Theaterdonner auf Burg Landshut

BERNKASTEL-KUES. Als Ort der Kunst und der Kultur wurde die Burg Landshut bisher wenig genutzt. Vielleicht wird das anders. Es gibt zumindest Pläne für ein Burgtheater Bernkastel.

Das Wiener Burgtheater ist eine Institution, das Burgtheater Bernkastel kennt fast niemand. Kein Wunder, denn es ist auch nicht vorhanden. Wenn es nach Theo Regnier geht, wird sich das ändern. Der in Bernkastel-Kues geborene Drehbuchautor, der seit 1969 in München wohnt, möchte die Burg Landshut zum Freilichttheater machen. "Ein Blick auf die mittlerweile etablierten Burgtheater-Aufführungen auf der Burg Mayen mit über 320 000 Besuchern in gut 15 Jahren sollte Mut machen, die Ärmel hochzukrempeln und Ähnliches zu versuchen", heißt es in dem Schreiben, mit dem Theo Regnier Stadtbürgermeister Wolfgang Port das Projekt schmackhaft machen will.Gemäuer befindet sich im Eigentum der Stadt

Die Burg befindet sich im Eigentum der Stadt. Sie wird von einer Pächterin gastronomisch genutzt. Heute, Donnerstag (19 Uhr, Rathaus), wird sich der Ausschuss für Tourismus, Stadtentwicklung, Kultur und Kur mit dem Thema beschäftigen. "Wir wissen ja noch nicht, wie es mit den Mosel Festwochen weitergeht", sagt der nach möglichen Alternativen suchende Stadtbürgermeister. Eine solche Theater-Veranstaltungsreihe sei geeignet, ein "Alleinstellungsmerkmal" zu bilden. Solche nicht austauschbaren Elemente gewännen beim Kampf um die kleiner werden Stücke des touristischen Kuchens an Bedeutung. "Bernkastel-Kues könnte mit einem Theater auf der Burg Landshut ein langfristiger Erfolg beschieden sein, wenn das richtige Konzept vorliegt und alle Beteiligten an einem Strang ziehen", glaubt Theo Regnier. "Es wäre denkbar, dass irgendwann der Theatersommer auf der Burg Landshut zum festen Bestandteil des städtischen Veranstaltungskalenders wird und so selbstverständlich zur Stadt gehört wie das Feuerwerk und der Festzug zum Weinfest der Mittelmosel." Die Infrastruktur sei vorhanden, glaubt Regnier, auch, wenn die Burg hoch auf der Mosel throne und die Parkplatz-Kapazität an der oberhalb gelegenen Jugendherberge begrenzt sei. Wirtschaftlich sinnvoll sei eine Zuschauerkapazität von mindestens 500. Diese Zahl lasse sich aber wahrscheinlich nur realisieren, wenn an einer Seite des Hofes eine Stahlrohrtribüne installiert werde. Zum Vergleich: Beim großen Freiluftkonzert des Männerquartetts Bernkastel-Kues im Juli 2004 fanden circa 300 Zuhörer Platz. "Der kritischste Punkt bei frei finanzierten Theateraufführungen ist die Kalkulation", schreibt Regnier dem Bürgermeister. Er hat exemplarisch eine Kalkulation für sechs Vorstellungen aufgestellt. Sie enthält unter anderem die Kosten für vier Profi-Darsteller, für Techniker und Musiker, Kostüme, Lichtanlage, Bühne und Bühnenbild. Dabei kommt Regnier auf circa 161 000 Euro. Durch Spenden, Sponsoren und Eigenleistung könne diese Summe auf 83 000 bis 88 000 Euro verringert werden. Bei sechs Mal 600 Zuschauern und einem Kartendurchschnittspreis von 26 Euro errechnet Regnier Einnahmen von 93 000 Euro, bei einer Auslastung von 60 Prozent von immer noch 56 100 Euro. Eines stellt Regnier aller Rechnerei erst einmal voran: "Ohne Mithilfe von Sponsoren und ehrenamtlichen Helfern geht wenig bis gar nichts." Hermann Lewen, Intendant der Mosel Festwochen, hat mit Theo Regnier gesprochen. "Er macht einen seriösen Eindruck. Und grundsätzlich ist das eine gute Geschichte. Ich glaube aber, dass sie nicht finanzierbar ist", sagt Lewen. Die Kultur boome weiter - auch bei Freilichttheatern. Lewen stellt aber Fragen: "Muss man aber überall ein neues Fass aufmachen? Und muss es in solch einer Dimension sein?" Das finanzielle Risiko sei "sehr groß". Lewen glaubt nicht, dass der Stadtrat ein solches Projekt absegnet.

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