Die Mauer durchbrechen

Die Zwillinge Zoey und Lana hatten einen äußerst schwierigen Start ins Leben. Die dreieinhalbjährigen Mädchen sind von Geburt an körperlich und geistig stark eingeschränkt. Ihre Eltern Marven Bill und Dirk Justen hoffen auf eine Delfin-Therapie. Von ihr erwarten sie sich unter anderem einen tieferen Zugang zu den Kindern.

Kenn. Die dreijährige Zoey weiß, was es heißt zu kämpfen. Im Februar 2005 kam sie mit einer Enterothorax zur Welt. "Alle Organe waren hoch in den Brustkorb gerutscht, und die Lunge konnte sich nicht entfalten", erklärt ihre Mutter. Nach einer sechsstündigen Operation lag das Mädchen im Koma. Die Überlebens-Wahrscheinlichkeit lag bei sieben Prozent. "Die Kleine hat es allen gezeigt", sagt Marven Bill. Schließlich sei Zoey ein griechischer Name und bedeute Leben, fügt sie hinzu. Zoeys Zwillings-Schwester ging es erst einmal gut, bis beide Mädchen nach einer Woche anfingen, zu krampfen. Es folgte eine Krankenhaus-Odyssee.

Kurz nach dem ersten Geburtstag stellten die Ärzte fest, dass die Mädchen nicht nur ein sehr schwaches Immunsystem haben, sondern auch körperlich und geistig beeinträchtigt sind. Zoey und Lana können bis heute nicht laufen, nicht sprechen und auch nicht kauen. "Ein Gen-Defekt, eine genaue Diagnose gibt es nicht", sagt die Mutter. Momentan ist die kleine Zoey wieder sehr krank. Enterothorax lautet erneut die Diagnose. Im September wird sie wieder operiert.

Nach seinem Polizeidienst beginne für ihn der Pflegedienst zu Hause, sagt der Vater. Die berufstätigen Eltern müssen die Kindergartenkinder waschen, wickeln, mit passiertem Essen füttern, sie viel tragen, um nur einiges zu nennen. Weil die Mädchen eine integrative Tagesstätte in Trier-Quint besuchen, ist die Familie aus dem Hunsrück nach Kenn gezogen. Die zahlreichen notwendigen therapeutischen Maßnahmen bauen Dirk Justen und Marven Bill wie selbstverständlich in den Alltag ein. So etwa massieren sie die Kiefer von Zoey und Lana beim Essen, "so dass sie vielleicht zum Kauen kommen". Täglich übt Dirk Justen mit Zoey das Laufen. Zoey sei motorisch fitter als Lana, Lana wiederum sei sozialer als ihre Schwester. "Zoey hält keinen Blickkontakt", sagt Dirk Justen. Die Eltern vermuten autistische Züge. Sie wünschen sich, dass ihre Zwillinge eine Delfin-Therapie machen können. "Wir erhoffen uns von der Therapie keine Wunder, aber darauf, dass wir einen tieferen Zugang zu unseren Kindern bekommen und dass sie vielleicht Grundvoraussetzungen erlernen."

Da die Delfin-Therapie keine anerkannte Therapie ist, wird sie von Krankenkassen nicht bezahlt. Die Eltern müssen die Kosten, 20 000 Euro, selbst tragen. Dabei braucht die Familie Unterstützung von Sponsoren. Dirk Justens Kollegen werden den Erlös des Sommerfestes der Bundespolizei am 20. September in Trier für Lana und Zoey spenden. Ein Spendenkonto wurde zudem eingerichtet.

"Die Kleinen haben sich uns als Eltern ausgesucht, weil sie wussten, dass sie es dort gut haben", sagt Dirk Justen, während Zoey und Lana sich offensichtlich über das Hüpfen auf Papas Beinen freuen.