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"Wir haben nur einen Schuss, und der muss sitzen"

"Wir haben nur einen Schuss, und der muss sitzen"

Die rheinland-pfälzischen Liberalen wollen im nächsten Frühjahr zurück in den Landtag. Spätestens seit gestern hat unter den FDP-Bewerbern aus dem Bezirk Eifel-Hunsrück das Tauziehen um eine möglichst gute Listenplatzierung begonnen. Wer am Ende gewinnen wird, ist noch offen.

Trier. Wenn die rheinland-pfälzischen Liberalen beisammenhocken, dann werden sie immer wieder gerne an die guten alten Zeiten denken. An die Zeit, als aus Sicht der oft als Dreipünktchen-Partei verspotteten FDP die Welt noch in Ordnung war.Landtagswahl 2016

"Wir haben nur einen Schuss, und der muss sitzen"
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Als es keine Frage war, ob die Liberalen in den Mainzer Landtag einziehen, sondern allenfalls über die Menge der FDP-Mandate noch gerätselt wurde. Die rheinland-pfälzische FDP war zwei Jahrzehnte so etwas wie der geborene Juniorpartner in der Landesregierung - ab 1987 zunächst in einer Koalition mit den Christdemokraten, später dann, nach 1991, mit der SPD. Stets saßen in dieser Zeit zwei liberale Minister mit am Mainzer Kabinettstisch.
2006 flog die FDP aus der Regierung, fünf Jahre später kam sie erst gar nicht mehr in den Landtag. Ein Trauma. Viele Parteimitglieder und auch etliche Funktionäre suchten das Weite.

Der eher nüchterne, sachliche Volker Wissing übernahm vom leutseligen Langzeit-Vorsitzenden Rainer Brüderle den Chefsessel. Zunächst kein beneidenswerter Job. Doch nach den letzten Wahlerfolgen der Liberalen in Hamburg und Bremen setzen die Freidemokraten auch in Rheinland-Pfalz auf ein politisches Comeback im März nächsten Jahres. "Wir haben einen Schuss im Lauf, der muss sitzen", sagt Thomas Auler, der FDP-Chef im Bezirk Eifel-Hunsrück. Der 56-Jährige saß bis 2011 eine Legislaturperiode im Mainzer Landtag - und da will der gelernte Kriminalbeamte auch nach der nächsten Wahl wieder hin.
Erste und wichtigste Voraussetzung: Die FDP schafft die Fünf-Prozent-Hürde. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, auch wenn die Landespartei in den jüngsten Umfragen bei drei Prozent stagnierte. Ähnlich sah es für die FDP auch vor der Wahl in Hamburg und Bremen aus.

Zweite Voraussetzung: Der im Rhein-Hunsrück-Kreis wohnende Auler muss auf der FDP-Landesliste möglichst weit oben platziert sein, weil kein Liberaler ein Direktmandat erringen dürfte. Damit aber beginnen schon die Probleme. Weil der Bezirk Eifel-Hunsrück ein vergleichsweise kleiner Bezirk ist, soll der erste FDP-Bewerber von hier auf Listenplatz vier stehen. Schafft die FDP die Fünf-Prozent-Hürde, wäre man damit im Landtag. Allerdings: Die regionale Top-Platzierung beansprucht nicht nur Auler für sich. Auch Bezirksvize Marco Weber aus dem Vulkaneifelkreis will den sicheren Listenplatz haben. Das sagte der 40-Jährige gestern unserer Zeitung. Einigen sich die beiden Kontrahenten nicht im Vorfeld, wird es auf dem Landesparteitag am 18. Juli in Mainz eine Kampfkandidatur geben.

Möglich wäre auch, dass ein regionaler Bewerber auf dem vierten Platz und der zweite auf dem ebenfalls dem hiesigen Bezirk in Aussicht gestellten Platz sechs kandidiert. Auch dieser Platz würde bei einem Einzug wohl für ein Landtagsmandat reichen.

Doch dieser Platz soll angeblich einem FDP-Neuzugang versprochen worden sein - Bernhard Busch, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ruwer und bislang Fraktionschef der Freien Wählergemeinschaft im Trier-Saarburger Kreistag. Die am Mittwoch in unserer Zeitung veröffentlichte Ankündigung des 55-Jährigen, die Seiten zu wechseln, hat vielerorts für Überraschung gesorgt. Während die Freien Wähler von Vertrauensbruch reden, ist bei den neuen Parteifreunden Buschs von einer "mutigen Entscheidung" (Marco Weber) und von einem "echten Coup" (Triers FDP-Chef Tobias Schneider) die Rede. Auch Schneider tritt für die FDP als Spitzenkandidat im Wahlkreis Trier an, gibt sich aber nach eigenen Angaben mit einem "anständigen Listenplatz" zufrieden. Heißt im Klartext: Echte Ambitionen meldet der 30-Jährige frühestens bei der Landtagswahl 2021 an.

Und was ist mit dem angeblich versprochenen Listenplatz sechs für Parteineuling Bernhard Busch? Der designierte FDP-Spitzenkandidat und Landesvorsitzende Volker Wissing schüttelt den Kopf. "Bei der FDP gibt es keine zugesagten Listenplätze", sagt Wissing. Über die Zusammensetzung der Landesliste entscheide ausschließlich die Landesvertreterversammlung.

Hat denn Wissing den Ruwerer Bürgermeister vielleicht zu einer Kandidatur ermutigt? Wieder Kopfschütteln: "Herr Busch hat mich über seine Bereitschaft zur Kandidatur informiert, genauso wie viele andere auch."
Womit klar sein dürfte, dass sich am 18. Juli wohl drei regionale Liberale um die zwei aussichtsreichen Listenplätze streiten werden.