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Düsseldorfer Autozulieferer Capricorn kauft Nürburgring: Achterbahn Ringracer wird stillgelegt

Düsseldorfer Autozulieferer Capricorn kauft Nürburgring: Achterbahn Ringracer wird stillgelegt

Der insolvente Nürburgring geht aus staatlichem in privaten Besitz über. Der mittelständische Automobilzulieferer Capricorn mit Hauptsitz in Düsseldorf, der ein Werk am Ring hat, kauft zum 1. Januar 2015 die legendäre Eifel-Rennstrecke für 77 Millionen Euro. Weitere 25 Millionen Euro sollen in die weitere Entwicklung investiert werden. Dicht machen will der neue Eigner das Erlebnisdorf "Grüne Hölle", die Achterbahn Ringracer soll stillgelegt werden.

Das haben am Dienstagnachmittag die Ring-Sanierer Thomas B. Schmidt und Jens Lieser bekannt gegeben. Damit steht fest, dass mehr als 250 der 330 Millionen Euro Steuermittel, die von 2007 bis 2009 am Nürburgring in ein Freizeit- und Geschäftszentrum investiert wurden, abgeschrieben werden müssen.

Die Entscheidung hatte sich stundenlang verzögert, weil im Gläubigerausschuss bis zuletzt darum gerungen wurde, wer im Bieterverfahren den Zuschlag erhalten soll. Das letzte Wort hat die EU-Kommission, die dem Verkauf noch zustimmen muss. Im Vorfeld sei aber alles mit Brüssel abgestimmt worden, betonten die Sanierer.

Capricorn setzt laut Geschäftsführer Robertino Wild am Nürburgring auf den Motorsport und eine geschäftliche Entwicklung rund ums Automobil. Das umstrittene Freizeitzentrum, dass die damals SPD-geführte Landesregierung bauen ließ, soll teilweise abgerissen werden.

Damit ist die US-Investorengruppe HIG Capital aus dem Rennen, der zwischenzeitlich bessere Chancen eingeräumt worden waren. Der Kaufvertrag mit Capricorn ist allerdings erst gültig, wenn die EU-Kommission ihren Bescheid zur Prüfung möglicher illegaler Beihilfen vorlegt. Der Autoteile-Hersteller mit Sitz in Düsseldorf setzt in seinem Konzept auf den Motorsport. Er hat mehr als 350 Mitarbeiter - rund 100 davon arbeiten in einem Werk am Nürburgring.

Das Konzept von Capricorn sei wegen eines neuen Ansatzes gewählt worden, sagte Lieser. Am Ring soll demnach ein Automobil-Technologieschwerpunkt entwickelt werden. Letztlich sei es eine knappe Entscheidung gewesen. Im Gläubigerausschuss sei hart gerungen worden. Der Abstimmungsbedarf sei größer als gedacht gewesen.

Der Ring-Käufer will das Erlebnisdorf „Grüne Hölle“ am Nürburgring schließen und die erst vor kurzem eingeweihte Achterbahn Ringracer stilllegen. „Sofort werden wir die "Grüne Hölle" einstellen - einen der großen Verlustbringer“, sagte Capricorn-Geschäftsführer Robertino Wild am Dienstag in Koblenz. Auf die Frage, was mit den Gebäuden geschehe, sagte er: „Höflich gesagt heißt das Rückbau.“

Stattdessen will Capricorn am Ring einen Automobil-Technologieschwerpunkt aufbauen. Man sei in Gesprächen mit verschieden Instituten, auch dem Fraunhofer-Institut. „Wir hoffen, das ein oder andere Institut an den Nürburgring locken zu können.“

Die CDU-Oppositionschefin im Landtag, Julia Klöckner, hofft darauf, dass die Entscheidung für den Käufer von längerfristiger Dauer ist. "Es geht um Arbeitsplätze und Existenzen und um den Ruf des Nürburgrings", erklärte Klöckner.

Der Nürburgring musste im Jahr 2012 Insolvenz anmelden. Die SPD hatte in ihrer Zeit der Alleinregierung einen zu groß geratenen Freizeitpark für rund 330 Millionen Euro bauen lassen. Nach der Insolvenz musste auch Steuergeld in Millionenhöhe fließen. Das Land Rheinland-Pfalz will dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit weiter Zutritt zur Rennstrecke bekommt. Das Land ist Hauptgläubiger.

Mit Material von DPA