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Der halbe Stadtrat ist weiblich

Der halbe Stadtrat ist weiblich

Während sich Deutschland über Frauenquoten in Politik und Wirtschaft streitet, kann Triers Stadtrat längst mit einer Frauenquote von 45 Prozent glänzen. Damit landet Trier auf Platz eins unter den 20 größten Städten im Land.

Trier. Triers Kommunlapolitik hat eine starke weibliche Seite - und das ganz ohne gesetzliche Frauenquote. Wie Oberbürgermeister Klaus Jensen kürzlich im Plausch mit seinen OB-Kollegen der großen Städte in Rheinland-Pfalz sagte, ist die hohe Frauenquote des Trierer Stadtrats unter den 20 größten Städten im Land einzigartig.
Kreistag: Frauenquote 22 Prozent


Der TV hat Jensens Behauptung nachgeprüft (siehe Extra) und siehe da, es stimmt. 25 der 55 Ratsmitglieder sind weiblich - eine Quote von 45 Prozent. Im Gegensatz dazu sitzen zum Beispiel zwischen den 53 männlichen Mitgliedern im Ludwigshafener Stadtrat nur 17 Frauen - eine Quote von 28 Prozent. Und der Kreistag Trier-Saarburg hat bei zehn Frauen und 46 Männer eine Frauenquote von gerade einmal 22 Prozent.
Woran liegt das? Die Suche nach Erklärungen für die hohe Quote fällt schwer. "Durch die Wahl", lautet die eher lakonische Begründung des Oberbürgermeisters, was jedoch nicht ganz korrekt ist.
Denn bereits vor der Wahl versuchen die Parteien jedenfalls teilweise, mit Geschlechterquoten bei der Besetzung von Parteimandaten das Verhältnis zu beeinflussen.
"Bei der SPD müssen 50 Prozent der Stadtratsmandate jeweils vom anderen Geschlecht besetzt werden", erklärt Sven Teuber, Fraktionsvorsitzender der SPD, die mit acht von 16 Mitgliedern absolut die meisten Frauen im Stadtrat sitzen hat.
In der CDU-Ratsfraktion in Trier haben sieben Frauen neben 18 Männern ihren Platz - eine Frauenquote von 38 Prozent. Auch die CDU setzt bei der Vergabe der Mandate auf eine Frauenquote, wie die Ratsfraktion mitteilt.
Die absoluten und relativen Sieger im Sinne der Gleichberechtigung mit einer Frauenquote von 100 Prozent sind Kathrin Werner und Linde Andersen, die beiden Frauen der Linken-Fraktion. Die Damen der Grünen Stadtratsfraktion schaffen es mit sechs weiblichen neben vier männlichen Ratsmitgliedern auf eine Quote von 60 Prozent.
Die Freie Wählergemeinschaft (FWG) Trier kommt mit zwei Frauen und sechs Männern auf einen Frauenanteil von 33 Prozent. "Für die FWG Fraktion gibt es keine Quotenregelung bei der Aufstellung der Kandidatenlisten für die Kommunalwahl - entscheidend ist die Kompetenz und die Bereitschaft, ein Ehrenamt zu übernehmen", sagt Christiane Probst, Fraktionsvorsitzende der FWG.
Doch wie kommen die männlichen Kommunalpolitiker mit der starken weiblichen Fraktion im Gremium zurecht? FDP-Fraktionschef Tobias Schneider bleibt angesichts der weiblichen Hälfte im Gremium gelassen. "Wir Liberale sehen die politische Kompetenz unabhängig vom Geschlecht", sagt Schneider. Ob ein Redebeitrag von einem Mann oder einer Frau käme, sei gleich, sagt Schneider. "Er muss gut und richtig sein."
Gerd Dahm, Stadtratsmitglied der Grünen: "Wieso soll ich mich zum weiblichen Übergewicht äußern? Ich habe genug mit meinem eigenen zu tun."
Extra

Der TV hat nachgeforscht und die Stadträte der 20 größten Städte in Rheinland Pfalz im Hinblick auf ihre Frauenquote ausgewertet (Darstellung ohne Nachkommastellen): 1. Trier - 45 Prozent 2. Speyer - 39 Prozent 3. Kaiserslautern - 38 Prozent 4. Andernach - 36 Prozent 5. Frankenthal - 34 Prozent 6. Koblenz - 34 Prozent 7. Mainz - 32 Prozent 8. Neustadt a.d.W. - 31 Prozent 9. Bingen - 30 Prozent 10. Zweibrücken - 30 Prozent 11. Ludwigshafen - 28 Prozent 12. Mayen - 28 Prozent 13. Pirmasens - 27 Prozent 14. Worms - 27 Prozent 15. Landau - 25 Prozent 16. Idar-Oberstein - 25 Prozent 17. Ingelheim - 22 Prozent 18. Lahnstein - 22 Prozent 19. Neuwied - 21 Prozent 20. Bad Kreuznach - 16 Prozent. cmo