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Seit 125 Jahren geht es um Wurst und Schinken

Seit 125 Jahren geht es um Wurst und Schinken

Bereits in der vierten Generation können Morbacher in der Metzgerei Kneppel Wurst und Fleisch kaufen. Es ist einer der wenigen Betriebe, die noch selbst schlachten. Vor 125 Jahren wurde der Betrieb gegründet und ist immer noch in Familienbesitz.

Morbach. Hauseigene Schlachtung beim Metzger? Das gibt es schon längst nicht mehr in jedem Dorf, wie es vielleicht vor 100 Jahren mal der Fall war. In Morbach aber hat sich solch ein Betrieb gehalten.
In diesem Jahr feiert die Metzgerei Kneppel ihr 125. Firmenjubiläum. Klaus Gauer-Kneppel führt das Geschäft nun in der vierten Generation. "Eigentlich habe ich Bürokaufmann gelernt, bin dann durch Heirat in den Betrieb gekommen, und bin Metzger geworden. Das ist inzwischen mein Traumberuf", sagt Kneppel. Der Kontakt mit Menschen, die Vielfalt und die Kreativität sind es, die ihn motivieren.
"Man kriegt immer Aufwind und Motivation durch Lob", sagt er. Und das erhält er offenbar oft und aus gutem Grund. Die Tiere, die Kneppel verarbeitet, kommen nämlich aus einem Umkreis von maximal zehn Kilometern um Morbach. Er arbeitet mit sieben Landwirten aus Rapperath, Riedenburg, Hoxel und weiteren Orten zusammen, die in der Metzgerei auch namentlich genannt sind. Mit manchen arbeitet die Familie schon seit 40 Jahren zusammen.Tiere aus der Region


"Die Leute wollen wissen, wo das Fleisch herkommt. Wir schlachten nur Tiere, die aus einer Bucht kommen, sich also kennen. Deshalb sind die Tiere nicht so gereizt", sagt er. Seit 2011 ist der Betrieb auch Mitglied der Regionalinitiative "Ebbes von hei", in der regionale Produkte aus dem Hunsrück vermarktet werden.
Daher habe sich die Investition von einer halben Million Euro in den frühen 2000er Jahren für ihn gelohnt. "Wir mussten damals die Metzgerei zum EU-Betrieb umbauen, um die hohen Standards zu erfüllen. Da hatte ich manchmal schon schlaflose Nächte. Aber es hat sich auf jeden Fall ausgezahlt."
Das zeigt sich auch an seiner Kundschaft, wie der 59-Jährige erläutert: "Wir stellen immer mehr fest, dass auch Kunden aus Trier oder Mainz reinkommen, wenn sie in der Gegend sind." Wieviele Tiere bei ihm geschlachtet werden? "Es sind zwei Rinder und 14 bis 18 Schweine pro Woche, ab und zu kommt Lamm oder Wild dazu."
Los ging es im Jahr 1891. Am 5. Dezember gründeten Bernhard und Christine Kneppel, geborene Horix, den Betrieb. Damals wurde in guten Wochen ein Rind und ein Schwein geschlachtet. Wie die Chronik der Metzgerei verrät, war es damals sogar üblich, den Laden am Sonntag bis 14 Uhr offenzuhalten und den herrschaftlichen Kunden die Ware ins Haus zu liefern.
Zwei Jahre später schon erwarben sie das Stammhaus am Unteren Markt, wo sich die Metzgerei auch heute noch befindet. Die Geschäfte florierten, besonders wegen des Baus der Hunsrück-Eisenbahn und der Anfänge der Holzindustrie. Immer mehr Menschen, darunter auch viele Gastarbeiter, zogen damals in den Hunsrück.
1934 rückte dann die nächste Generation nach, Alfred und Christa Kneppel. 1938 erlebte die Metzgerei einen weiteren Boom durch den Bau der Hunsrückhöhenstraße, der jäh durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde. Aber nach dem Krieg und mit Einführung der Währungsreform kam wieder wirtschaftlicher Aufschwung in die Region.
Die Ladeneinrichtung wurde in den 1950er und 1960er Jahren erneuert, die Wurstküche erweitert und ein neues Schlachthaus gebaut. Schließlich rückten Alfred und Anita Kneppel nach. Deren Tochter Petra beschloss, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Als sie 1984 Klaus Gauer heiratete, ging er bei seiner Frau in die Lehre, um ebenfalls Metzger zu werden.
Heute hat die Metzgerei 20 Mitarbeiter, von denen viele bereits seit Jahrzehnten beschäftigt sind. "Es ist schon wichtig, dass langjährige Mitarbeiter ihre Erfahrungen an unseren Azubi weitergeben können", sagt Kneppel. Es sei allerdings bedauerlich, dass es so wenig Nachwuchs gibt, denn der Beruf biete viele Chancen.