Ihre meinung

Zum Artikel "Markante Turmuhr wird abgerissen" (TV vom 18. März):

Mit Entsetzen entnehme ich dem TV, dass die Turmuhr der Castelnau-Kaserne in Trier-Feyen als Duplikat hergestellt werden soll. Zum Glück ist der Standort noch nicht bekannt und wird - wenn - dann hoffentlich tief in einem Eismeer liegen! Ich frage mich ernsthaft, was eine solche Reminiszenz in Feyen soll? Wer möchte hier ein Merkmal - bewusst nicht Denkmal - erhalten, das an die Nazi-Zeit erinnert und damit völlig unerträglich ist? Ab dem Jahr 1935 wurden Planung und Bau dieses militärischen Gebäudes in Feyen für den Hitlerischen Größenwahn verwirklicht. Die Eigentümer kleiner Ackerbau-Parzellen mussten ihre Grundstücke zwangsweise verkaufen, sonst wären sie kalt enteignet worden. Bereits 1939 wurde die Kaserne mit Soldaten gefüllt, die alsbald in die Kriegsgebiete beordert wurden. Die Turmuhr hatte ihnen Appell-, Exerzier- und Ausrückzeiten signalisiert. Nach 1945 benutzte die damalige Besatzungsmacht Frankreich die Kaserne, daher der Name Castelnau. Die Turmuhr blieb dieselbe, nun zeigte sie unter anderem Manöverzeiten an, unter denen der ganze Ort Feyen litt, wenn die Panzer mit ihren Metallketten auf der "Pellinger" fuhren und die Häuser zum Erzittern brachten. Irgendwann waren dann auf der Turmuhr die Zeiten an den vier Seiten nicht mehr synchron, und die Anlieger ignorierten sie. Wer die Kaserne Castelnau und deren Turmuhr in die Nähe eines Wahrzeichens für Trier-Feyen rückt, kennt die Geschichte des Stadtteils nicht. Echte Feyener Identität gründet sich auf Sankt German ad Undas (Anm. der Red.: die Kapelle am Ortsrand Feyens, an der B 51 Richtung Konz). Zum Erhalt dieses Kulturdenkmals in Feyen sind Mittel besser investiert als in die Kopie einer Nazi-Turmuhr. Wolfgang Schmitz, Trier-Feyen

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