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Diebe und Einbrecher kommen oft ungeschoren davon

Diebe und Einbrecher kommen oft ungeschoren davon

Einbrüche nehmen in der Region Trier zu. Oft sind dabei Profis am Werk. Geht es um Gewalt im öffentlichen Raum, spielt der Alkohol eine zentrale Rolle. Besonders in Trier verzeichnet die Polizei eine Zunahme dieser Straftaten. Die Täter sind oft jünger als 21 Jahre.

Trier. "Die Kriminalitätsstatistik ist das Sicherheitsbarometer für die Gesellschaft und die Polizei." Lothar Schömann, Präsident des Polizeipräsidiums Trier, wählt diese Worte mit Bedacht. 6000 Quadratkilometer groß ist der Zuständigkeitsbereich seiner Beamten. 609 000 Menschen leben in dieser Region. Genau 18 841 von ihnen bekamen es im vergangenen Jahr als Tatverdächtige mit der Polizei zu tun.
Dass die Menschen Sicherheit anders empfinden, als die objektiven Zahlen es belegen, weiß der Polizeipräsident auch. Denn von der Öffentlichkeit wahrgenommen würden besonders die schweren Straftaten, ein vergleichsweise kleiner Anteil der Gesamtzahl (siehe Grafik).
So ging die Zahl der Kapitaldelikte im Vergleich zum Vorjahr um fast die Hälfte zurück. Wie bei Sexualstraftaten, Raubüberfällen und Körperverletzungen lag die Aufklärungsquote bei etwa 90 Prozent.
Weitaus weniger erfolgreich sind die Ermittler bei Diebstählen. Nicht einmal jeder zweite Diebstahl kann aufgeklärt werden. Geht es um Einbruchdiebstahl, sinkt die Quote nochmals auf 17,2 Prozent.
Gerade dieser Bereich hat allerdings im vergangenen Jahr zugenommen. So ist die Zahl der Einbrüche- und Einbruchsversuche auf 705 Fälle (plus 122) gestiegen. Edmund Scheuern, Leiter der Abteilung Eigentumskriminalität: "Wir gehen davon aus, dass dafür vor allem reisende und organisierte Tätergruppen verantwortlich sind." Ein Hinweis dafür sei auch die Häufung der Einbrüche im Bereich der Polizeidirektion Wittlich im Grenzraum zu Belgien. Aber auch in der Stadt Trier und im Umland seien professionelle Täter am Werk, die in der Regel dort nicht ihren Wohnsitz hätten. "Die negative Tendenz setzt sich in diesem Jahr leider fort", sagt Scheuern.
Besonders in Trier rückt zudem das Thema Rohheitsdelikte in den Fokus. Darunter fallen zum Beispiel Raub, Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Deren Zahl ist insgesamt in der Region zwar leicht gesunken. In Trier ist die Tendenz allerdings anders. So gab es hier 2013 insgesamt 1668 (plus 44) solcher Straftaten. Besonders auffällig ist die Zunahme der Körperverletzungen, die auf Straßen, Wegen oder öffentlichen Plätzen begangen wurden. Nach 94 Raubstraftaten 2012 dokumentiert die Polizeistatistik für das vergangene Jahr 145 solcher Vorfälle. Rainer Nehren, neuer Leiter der Polizeiinspektion Trier, kennt die Hintergründe: "Körperverletzungsdelikte finden vor allem im Umfeld von Gaststätten oder Diskotheken statt. In der Regel ist dabei Alkohol im Spiel."
Eine besondere Rolle spielt laut Nehren bei Schlägereien und Raub die Gruppe der Tatverdächtigen unter 21 Jahren. "Jede fünfte Straftat in Trier wird von einem Täter begangen, der unter 21 Jahren alt ist. Bei den Körperverletzungen ist jeder vierte Täter in diesem Alter. Geht es um Gewalt auf Straßen, Wegen und Plätzen, ist fast jeder zweite Täter jung."
Hohe Polizeipräsenz verhindere bei großen Festen und im Umfeld der Spiele von Eintracht Trier weitgehend Gewalttaten.
Polizeipräsident Lothar Schömann nennt die Region Trier eine der sichersten im Land. Er weiß aber auch, wann es gefährlich werden kann: "Wir sehen den Zusammenhang von Alkohol und Straftaten immer deutlicher."Meinung

Vorsicht und Vorsorge
Das subjektive Gefühl von Sicherheit passt häufig nicht mit den objektiven Zahlen einer Statistik zusammen. Zu groß ist der Eindruck von Berichten über Mord und Totschlag, Überfällen und Vergewaltigungen. Die scheinbare Häufung solcher Taten innerhalb weniger Wochen verunsichert und macht Sorgen. Dabei sind sie nur ein winziger Teil der 37 000 Straftaten 2013. Männlich, jung und betrunken - auf diese drei Hauptmerkmale lässt sich das allgemeine Täterprofil bei Gewalttaten im öffentlichen Raum reduzieren. Übrigens trifft das auch überwiegend auf die Opfer zu. Wer nach dem Kneipenbesuch nachts alleine nach Hause wankt, geht das größte Risiko ein, sich eine gebrochene Nase einzuhandeln und sein Geld oder Handy loszuwerden. Die Polizei kann nicht jede Gewalttat verhindern. So etwas zu wissen und die Konsequenzen daraus zu ziehen, hilft aber ebenso, um nicht Opfer einer Straftat zu werden, wie die Kenntnis einfacher Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung von Wohnungseinbrüchen: Türen sichern und Fenster nicht gekippt lassen. Wer dann auch noch einen aufmerksamen Nachbarn hat, ist meistens auf der sicheren Seite. r.neubert@volksfreund.deExtra

Die Kriminalitätsstatistik Trier wird stark beeinflusst durch den Bereich "Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylrecht". 4183 solcher Verstöße wurden 2013 registriert. Die Steigerung um 82,4 Prozent steht in Zusammenhang mit der Ausweitung der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende. Nach Aussage der Polizei sind diese Verstöße in der Regel nicht strafrelevant. r.n.