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Kultur
Fast vergessene Glocke ist wieder da

Peter Bucher zeigt die wieder aufgetauchte und gesäuberte Glocke und den Glockenstuhl.
Peter Bucher zeigt die wieder aufgetauchte und gesäuberte Glocke und den Glockenstuhl. FOTO: Beckmann Clemens
Burg. 60 Jahre stand das gute Stück auf dem Dachboden der ehemaligen Burger Schule. Feuerwehrleute und engagierte Bürger haben ihr zu neuem Glanz verholfen. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Heimat und Region: Die Begriffe gewinnen wieder mehr an Bedeutung, wie auch die laufende Serie Heimat-Genuss im Trierischen Volksfreund zeigt. Auch in anderen Bereichen ist im positiven Sinne durchaus eine Rückbesinnung auf Werte und Traditionen zu spüren. Dazu passt auch die Geschichte von der alten Schulglocke im Moselort Burg, die nach 60 Jahren auf einem Dachboden wieder ins Licht der Öffentlichkeit rückt.

Was vielleicht schon in Vergessenheit geraten ist: In früheren Jahrhunderten läuteten Kirchenglocken nicht nur zu frommen Anlässen. Sie wurden auch in Gang gesetzt, wenn es brannte oder wenn ein auswärtiger Händler seine Waren anbot. In Burg zumindet verbot die Pfarrgemeinde Ende des 19. Jahrhunderts die Nutzung der Kirchenglocke zu privaten Zwecken.

1899 gab die Gemeinde deshalb bei der Gießerei Mabilon in Saarburg eine neue Glocke in Auftrag. Im Jahr 1900 wurde ein Türmchen mit dieser Glocke auf das Dach des damaligen Schulhauses gebaut. Damit war der Glockenkrieg zwischen Zivil- und Pfarrgemeinde beendet.

57 Jahre später wurde die neue Volksschule eingeweiht, das alte Schulgebäude wurde verkauft. Die Glocke samt Glockenstuhl wurde in Absprache mit dem neuen Besitzer auf dem Dachboden zwischengelagert – und geriet offenbar im Laufe der Jahre in Vergessenheit.

Als das Haus 2017 weiterverkauft wurde, fiel einigen älteren Bürgern wieder ein, dass dort noch die alte Glocke auf dem Dachboden steht. 2018 gelang es dann auf Initiative der Feuerwehr  und des Ortsbürgermeisters, die Glocke wieder in Besitz zu bekommen.

Peter Bucher, Chef der Burger Feuerwehr, erzählt dies alles und bezieht sich dabei auch auf die Chronik des Ortes. Es ist Zufall, dass Ortsbürgermeister Rudolf Bucher und er just in der Zeit ihre Ämter übernahmen, als die Glocke quasi wiederentdeckt wurde. Peter Bucher interessiert sich sehr für die Geschichte seines Heimatortes und hat sich deshalb ensprechend dafür stark gemacht, dass die Glocke wieder einen adäquaten Platz bekommt.

Wie ging es mit ihr nach der Wiederentdeckung weiter? Die Mitglieder der Feuerwehr holten sie und den Glockenstuhl in einer aufwändigen Aktion vom Dach. Aktive der 21 Leute umfassenden Wehr und weitere Bürger gaben sich dann daran, die Glocke und den aus Eichenholz bestehenden Glockenturm wieder in einen vorzeigbaren Zustand zu bringen. „Glocke und Glockenstuhl waren verstaubt und voller Vogelkot“, erzählt der Wehrführer. Das Ergebnis ist im Feuerwehrhaus zu besichtigen und kann sich auch sehen lassen.

Doch was passiert nun damit? Bei der Antwort auf dieses Frage kommt die Ortsgemeinde ins Spiel. Voraussichtlich, so Ortsbürgermeister Rudolf Bucher, werden Glocken und Glockenstuhl am neben dem Gerätehaus stehenden Bürgerhaus einen neuen Platz finden. „Wir werden dafür ein Podest bauen lassen“, kündigt Rudolf Bucher an.

Damit die Glocke einigermaßen hoch steht, werde ein Metallgerüst gebaut. Finanziert werde es mit Spenden.

Der Ortsgemeinderat Burg habe auf Sitzungsgeld verzichtet und dafür bei einem Fest Speisen und Getränke besorgt. Die wiederum seien kostenlos, aber mit Hoffnung auf eine Spende abgegeben worden. So seien insgesamt etwa 1000 Euro zusammengekommen, berichtet der Ortsbürgermeister, der explizit das Engagement von Wehrführer Peter Bucher hervorhebt.