Enkirchs dunkle Vergangenheit

Enkirchs dunkle Vergangenheit

Der Historiker Christof Krieger hat wegen großer Nachfrage seinen Vortrag über die frühe Zeit der NSDAP in Enkirch noch einmal gehalten. Dieses Mal sprach er an historischem Ort: im einstigen Parteilokal dem Gasthaus Zum Weinstock, das heute noch steht.

Enkirch. Einst haben sich im Saal des Gasthauses Zum Weinstock Anhänger von Adolf Hitler getroffen. Was damals gut 250 Parteigenossen für ihre Hetzreden nutzten, wurde später zum Kino umfunktioniert.
Die Vergangenheit von der Gaststätte Zum Weinstock ist allgegenwärtig. "Jeder weiß hier im Ort, dass hier was war", sagt Frederik Sauer (21). Er wohnt in dem Haus und hat sich mit seinen Freunden getroffen, "um sich über die Geschichten zu informieren, die man sonst nur am Rande mitbekommt".
Julian Knod (17) interessiert sich grundsätzlich für die Historie seines Heimatortes. "In der Schule wurde dieses Kapitel weniger behandelt." Die Jugendlichen reden offen darüber, was "damals war", die älteren Gäste sind eher betroffen.
Betroffen vor allem an den Punkten, wo Christof Krieger mit historischen Fotos von Parteianhängern anmerkt, er "habe die Namen, aber die täten hier nichts zur Sache". Genau, sagt ein älterer Herr und ein anderer wirft ein: "Die sind eh alle tot." Dabei soll es dann auch bleiben. Das Thema Nationalsozialismus ist eben immer noch unangenehm.
Für viele Enkircher erst recht, seit sie wissen, dass einst der Agitator Max Albrecht hier schon 1927 mit der Anwerbung für Hitleranhänger begann. Er war mit einer Enkircherin verheiratet. Nachweislich mindestens zehn SS-Männer aus den Reihen der örtlichen Bewohner waren seit Gründung der Ortsgruppe dabei.
Das sorgt für betretene Stille. Auch Zahlen, an denen klar wird, dass etwas mehr als 40 Prozent der 1070 wahlberechtigten Enkircher schon 1929, also vier Jahre vor der Machtergreifung Hitlers, die NSDAP gewählt haben.
Gustav Simon, berühmt-berüchtigter Moselland-Gauleiter und Chef der Zivilverwaltung Luxemburgs, sprach einst ebenfalls im NSDAP-Gasthaus. Zahlreiche Dokumente wie ein Plakat vom 10. März 1932, das zur Versammlung einlud, oder ein Foto mit Leuten vorm Lokal, die die Totenkopf-Mützen der SS trugen, dokumentieren, dass Enkirch zu den frühen Nazizellen gehörte.
Seit 1995 ist Christel Sauer Zum Weinstock-Pächterin. Sie habe die Vergangenheit des Hauses "im Laufe der Zeit mitbekommen, da ja jeder drüber redet". Auch sie hörte an diesem Abend staunend zu, was sich einst hinter den Mauen des Gasthauses zugetragen hat.
Ein weiterer Vortrag ist für Januar vorgesehen, der sich mit dem Thema die Winzer und die Nazis beschäftigen wird. jo

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