Angst vor der Vogelgrippe

TRIER. Noch gibt es in Stadt und Kreis keine Verdachtsfälle, die auf die Vogelgrippe hinweisen. Prinzipiell jeder tote Vogel wird, einer Richtlinie des Umweltministeriums folgend, von den Feuerwehren geborgen und zum Kreisveterinäramt gebracht. Gestern wurden 25 tote Tiere gemeldet, acht davon wurden zum Landesuntersuchungsamt nach Koblenz geschickt.

"Doch natürlich ist nicht jeder tote Vogel an der Vogelgrippe gestorben", beruhigt Dirk Lühnenschloß, einer der Amtstierärzte im Kreis. Die Kreisverwaltung hat gemeinsam mit dem Gesundheitsamt eine Service-Hotline für Anfragen und Meldungen eingerichtet. Unter 0651/715-555 ist diese Hotline montags bis donnerstags von 8.30 bis 16 Uhr, freitags von 8.30 bis 17 Uhr erreichbar. Ein notwendiger Schritt, denn viele Menschen machen sich Sorgen. Doch es bestehe "kein Anlass zur Panik", betonen Landrat Günther Schartz und Triers Ordnungsdezernentin Christiane Horsch unisono. Es gebe keinerlei Hinweise auf eine Ausbreitung des in Mecklenburg-Vorpommern und in Ostfrankreich nachgewiesenen Vogelgrippevirus H5N1 in der Region Trier. Dennoch folge man den Verfahrensrichtlinien des Landesumweltministeriums.Brandbekämpfer in Schutzanzügen

Diese Richtlinien sorgen für Aufsehen. Ob ein Greifvogel im Wald liegt, ein Spatz gegen eine Scheibe knallt oder der Kanarienvogel von der Stange fällt - wenn das tote Tier über die Hotline gemeldet wird, rückt die Feuerwehr an, um die Kadaver zu bergen. Dadurch ergeben sich Szenen wie im Film-Klassiker "Outbreak": Brandbekämpfer in Schutzanzügen waren gestern in der Stadt Trier und an mehreren Orten im Landkreis aktiv, um die toten Vögel zum Kreisveterinäramt zu bringen. Der Kreis schickt die Kadaver zum Landesuntersuchungsamt nach Koblenz. Dort kann die Untersuchung etwa eine Woche dauern, sagt Kreis-Pressesprecher Thomas Müller. "Wer einen toten Vogel sieht, sollte diesen nicht anfassen oder selbst bergen, sondern die Hotline verständigen", so Müller. Die Kreisverwaltung habe auch Schulen und Kindergärten entsprechend informiert. Veterinär Lühnenschloß erklärt: "Es wäre die Aufgabe der Kreisverwaltung, den Seuchenfall auszurufen, basierend auf den Ergebnissen des Landesuntersuchungsamtes." Sind auch lebende Wildvögel - Schwäne oder Enten - eine Gefahr? "Es gibt keinerlei Einschränkungen im Umgang mit diesen Tieren", hebt der Amtstierarzt hervor. "Man kann ihnen weiterhin Futter hinwerfen, lediglich ein direkter Kontakt sollte vermieden werden." Das Virus sitzt im Speichel und der Tränenflüssigkeit der Vögel, ist aber vor allem im Kot infizierter Tiere konzentriert. Lothar Lorig vom Verein "Umwelt- und Katastrophenschutz Trier" versorgt in der alten Castelnau-Kaserne in Feyen momentan 30 von Schwarz-Anglern oder Tierquälern verletzte Schwäne. "Abgesehen von den Blessuren sind unsere Tiere gesund", berichtet Lorig dem TV. "Wir haben eine Schutzzone um die Station errichtet, niemand kommt in die Nähe des Gebäudes." Der Verein "Umwelt- und Katastrophenschutz" beobachte die Populationen der heimischen Schwäne genau. "Fremde Tiere werden nicht aufgenommen. Von unseren Schwänen geht definitiv keine Gefahr aus", sagt Lorig. Seine Station und auch er selbst haben jedoch die Belastungsgrenze überschritten. Die Kreisverwaltung sagt Hilfe zu: "Wir werden Gespräche führen", kündigt Pressesprecher Thomas Müller an.

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