Wenn für katholische Geistliche plötzlich nur noch die Liebe zählt

Wenn für katholische Geistliche plötzlich nur noch die Liebe zählt

Im Bistum Trier haben innerhalb von fünf Jahren mindestens acht katholische Priester der Liebe wegen ihr Amt aufgegeben. Nun werden erneut Forderungen laut, den Zölibat abzuschaffen. Auf Unterstützung vom Trierer Bischof Stephan Ackermann brauchen die Kritiker nicht zu hoffen.


Für Stephan Ackermann war es keine schöne Bescherung, als ihn vor Weihnachten ein Priester von der Mittelmosel um seine Entpflichtung bat. Der Geistliche hat eine Freundin - was nach katholischer Lesart mit dem Zölibat und damit dem Priesteramt unvereinbar ist. Der 45-Jährige scheide aus dem Dienst des Bistums aus, hieß es kurz und knapp in einer am Neujahrstag veröffentlichten Mitteilung. "Nicht schon wieder", mag der Trierer Bischof insgeheim gedacht haben, als er von der Beziehung erfahren hat. Denn nach Bistumsangaben ist es bereits der achte "Zölibatsfall" in fünf Jahren, den Ackermann auf den Tisch bekommt. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es sogar mindestens einen weiteren Fall. Unter den zuletzt ausgeschiedenen Geistlichen waren so prominente wie der Leiter des Bildungshauses St. Thomas oder der Vize-Chef des Trierer Priesterseminars. Mal lockte der Freund, mal die Freundin.

Schätzungen gehen davon aus, dass jeder fünfte katholische Priester den Zölibat missachtet. Im Bistum Trier sind etwa 490 Priester im Einsatz. Zahlen, wie viele Geistliche der Liebe wegen aufhören, hat die Deutsche Bischofskonferenz nach Angaben eines Sprechers nicht.

Für die kirchenkritische Bewegung "Wir sind Kirche" ist es "höchste Zeit, dass der Pflichtzölibat aufgehoben wird", sagt Sprecher Christian Weisner. Jeder Papst könne dies mit einem Federstrich tun. Aber auch die deutschen Bischöfe sieht Weisner in der Pflicht. Sie müssten endlich den Mumm haben, konkrete Änderungsvorschläge - etwa das Frauendiakonat - zu machen. Papst Franziskus wäre für Vorschläge offen, glaubt auch der Trierer Bistumspriester Stephan Wahl, der über viele Jahre das Wort zum Sonntag im Fernsehen sprach. Seiner Meinung nach kann der Zölibat nur gerettet werden, "wenn er völlig freigestellt wird".

Seinem Bischof dürften solche Worte gar nicht gefallen. Stephan Ackermann wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht zum Thema äußern. Das Thema sei kirchenrechtlich eindeutig geregelt und stehe für das Bistum Trier außer Frage.

Ein ehemaliger Trierer Priester, der schon vor einigen Jahren wegen einer Beziehung den Job quittierte, hat sich im Gespräch mit unserer Zeitung dagegen ausführlich zum Thema Zölibat geäußert. Er kommt zu dem Schluss, dass inzwischen viele Priester vereinsamten und ausgebrannt seien.

Mehr von Volksfreund