Kandidaten unter der Lupe

MAINZ. Mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger will der Verein "Mehr Demokratie" schaffen. Ab sofort können daher die Kandidaten zur Landtagswahl über das Internet-Portal www.kandidatenwatch.de zu ihren politischen Zielen befragt werden.

Hemmschwellen abbauen und Kontakte erleichtern soll das Projekt kandidatenwatch.de. Mit dem Angebot der "Kandidaten-Beobachtung" will der überparteiliche Verein "Mehr Demokratie" nicht zuletzt Vorurteile auf beiden Seiten abbauen, wie Projektleiter Gregor Hackmack bei der Präsentation der Plattform in Mainz erläuterte: "Der Bürger ist sehr wohl an Politik interessiert, und der Politiker antwortet auf die Fragen des Wählers." Das diene der gegenseitigen Information. Auf der Internetseite kann der Nutzer seine Postleitzahl eingeben und so eine Übersicht über die Kandidaten in seinem Wahlkreis erhalten. Die landesweit knapp 300 Mandatsbewerber werden in einem Kurzprofil vorgestellt. Keiner wollte nicht mitmachen, wie Hackmack betont. Fragen an die Kandidaten, die mit Namen und gültiger E-Mail-Adresse versehen sein müssen, werden über ein Moderatoren-Team des Projekts an die Politiker weitergeleitet. Um Missbräuche zu vermeiden, werden Beschimpfungen, Fragen zum Privatleben oder reine Meinungsäußerungen nicht akzeptiert. Kandidatenwatch.de soll die Kommunikation zwischen Bürgern und Politikern verbessern und vor allem auch den Wählern helfen, sich ein genaueres Bild von den oft weniger bekannten Kandidaten vor Ort zu machen. Premiere feierte das Projekt bei der Bundestagswahl im September 2005. Rund 220 000 Bürger informierten sich über ihre Kandidaten. Rund 12 500 Fragen gingen an die Bewerber, knapp 8500 davon wurden beantwortet. Im Regelfall wird die Frage innerhalb einer halben Stunde weitergeleitet. Die Antwortzeit der Politiker lag bei zwei bis drei Tagen. Zwar werden keine Parteien oder Kandidaten ausgeschlossen, doch prüft das ehrenamtliche Moderatoren-Team neben den Fragen auch die Antworten. So wurden bei der Bundestagswahl drei Antworten von NPD-Kandidaten laut Hackmack wegen fragwürdiger politischer Inhalte "herausgefischt". Finanziert wird das Projekt, das die drei zeitgleichen Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt umfasst, zu je einem Drittel aus Spenden, einem Zuschuss der Bildungszentrale Baden-Württemberg und Beiträgen der Kandidaten, die für 50 Euro ein erweitertes Profil in der Präsentation mit Links zu eigenen Internetauftritten erwerben können.