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Vor 80 Jahren vor 80 Jahren führte eine große Werbetour für den „Kraft-durch-Freude-Wagen“ in die Region.

Geschichte : Propagandafahrt durchs Moselland

Auf den Tag genau vor 80 Jahren führte eine große Werbetour für den „Kraft-durch-Freude-Wagen“ in die Region. Die Vorführung des neuen Volkswagens stieß vielerorts auf freudige Begeisterung.

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers verfolgten die Nationalsozialisten ehrgeizige Projekte zum Ausbau des Straßenverkehrs im Deutschen Reich. Neben der Errichtung von Autobahnen forcierte das NS-Regime insbesondere die Entwicklung eines preisgünstigen Kraftwagens für die breite Bevölkerung.

Der vor diesem Hintergrund entstandene „Volkswagen“ sollte mithilfe einer umfangreichen Werbe- und Ansparaktion der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) vermarktet werden. Um möglichst viele Interessenten sowie Sparer für den sogenannten KdF-Wagen gewinnen zu können, wurde eine ausgedehnte Propagandafahrt durch das ganze Land gemacht.

Die straff organisierte Werbetour führte wenige Tage nach der Reichspogromnacht durch den damaligen Gau Koblenz-Trier. Um den 15. November 1938 wurden drei Vorführwagen des ersten „VW-Käfers“ in zahlreichen Gemeinden des früheren Landkreises Trier und den umliegenden Nachbarkreisen vorgeführt.

Das Trierer Nationalblatt berichtete einst über die aufsehenerregende Präsentation der Automobile in der Römerstadt: (…) „Es regnete Bindfäden, grau war der Himmel und noch grauer die Umgebung angesichts der ,schwarzen’ Porta nigra, als am Dienstag früh gegen 9 Uhr eine stattliche Menge sich vor dem Verkehrsamt angesammelt hatte und trotz Regen, Nebel und früher Stunde der Dinge harrte, die da kommen sollten. (…) Wieselflink, schnittig, noch glänzender durch unzählige winzige Nebel- und Regenperlen bogen sie um die Ecke, schwenkten vor dem freien Platz am Verkehrsamt ein und standen nun da angesichts einer staunenden Menge, die es nicht glauben wollte, dass dies nun der KdF-Wagen sein sollte, dass diese drei herrlichen, geräumigen und doch so eleganten Autos keine Luxuslimousinen, sondern „nur“ die Volkswagen sind. Wagen für jedermann. „Das ist doch unmöglich“, hörte man sagen, „Donnerwetter noch einmal, so soll mein Auto aussehen?!“ meinte ein anderer, und strahlend hüpfte ein biederer Schlosser von einem Bein auf das andere: „Ich habe schon 100 Mark angezahlt und bin ganz gewiss einer der ersten, die die Wagen bekommen.“ (…)“

Auch im ehemaligen Landkreis Bernkastel wurden die neuartigen Kleinwagen von einer großen Menschenmenge empfangen und mit Begeisterung in Augenschein genommen. Die Bernkasteler Zeitung vom 17. November 1938 schilderte das außergewöhnliche Ereignis wie folgt: „Der Himmel meinte es nicht gut, als die ersten KdF-Volkswagen auf einer Besichtigungsfahrt in unserer Stadt eintrafen. Es regnete unaufhörlich und trotzdem hatten sich am Dienstag abend zahlreiche Interessenten am Gestade eingefunden, Männer vom Fach und Volksgenossen, die sich mit dem Gedanken tragen, einen Volkswagen zu kaufen. (…) In allen Orten, die die drei Wagen in unserem Kreisgebiet berührt haben, fanden sie größtes Interesse. In Mülheim, Neumagen, Thalfang und Morbach wurde zur Besichtigung halt gemacht. Die anderen Orte wurden langsam durchfahren. (…)

Ohne Zweifel hat die Besichtigungsfahrt auch im Kreise Bernkastel dem Volkswagen neue Freunde geworben. Sie werden sich noch mehren, wenn einmal der erste Wagen in unseren Kreis übergeben ist, denn unter denen, die den ersten Wagen im Gaugebiet erhalten, befindet sich auch ein Volksgenosse aus Bernkastel-Kues.“

Der von den insgesamt 336 668 VW-Sparern gehegte Traum vom eigenen Wagen sollte jedoch schon bald jäh zerplatzen. Denn nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges produzierte das Volkswagenwerk anstelle der begehrten KdF-Wagen militärische Geländefahrzeuge auf Basis der VW-Limousine. Darüber hinaus verloren die Sparkarten (Anzahlungsbelege) der vielen Volkswagen-Kunden nach Kriegsende ihren Wert.