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Hersteller von Autoteilen bietet auf den Nürburgring

Hersteller von Autoteilen bietet auf den Nürburgring

Der Investorenprozess am Nürburgring läuft mit hohen Umdrehungen weiter. Nach Informationen unserer Zeitung befindet sich mit der Capricorn Gruppe ein solides Unternehmen unter dem kleinen Kreis an verbliebenen Bietern, dem tatsächlich Chancen eingeräumt werden, den Eifelkurs in eine sichere Zukunft zu führen.

Nürburg. Die Firma Capricorn hätte als Lieferant von Komponenten für Hochleistungsmotoren in der Formel 1 den nötigen Benzingeruch. Eine offizielle Bestätigung der Kaufabsichten gibt es allerdings nicht.
Laut Selbstbeschreibung umfasst die Produktpalette von Capricorn High-End-Kurbelwellen, Nockenwellen, Zylinderlaufbuchsen, Kolben, Pleuel und weitere Produkte. Die Komponenten werden in Formel-1-Boliden, in edlen Sportwagen wie Bugatti Galibier, Audi R 8 oder Porsche 918 Spyder eingesetzt, kommen aber auch beim Prototypenbau zur Anwendung.
Unklar ist, ob Capricorn alleine oder mit Partnern ins Rennen geht. Der ADAC, der einst hoch gehandelt wurde, ist offenbar nach wie vor nicht bereit, sein Angebot nachzubessern. Er hatte 30 bis 40 Millionen Euro für Rennstrecke und Boulevard geboten. Das war den Insolvenzverwaltern zu wenig, um ihn in den Datenraum zu lassen, in dem alle Betriebszahlen und Verträge einsehbar sind. Angeblich sollen, bevor der ADAC sein Angebot abgab, bereits höhere Angebote abgelehnt worden sein.
Das (vorläufige) Aus für den Automobilklub hat heftige Kritik in der Region ausgelöst. Der Verein Ja zum Nürburgring beispielsweise wirft den Insolvenzverwaltern vor, allein auf einen hohen Verkaufspreis zu schielen. Spott und Häme der Region trifft die Ringsanierer, weil offenbar auch ein höchst dubioser Investor den Weg in den Datenraum gefunden hat. Das Unternehmen La Tene Capital Limited aus Hongkong hat nach Recherchen der Wirtschaftswoche 275 Millionen Euro für die legendäre Asphaltschleife in der Eifel geboten. Als Unterhändler tritt demnach ein äußerst schillernder Karl Serres de Condé auf, der in den USA aber schon die Namen Charles Bourbon de Condé und Charles Scorpio genutzt haben soll, in Wirklichkeit aber Karl Zeretzke heißt. Er war auch schon mal kurzzeitig stellvertretender Landesvorsitzender der hessischen Freien Union, der Partei der einstigen CDU-Rebellin Gabriele Pauli. Den Ring will dieser Investor, hinter dem chinesische Finanziers stehen sollen, mit Schuldverschreibungen bezahlen. Pietro Nuvoloni, Sprecher der Insolvenzverwalter, dazu: "Die Vermögenswerte des Nürburgrings werden nicht gegen Abgabe von Schuldverschreibungen oder ähnlicher Instrumente zu erwerben sein."Extra

Unter der Marke Capricorn versammeln sich mehrere Unternehmenszweige. Die Capricorn Automotive GmbH hat ihren Sitz in Düsseldorf. Zudem nutzt das Unternehmen die Nordschleife als Teststrecke. Die Capricorn Composite GmbH sitzt am Nürburgring. Die Gesellschaft hat im Januar verkündet, dass sie im Gewerbepark Meuspath in der Nähe des Eifelkurses acht Millionen Euro in eine neue Fertigungshalle und die dazugehörigen Maschinen investiert. DB