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Bei Pegelstand 12 läuft die Stadt voll

Bei Pegelstand 12 läuft die Stadt voll

Was passiert in Schweich, wenn bei einem Extrem-Hochwasser von zwölf Metern die Mosel über die bestehenden Schutzwälle läuft? Die Antwort der Experten ist beunruhigend: Der Stadtkern läuft voll und muss evakuiert werden.

Schweich. Nach den extremen Hochwassern des vergangenen Jahres, die im Süden und Osten Deutschlands gewaltige Schäden hinterließen, ist die Frage nach dem Hochwasserschutz auch in Schweich wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Wie kann sich die Stadt gegen ein extremes Mosel-Hochwasser schützen? Der Schweicher Stadtrat sucht Antworten und hat daher in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, Experten von Fachbehörden zu einer Anhörung einzuladen (der TV berichtete).
Den Antrag hatte die FWG-Fraktion gestellt. Dazu deren Sprecher Johannes Lehnert: "Jahrhundert-Hochwasser kommen in nicht mehr kalkulierbaren zeitlichen Abfolgen und mit immer neuen Höchstständen." Ein solches Ereignis könnte auch Schweich schon bald mit voller Wucht treffen. Nachforschungen des TV ergaben, dass die Lage in Schweich für den Fall eines Extrem-Hochwassers (mehr als zwölf Meter am Pegel Trier) düster erscheint. Grundsätzlich gilt aber auch: Für Wasserstände bis etwa 11,30 Meter reichen die vorhandenen Schutzwälle aus. Die Hauptlast trägt der in den 60er-Jahren erbaute Fahrdamm der B 53 mit seinen verschließbaren Durchgängen (etwa an der Sozialstation/Schwimmbad). Seitlich abgesichert wird der tiefere Stadtbereich durch den sogenannten kleinen Damm zwischen Mühlengarten und Föhrenbach.
Im Gespräch mit dem TV erklärt Kreisfeuerwehrinspekteur Stefan Sihr das Einsatzszenarium für den Hochwasserfall: Sobald die Mosel und ihre Nebenflüsse bedenklich ansteigen, beginnt nach dem abgestuften "Alarm- und Einsatzplan Hochwasser" die Abwehr, wobei den Feuerwehren eine Schlüsselrolle zufällt - bei leichterem Hochwasser auf Verbandsgemeinde-Ebene, bei Katastrophenlagen auf Kreisebene. Diese Einsatzplanung basiere auf den Erfahrungen aus dem Jahrhunderthochwasser 1993/94 (siehe Extra). Sihr: "Im Fall der Verbandsgemeinde Schweich gilt der Pegel Trier als Orientierungsmaßstab für die Höhe der Alarmstufe."
Bisher hätten in Schweich, Mehring und Klüsserath die Dämme ihren Zweck erfüllt - auch wenn das Wasser bei der Jahrhundertflut 1993 bis an die Dammkronen stand. Doch Sihr und Helene Heinen, Referentin für Brand- und Katastrophenschutz bei der VG Schweich, nennen die Grenzen. Sihr: "Hochwasserschutz geht immer nur bis an einen gewissen Punkt - irgendwann ist jede technische Abwehrmaßnahme am Ende." Bei zwölf Metern Pegelstand bei Schweich könne man nur noch versuchen, das Wasser mit Sandsäcken aufzuhalten. Als besonders kritisch bezeichnet Heinen die Situation am Schweicher Brückenkopf (Kreisel), da die B 53 dort etwas unterhalb des Dammniveaus liegt. Sollte sich das schlimmste Szenario abzeichnen, bliebe für die untere Schweicher Kernstadt nur eine Evakuierung im großen Stil. Sihr: "Da ist Schweich aber kein Sonderfall - bei zwölf Metern und mehr würden auch in Trier, Konz und anderen Orten die Stadt- und Dorfkerne überflutet."Meinung

Der Vesuv-Effekt
Seit der letzten großen Flut an Mosel, Saar und Nebenflüssen sind genau 20 Jahre vergangen. Die Erinnerung an die braunen Wassermassen ist verblasst. Man könnte dies den "Vesuv-Effekt" nennen: 2000 Jahre nach dem letzten großen Ausbruch des italienischen Feuerbergs sind sogar große Siedlungen direkt an seinen Hängen entstanden, obwohl die Seismologen wissen, dass der Vulkan irgendwann wieder ausbrechen wird. Sicher, die Mosel ist nicht der Vesuv, aber das Muster ist das gleiche. Innerhalb von zehn Jahren haben zwei gewaltige Flutkatastrophen Deutschland heimgesucht. Die Region an Mosel und Saar kam stets ungeschoren davon. Bei der nächsten Großwetterlage mit Dauerregen und Schneeschmelze könnte dies anders sein. Angst ist ein schlechter Ratgeber, heißt es, aber Gleichgültigkeit ist keine Vorsorge. trier@volksfreund.deExtra

Falls ein Hochwasser die Schweicher Dämme überwindet, sind die gerade in dieser Situation wichtigsten Einrichtungen betroffen: Sofort mit ihren Einsatzzentralen evakuiert werden müssten Feuerwehr, Polizei und die DRK-Rettungswache. Außerdem bedroht würden die Verbandsgemeindeverwaltung, das Stefan-Andres-Schulzentrum, das Bonhoeffer-Gymnasium, ein Altenheim, eine Kita, die Sozialstation, zwei Banken und Einzelhandel. Ein extremes Hochwasser erlebte die Mittelmosel an Weihnachten 1993. Damals stoppte der Pegel Trier bei 11,28 Metern. f.k.