1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Feuer schürt neue Ängste an der Bergstraße

Feuer schürt neue Ängste an der Bergstraße

Der Ernstfall, vor dem besorgte Bürger in Butzweiler angesichts der durch Steine blockierten Nato-Straße gewarnt haben, ist gestern Morgen eingetreten: Die Feuerwehr musste durch eine enge Innerortsstraße zu einem Brand anrücken. Alles verlief glimpflich, doch die Anwohner sind aufgebrachter denn je.

Newel-Butzweiler/Kordel. Der Brand war schnell gelöscht, der Schaden gering. Jemand hatte gestern Morgen Reisig und Äste in einem bewaldeten Hang in Butzweiler, zwischen Bergstraße und der Straße "Im Mont", verbrennen wollen. Dabei war das Feuer außer Kontrolle geraten, Anwohner informierten die Leitstelle.

Dass der Feuerwehreinsatz vor ihrer Haustür so glimpflich verlief, ist für viele Butzweilerer jedoch nur ein schwacher Trost. Seit der Käufer der früher in Bundesbesitz befindlichen Nato-Straße seinen Privatweg durch Felsbrocken sperren ließ (der TV berichtete) läuten bei vielen Bürgern die Alarmglocken.

Vor allem haben sie Angst, dass der Bau einer Biogasanlage negative Auswirkungen auf ihr Wohn- und Lebensumfeld haben könnte. Aber auch auf Sicherheitslücken im Katastrophenfall haben sie schon aufmerksam gemacht. Gestern habe die Feuerwehr Glück gehabt, weil die einzige Alternative zur gesperrten Nato-Straße, die enge Zufahrt über die untere Bergstraße, nicht durch parkende Autos blockiert gewesen sei. Sonst wären die großen Tanklöschfahrzeuge nicht vorbeigekommen, sagt Diana Rieff. Die neu gegründete Bürgerinitiative "Zukunftsperspektive ehemaliges Natogelände", deren Vorsitzende Rieff ist, hat schon Gemeinde, Polizei und Politiker auf die "katastrophalen Verhältnisse" in der Bergstraße aufmerksam gemacht. Seit die Nato-Straße durch die "Hinkelsteine" dicht ist, läuft der ganze Verkehr, darunter auch der Schwerlastverkehr zur ehemaligen Raketenstation, durch die Bergstraße. Diese ist übersät von Rissen und Schlaglöchern, hat keine Bürgersteige und führt mitten durch das Anwesen eines Bauern.

Abgeordnete: Sicherheit der Bürger gefährdet



"Die Sicherheit der Bürger ist gefährdet, Gemeinde und Verbandsgemeinde müssen aktiv werden", fordert die SPD-Landtagsabgeordnete Irmgard Fürst, die bei dem Feuerwehreinsatz vor Ort war. Sie will das Thema in der nächsten Sitzung des Verbandsgemeinderats Trier-Land zur Sprache bringen.

Seit dem Schreiben vom 14. September, mit dem das Luxemburger Unternehmen S.E.E. Bewohner der oberen Bergstraße zur Räumung der Bankette an der Nato-Straße bis 30. September aufgefordert hat (der TV berichtete), hat die Käuferseite übrigens nichts mehr von sich hören lassen.

Die Gemeinde Kordel, auf deren Gemarkung sich die Konversionsfläche befindet, will sich am 25. November mit dem vom Investor vorgelegten Entwicklungskonzept befassen. Ortsbürgermeister Medard Roth hat bereits deutlich gemacht, dass er sich ein kleines Gewerbegebiet für einheimische Betriebe dort vorstellen könne, der Errichtung einer Biogasanlage wolle er auf keinen Fall zustimmen.

Meinung

Unhaltbarer Zustand

Im Katastrophenfall kommt es auf jede Sekunde an. Zeit, die verstreicht, um Felsblöcke aus dem Weg zu räumen oder Umwege zu fahren, kann Menschenleben kosten. Deshalb muss angesichts der blockierten Nato-Straße dringend über das Katastrophenschutz-Konzept gesprochen werden. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass im Notfall ein Wohnviertel nur durch ein Sträßchen erreichbar ist, das kaum breiter ist als ein Wirtschaftsweg. Ein Waldstück ist sogar ganz abgeschnitten. Wie schnell etwas passieren kann, hat man gestern gesehen. Die Nato-Straße ist seit etwa einem Jahr privatisiert. Um so unbegreiflicher ist es, dass bis zum heutigen Tag so getan wird, als sei alles beim Alten. a.follmann@volksfreund.de