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Wo parken sie denn? Stadt Wittlich gibt Antwort

Wo parken sie denn? Stadt Wittlich gibt Antwort

Es gibt in Wittlich immer einen freien Parkplatz. Für den, der ein paar Meter geht, klappt das, ohne zu bezahlen. Teilweise hat sich die Nutzung der öffentlichen Plätze verändert, insbesondere im Hinblick auf längere Verweilzeiten: Denn seit dafür teils gezahlt werden muss, werden Alternativen gesucht. Das ist Fazit eines Vergleichs der Jahre 2012 und 2015.

Wittlich. Bernhard Kossendey ist außer sich. Er sitzt für die FWG im Stadtrat, sein Steckenpferd: Parkplätze. Erst hat er sich der Entscheidung entzogen, die eine mögliche Bebauung des provisorischen Parkplatzes an der Seite des Fürstenhofs voranbringen wird (der TV berichtet). Er hat sich während der Abstimmung ins Publikum gesetzt. Denn das ist für ihn eine "Katastrophe". Kein Platz dürfe wegfallen und: "Wir haben Parkplätze, aber nicht da, wo die Leute parken wollen."

Dann hört er, dass trotz der neuen Parkgebühren und einer generellen Brötchentaste von - aus seiner Sicht "nur" einer halben Stunde -, das Parken in Wittlich kein Problem sein soll. Das geht jedenfalls aus einem Vergleich der Jahre 2012 und 2015 hervor. In beiden Jahren wurden sämtliche Parkmöglichkeiten an jeweils einem Tag von morgens bis abends auf die Nutzung hin beobachtet: vom großen Gelände am Rommelsbach bis zum Angebot der Sparkasse nahe dem Friedhof oder dem Platz im Talweg nahe der Clara-Viebig-Realschule.

Das sollte einen Vergleich ermöglichen, inwieweit sich die stehende Blechlawine nach der teilweisen Einführung von Gebühren oder Zeitbeschränkungen im Oktober 2014 geändert hat.
Andre Engel von der Stadtverwaltung hat das umfangreiche Datenmaterial zusammengefasst und im Stadtrat vorgestellt. Bei der Zählung 2015 wurden im Vergleich zu 2012 demnach acht Prozent mehr Autos auf den rund 2000 Stellplätzen erfasst, die von rund 10 000 PKW belegt waren. Die verteilen sich zu jeweils einem Drittel auf lang, mittel und kurz Parkende. Wer lang kostenlos stehen bleiben will, hat sich offensichtlich Alternativen gesucht: Eine ist das Gelände am Talweg/Beethovenstraße mit 68 Plätzen. Dort ist die Nutzung von 137 Wagen auf 205 am Tag gestiegen. Weniger Langzeitparker gibt es am Viehmarkt (227 Plätze). Dort ist ein Rückgang von 58 Prozent zu verzeichnen. Dort konnte man früher kostenlos stehen.

Andre Engel nennt noch eine Zahl: An den 20 Parkscheinautomaten wurden 2015 775 000 Tickets gezogen, davon 470 000 Freitickets für die halbe Stunde. "Das ist schade für die Innenstadt, weil die Leute dann nur eine halbe Stunde da sind", sagt Kossendey. Stephan Lequen, Grüne: "Würden wir schon für die Brötchentaste 50 Cent nehmen, wären das 200 000 Euro: Das ist eine Menge Geld, die wir für kostenloses Parken in der Innenstadt, also auch für die Einzelhändler, ausgeben." Und Joachim Gerke, SPD, gibt zu bedenken: "Und wer sich eine Stunde in der Stadt aufhält, für den sollten 50 Cent kein Unding sein." Die Geschäftsleute könnten ansonsten Kunden diesen Betrag als Marketinggag erstatten. Elfriede Meurer, CDU, fasst Engels Bilanz zusammen: "Es gibt zu allen Tageszeiten genügend freie Parkplätze. Es läuft also gut. Zumindest die Zahlen sagen das." FWG-Mitglied Kossendey sieht das anders.Meinung

Weltuntergang ist ausgeblieben
Kein Mensch freut sich, wenn er denkt, er muss für etwas bezahlen, was er auch umsonst haben könnte. Besonders auf dem Land gehört zu den Angeboten, für das man eigentlich nichts zahlen will, der Parkplatz. Er ist auch ein wichtiges Gut für alle, die etwas verkaufen wollen, also den Einzelhandel. Als die Stadt Wittlich angesichts ihrer Verschuldung unter anderem die Heilige Kuh des kostenlosen Parkangebots zum Teil opfern wollte, ihr blieb auch nicht viel anderes übrig, war das Geschrei teils so groß, dass man, übertrieben gesagt, den Weltuntergang befürchten musste. Er ist ausgeblieben. Und, wie jetzt die Zahlen zeigen, ist es auch so, dass, bis auf wenige Ausnahmetage, jedermann, der unbedingt will, auch immer noch einen kostenfreien Platz stadtnah findet, wie es sich auf dem Land gehört, sozusagen. Und es bleibt dabei, dass manch ein Geschäftsinhaber immer noch den eigenen Kunden den nächstgelegenen Platz wegnimmt. Das ist in jedem einzelnen Fall unklug. s.suennen@volksfreund.de