nachhaltiger genutzt werden. „Es ist eine Zusammenarbeit zwischen Nutzern und Naturschutz. Es geht um den Erhalt der Kulturlandschaft“, sagt sie. „Wenn wir dem Nutzer und Eigentümer sagen, wenn Du künftig das und das machst, haben auch diese Tier- und Pflanzenarten was davon.“ So entstehe eine Win-Win-Situation für Mensch und Natur. Dabei sei man offen für Vorschläge von Menschen, die die Flächen bewirtschaften. .

Wachtelweizenscheckenfalter auf Arnikablüten Foto: Margret Scholtes. Foto: Christoph Strouvelle

Doch zuerst muss das Gebiet erst einmal erfasst werden, um festzustellen, wo sich eine Vernetzung anbietet. „Wir haben eine kleinstrukturierte Region mit Waldhängen, Bachläufen, Weinbergsbrachen und vielen Biotopen. In diesem Mosaik können viele Arten vorkommen“, sagt sie. Die Dhron zwischen Dhronecken und Büdlicherbrück sei biologisch bisher kaum untersucht. „Ich bin gespannt, was wir dort alles finden“, sagt sie. Wie sensibel selbst kleine Veränderungen sein können, erläutert Scholtes an den Wiesen rund um die Burgruine Baldenau, die eine Besonderheit darstellten: Dort gebe es auf kleiner Fläche trockene, frische und nasse Stellen, auf denen jeweils andere Pflanzen lebten. „Fällt ein Teil weg, kann es eine ganze Population treffen“, sagt sie.

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