Wenn Häftlinge singen

WITTLICH. (scho) Sie müssen ihn gemocht haben: Nach 23 Jahren in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich wurde Gefängnispfarrer Ulrich Katzenberger in den Ruhestand verabschiedet. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Gefangenen. Mit Liedern und Instrumentalstücken dankten sie dem Mann, den sie in vielen Gesprächen kennen gelernt haben, und dem sie ihr Herz geöffnet haben.

Der Einladung des Kreissynodalvorstands des Kirchenkreises Trier waren rund 250 Wegbegleiter Ulrich Katzenbergers gefolgt. Der 65-Jährige war in den vergangenen 23 Jahren als Gefängnispfarrer in Wittlich im Einsatz (der TV berichtete). Zum Abschiedsgottesdienst in der Gefängniskirche waren auch mehr als 50 Häftlinge gekommen. Eine Gruppe Gefangener hatte gar die komplette musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernommen. Die Arbeit des evangelischen Pfarrers wurde unter anderem in Ansprachen von Christoph Pistorius, Superintendent des Kirchenkreises Trier und dem Wittlicher JVA-Leiter Franz Kohlhaas gewürdigt. "Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene", zitierte Katzenberger bei seinem letzten Gottesdienst in der Gefängniskirche aus der Bibel. Um Vergebung bat ein Häftling in seinen Fürbitten. Ergreifende Stille herrschte bei den Musikbeiträgen der Häftlinge, die mit Trompete und Orgel, Gitarre und vor allem ihrer Stimme dem evangelischen Pfarrer dankten. "Ich möchte Ihnen ein Lied singen von jemanden, der sich mehr Schule und Bildung und weniger Gefängnis gewünscht hat", sagte ein Häftling und nahm mit seiner Gitarre vor dem Altarraum Platz und sang "Comandante Che Guevara" so schön, dass die sonnigen Straßen Kubas näher schienen als die dicken gesicherten Gefängnismauern rund um die Kirche.

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