Wenn 10 000 Luxemburger Schutz suchen

Trier · Zum zweiten Mal in diesem Jahr üben Katastrophenschützer aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Luxemburg und Lothringen den Ernstfall im Kernkraftwerk Cattenom. Dieses Mal geht es um die Evakuierung betroffener Gebiete.

Trier. Die Lage ist ernst. Seit einem Tag entweicht aus dem Kernkraftwerk im lothringischen Cattenom Radioaktivität. Der Wind treibt diese in Richtung Saargau. Die Bevölkerung der Gemeinden Palzem, Merzkirchen und Kirf im Kreis Trier-Saarburg ist von der Präsidentin der für den Katastrophenschutz zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), Dagmar Barzen, gerade über eine amtliche Durchsage im Radio aufgefordert worden, im Haus zu bleiben und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Über 1000 Hilfskräfte sind im Einsatz, sie bereiten die Evakuierung der Häuser und Einrichtungen in den betroffenen Gebieten vor. Genauso wie die Ausgabe von Jodtabletten, die verhindern sollen, dass Menschen übermäßig verstrahlte Stoffe aufnehmen.
Seit gestern wird erneut der Ernstfall in Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Luxemburg und Lothringen geprobt. Zum zweiten Mal in diesem Jahr. Ende Juni fand der erste Teil der Notfallübung statt. Genau an der Stelle, an der damals die Übung abgebrochen wurde, wird seit gestern im Lagezentrum der ADD weitergemacht, quasi die Zeit zurückgedreht auf Sommer. Genau wie im Juni wird bei der Übung, die nur in den jeweiligen Katastrophen-stäben stattfindet, die nationale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit geprobt. Im Mittelpunkt steht dieses Mal die Evakuierung. Um diese realistisch darzustellen, hat Luxemburg im Katastrophenstab der ADD angefragt, ob Rheinland-Pfalz 10 000 Luxemburger aufnehmen könne, um sie vor der sich ausweitenden Strahlung zu schützen, wie Volker Meyer, Strahlenschutzexperte der ADD, bei der fiktiven Lagebesprechung mitteilt.
Ein paar Meter weiter in der direkt neben der ADD liegenden Kreisverwaltung Trier-Saarburg arbeitet ebenfalls ein Katastrophenstab. Von dort werden die Hilfsmaßnahmen vor Ort koordiniert, etwa der Einsatz der Strahlenschutzeinheit der Feuerwehr oder der Aufbau der Notfallstation.
Von all dem bekommt die Bevölkerung jedoch nichts zu sehen. Es wird alles nur theoretisch geprobt. Einsatzkräfte werden nicht ausgesendet.
Im Frühjahr soll die Übung mit dem dritten Teil abgeschlossen werden. Geprobt wird dann, wie das Leben in einer verstrahlten Gegend weitergehen soll.