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Grenzüberschreitende Gremien bündeln ihre Arbeit in einem Haus in Esch-sur-Alzette

Grenzüberschreitende Gremien bündeln ihre Arbeit in einem Haus in Esch-sur-Alzette

Die Großregion hat ein neues Gesicht: Mit einem eigenen Haus auf fünf Etagen am Bahnhof von Esch-sur-Alzette will die Initiative 20 Jahre nach ihrer Gründung beweisen, dass sie sich konkret der grenzüberschreitenden Belange von Bürgern, Unternehmen und Kommunen annimmt.

Nicht zu übersehen ist das Haus der Großregion am Escher Bahnhof. Nicht nur, weil es das größte am Bahnhof der zweitgrößten Luxemburger Stadt ist, sondern weil es auch mitten im pulsierenden Leben des neuen Universitätsstandorts des Großherzogtums zu finden ist. Leute kommen von und gehen zu den Bahnsteigen hinter dem Haus, der Hauptboulevard JF Kennedy führt dort vorbei, die Fußgängerzone liegt gleich nebenan.

"Hallo! Hier bin ich!" Das scheint das Haus der Großregion auch optisch zu vermitteln, denn in großen Lettern prangt sein Name mehrfach in Deutsch und Französisch auf den Fassaden. Endlich hat die Großregion 20 Jahre nach ihrer Erfindung eine eigenständige Heimat gefunden, endlich sind die meisten grenzüberschreitenden Einrichtungen von Deutschland, Luxemburg, Belgien und Frankreich unter einem Dach. Endlich, so hoffen vor allem Politiker und Funktionäre aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und dem Großherzogtum, könnten die zahllosen Initiativen im Grenzraum neue Dynamik gewinnen. "Wir hatten nie ein Problem damit, dass es unzureichend Ideen gegeben hätte, wohl aber eins damit, dass keiner wusste, wer welche wo umsetzen wollte und sollte", sagt Luxemburgs Premier Xavier Bettel bei der Einweihung des Hauses der Großregion gegenüber unserer Zeitung. Als einstiger Bürgermeister der Luxemburger Hauptstadt habe er im Städtenetz Quattropole miterlebt, wie viel geredet und wie wenig umgesetzt worden sei.

Eigenes Büro des Landes

Als Premierminister seines Landes hat Bettel nun mit dafür gesorgt, dass die Regierung das frühere Verwaltungsgebäude der Luxemburger Bahn in Esch mietfrei zur Verfügung stellt (siehe Extra). Seit 1999 hatte die Großregion in der Hauptstadt auf zwei Etagen zur Miete gewohnt. "Mit diesem Haus der Großregion gewinnt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sehr an Bewegung", sagt Werner Schreiner, zuständig für grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Land und stellvertretend für die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer vor Ort. Sich in der Großregion zusammenzutun, sei "keine vergebliche Liebesmüh', braucht aber seine Zeit", gesteht er. Deshalb sei es auch wichtig, dass Rheinland-Pfalz mit einem eigenen Büro vertreten sei.

Geht es nach Luxemburgs Premier Bettel, so ist das Haus der Großregion "nur eine Etappe auf dem Weg zu einem besseren Austausch zwischen den Regionen in Europa", sagt er und blickt skeptisch auf sein Treffen mit Großbritanniens Premier Cameron noch am selben Tag. Die 213.000 Grenzgänger im Gebiet der Großregion, aber auch die elf Millionen Einwohner insgesamt, verdienen laut Bettel Respekt und müssen mit ihren Sorgen ernst genommen werden. So stellt Sabine Kratz, zuständige rheinland-pfälzische Vertreterin im Haus der Großregion, ein gewachsenes Interesse der Bevölkerung an Themen der Großregion fest: "Wir haben viele Anfragen zur Grenzgängerproblematik, zu Interreg-Projekten und Ausschreibungen, zur Anerkennung von Bildungsabschlüssen und zur Infrastruktur."
So beschwören die politischen Vertreter zur Eröffnung mehrfach das "neue Gesicht der Großregion" und "mehr Effizienz" im Miteinander. Oliver Paasch, Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, sagt: "Wir in der Großregion können jeden Tag beweisen, dass die europäische Idee gelebt wird und für jeden Bewohner einen konkreten Nutzen bringt."
Extra Haus der Großregion

Insgesamt acht, grenzüberschreitend arbeitende, Gremien werden einen Sitz im Haus der Großregion einrichten: das Gipfelsekretariat der Großregion, Aufsicht und Sekretariat des EU-Interreg-Programms, das Sekretariat des Wirtschafts- und Sozialausschussses, die Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz, der Verein Kulturraum Großregion (erkennbar am blauen Hirsch), die Euregio SaarLorLux+ sowie die Städtenetze Quattropole und Tonicités. Insgesamt arbeiten 28 Beschäftigte auf fünf Etagen im Haus der Großregion. Allein die Stadt Trier ist künftig dreifach vertreten: im Verein Kulturraum, in der Euregio und der Quattropole. sas