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"Das ist Ehrensache, keine Pflicht"

"Das ist Ehrensache, keine Pflicht"

Als "Sankt Martin" hat Dietmar Weirich ganze Generationen von Kindern bei Trierer Martins umzügen erlebt und zum Staunen gebracht, vor allem beim großen Umzug durch die Innenstadt. In diesem Jahr gibt Dietmar Weirich den berühmten Reitersoldaten zum 50. Mal.

Trier. Bevor Nikolauslieder dran kommen, singen Mädchen und Jungen zunächst von einem anderen Kinderfreund: Sankt Martin ist kalendermäßig ein paar Wochen früher dran. Und auch zu dem Mann auf dem edlen Ross blicken die Kleinen mit nicht weniger glänzenden Augen auf. Dietmar Weirich (69) kennt das wie kein anderer, denn der wohl dienstälteste St. Martin weit und breit reitet seit 50 Jahren an der Spitze des Trierer Umzugs: Nicht nur "Schnee und Wind", wie es im Kinderlied vorkommt, hat der Trierer in all den Jahren eisern getrotzt, sondern auch Starkregen und frostige Temperaturen haben ihn nicht abhalten können. "Wenn's bitter kalt war, haben mir Zuschauer schon mal ein Schnäpschen direkt aus dem Fenster gereicht. Da musste ich noch nicht mal vom Pferd absteigen." Schnell "fort getragen", wie es im Kinderlied weiter heißt, hat sein Ross ihn nie, denn die Kleinen wollen Sankt Martin ja nicht bloß vorbeihuschen sehen, sondern ihn möglichst lange im Umzug bei sich haben. Wann immer es geht, steigt Sankt Martin von seinem Pferd ab, um sich mitten unter die Kinder zu mischen. Dass die Kleinen Sankt Martin die Hand geben können, versteht sich bei dem gebürtigen Kölner von selbst. Die Figur zu mimen ist keine Pflichtaufgabe, sondern etwas, was Weirich sehr gerne macht - um der Kinder willen. Schon bei seinem Kostüm wird deutlich, dass ihm selbst das kleinste Detail wichtig ist. Schön herausgeputzt steht St. Martin da, sein Soldatenkleid könnte nicht prächtiger glänzen. Ob der richtige Sankt Martin so eines hatte, mag mal dahingestellt bleiben. Die Leih-Ausrüstung lässt sich Dietmar Weirich auch etwas kosten - auf eigene Kappe wohlgemerkt. Dafür braucht die Kirchengemeinde Sankt Martin nicht herzuhalten. Undenkbar, dass St. Martin ohne Pferd bei den Kindern erscheinen würde. Hier helfen die guten Kontakte zum Gestüt Paul Kimmlingen in Hohensonne. Früher hatte der Trierer "Haupt-Sankt-Martin" eigene Pferde, auf die er zurückgreifen konnte. Insider wissen, dass Weirich als junger Mann ein bekannter wie erfolgreicher Vielseitigkeitsreiter war. Die Lebensmittelgeschäfte-Kette "Wedico" ist ein Begriff, der Jahrzehnte eng mit Weirich verbunden war. Mit 67 Jahren habe er 2005 aufgehört. Auch im Ruhestand hält sich der Großvater von fünf Enkeln sportlich fit. Täglich eineinhalb Stunden bleiben dafür reserviert. "Probleme beim Umzug mit den Pferden gab es noch nie." Vorsicht sei trotzdem geboten: "Es sind Tiere, die sich in einer ungewohnten Situation befinden mit Dunkelheit, vielen Menschen, Musik und brennenden Fackeln.""Mein Opa ist der Goldhelmritter"

Wenn Enkel Robin Weirich (8 Jahre) den Großvater in voller Montur sieht, zieht der Jungspund auch schon mal den Vergleich zu seinen Playmobil-Spielsachen: "Mein Opa ist der Goldhelm-Ritter". Keinen Umzug hat Dietmar Weirich seit 1957 ausgelassen und macht diesmal die 50 voll, immer bemüht, eine Sankt Martin-gerechte Figur abzugeben. "Ehrensache" ist das für ihn. Entschädigt wird er für seinen Aufwand durch leuchtende Augen, wenn Kinder zu ihm aufschauen oder er seine Hand den Kleinen entgegen streckt. Bei so viel Enthusiasmus für die Sankt Martin-Sache stößt man gedanklich auf Sir Richard Attenborough, der in dem amerikanischen Streifen "Das Wunder von Manhattan" (1994) als Kris Kringel den echten Weihnachtsmann mimt. Bei Dietmar Weirich bräuchte man nur die Figur gegen Sankt Martin auszutauschen.Eine Übersicht über alle Martinszüge der Region finden Sie in der morgigen Ausgabe des TV.