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Fuchsschwanz, Zahnrad, Zifferblatt

Jedes Werk ein Blickfang: Norbert Huppertz mit einem seiner Objekte. Am Montag beginnt die Ausstellung in Welchenhausen. Foto: Museumsverein
Jedes Werk ein Blickfang: Norbert Huppertz mit einem seiner Objekte. Am Montag beginnt die Ausstellung in Welchenhausen. Foto: Museumsverein
Welchenhausen. Neue Bedeutung für abgelegte Gegenstände: Der ostbelgische Künstler Norbert Huppertz bestreitet mit seinen ungewöhnlichen Arbeiten die Frühjahrsausstellung in der Arte-Halle von Welchenhausen. Sie beginnt am Ostermontag, 1. April, und ist bis Donnerstag, 27. Juni, rund um die Uhr zu sehen. Fritz-Peter Linden

Welchenhausen. Zum Jubiläum -der 50. Ausstellung in zehn Jahren - bietet der Museumsverein der Arte-Halle im Grenzörtchen Welchenhausen eine Schau mit außergewöhnlichen Objekten und Installationen: Werkzeuge, Zahnräder, Gläser oder rostige Ketten - Norbert Huppertz verschafft diesen Gegenständen in seinen Arbeiten neuen Sinn, ganz frei von allen früheren Zwecken.
Der ostbelgische Künstler, so heißt es in der Ankündigung des Museumsvereins, lasse sich von Objekten aller Art faszinieren, um sie dann - angeregt von deren Form oder früherer Funktion - aktuelle oder allgemein menschliche Themen formulieren zu lassen.
Das tut der Künstler immer wieder auch mit Witz und Schärfe: Wie in der Arbeit mit dem Titel "Doping", bei der man einen Hammer auf einen Haufen von Spritzen niedersausen lassen kann.
Auch Dadaistisch-Verspieltes hat Huppertz im Angebot: wie den wunderbar wörtlich genommenen "Fuchsschwanz", bei dem er einen echten Schweif an einen Sägegriff montierte. In "Vanitas" sieht man ein schädelartiges Gebilde mit einem Löffel anstelle des Mundes und zwei Filmspulen anstelle der Augen. "Man mag dazu ,Filmriss\' oder ,Zerkratzen\' des Lebens-Films assoziieren", bemerkt der Vereinsvorsitzende Bernd Kersting und ergänzt: "Was man für sich als Sinn finden will, überlässt Norbert Huppertz den Betrachtern."
Ein weiteres Thema, mit dem sich der Künstler auseinandersetzt: der Umgang der Menschen mit Zeit und Vergänglichkeit. Darauf weisen etliche Fundsachen oder auch Sperrmüll-Objekte, die Huppertz verwendet. Besondere Wirkung erreiche Huppertz durch zusätzliche Bewegungs- und Lichteffekte. In "Zeit-Los" drehen sich Zifferblatt, Zahnräder, Uhrzeiger, aus ihrem Zusammenhang gerissen, fortwährend rasselnd im Kreis.
Bei anderen Objekten drehen sich Räder und Transportketten sinnlos im Leeren. Bernd Kersting: "Die Kinetik wie die Beleuchtung sind Teil des Spielerischen, das für den Künstler eine große Rolle spielt. Beides dient aber auch dem Sinn und der Aussage der jeweiligen Bildkomposition."
Tüftelei und Raffinesse


Die Freude an technischer Tüftelei und Raffinesse sei unübersehbar - damit befreie Huppertz aber seine Werke zugleich von allem "Museal-Schwergewichtigen" und lade den Betrachter dazu ein, sich einfach daran zu erfreuen - "so wie man\'s früher als Kind auf Kirmes- und Rummelplatz tat".
Es ist bereits die 50. Ausstellung im Museum innerhalb von zehn Jahren. Dabei wurde, dem Museumsprogramm entsprechend, stets auch Künstlern der Nachbarländer die Gelegenheit gegeben, sich mit ihren Arbeiten zu präsentieren. Wie immer ist der Eintritt frei. Und wie immer sind die Werke rund um die Uhr in der Ortsmitte zu sehen - denn die Arte-Halle (die Busstation in Welchenhausen) ist nicht abschließbar.
Extra

Norbert Huppertz, Jahrgang 1949, begann vor zwanzig Jahren als Autodidakt. Seitdem ist er mit zahlreichen Ausstellungen vor allem in seiner belgischen Heimat, aber auch in Luxemburg und Deutschland an die Öffentlichkeit getreten. Er arbeitet in Amel-Medell und ist Mitglied des "Kunstforum Ostbelgien". Das Museum in der Warte-Halle Welchenhausen zeigt eine Auswahl seiner Werke. Die Eröffnung mit Einführungsrede, Umtrunk, Kaffee und Kuchen ist Ostermontag um 15.30 Uhr. Mehr im ist Internet unter www.kult-our-tal-museum.de zu finden.red/fpl