Jungenarbeit im Frauenhaus

Der Vater gewalttätig, die Mutter verzweifelt. Manche Opfer sehen den letzten Ausweg im Frauenhaus, die Kinder werden mitgenommen. Für Jungs geht damit das Leben in einem reinen Frauenkontext weiter, obwohl männliche Bezugspersonen wichtig sind. Das Frauenhaus Trier will mit dem Jungenprojekt helfen.

Trier. Was Kinder von ihren Eltern brauchen, um glücklich erwachsen zu werden, sind: Liebe, Zuneigung und ein stabiles Vertrauensverhältnis. Doch was, wenn für diese drei Voraussetzungen keine Zeit mehr ist, weil die Familie am Abgrund steht? Wenn der Vater die Mutter schlägt, verprügelt, demütigt?

"Für emotionale Gespräche gibt es in solchen Situationen keine Chance. Es spielen sich Familientragödien ab", sagt Rita Woods vom Frauenhaus Trier. Deswegen sei es besonders wichtig, dass die Kinder vor Ort intensiv betreut würden, wenn eine Mutter sich entschließe zu flüchten. Das große Problem bei den Jungs sei der reine Frauenkontext, in dem sie sich dann wiederfänden: "Der Kontakt zu Männern fehlt meist komplett. Und diese Einseitigkeit setzt sich dann natürlich in der Beratung fort. Die Betreuerinnen sind ja ebenfalls alle weiblich", sagt Woods. Häufige Folge: Jungs verschließen sich, sind nicht mehr zugänglich für die wichtigen, aufbereitenden Gespräche.

Hier setzt das Jungenprojekt an: Das Frauenhaus hat zwei männliche Therapeuten gefunden, die auf Honorarbasis speziell die Betreuung von Jungs übernehmen: "Es geht primär darum, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, eine positive Männerrolle zu vermitteln und den Jungs zu zeigen, dass Konflikte auch gewaltfrei ausgetragen werden können", sagt Andreas Pusch nig, Diplompädagoge und einer der beiden männlichen Therapeuten.

Wie diese Ziele erreicht werden? Eine effektive Betreuung derart verstörter Kinder sei nicht in einfachen Sitzungen zu bewältigen, so Puschnig. Deshalb wird die Therapie mit Freizeitaktivitäten verbunden: "Wir gehen klettern, schwimmen, spielen Gesellschaftsspiele oder kochen bei mir. So baue ich nach und nach Vertrauen auf. Es sind schließlich meist die spontanen, lockeren Situationen, in denen sich die wirklich tiefgründigen Gespräche ergeben - der eine braucht eben etwas mehr, ein anderer weniger Zeit, um sich öffnen zu können", sagt der Pädagoge.

Zwischen zehn und 13 Jahre seien die hilfsbedürftigen Jungs im Frauenhaus durchschnittlich alt. Es brauche intensive Zuneigung, um diese Kinder zu erreichen: Mindestens ein halbes Jahr sollte die Beschäftigung mit einem Jungen Bestand haben, sehr häufig dauere es aber länger, bis Erfolge zu erkennen seien. Deshalb sei eine langfristige, nachhaltige Förderung des Jungenprojekts enorm wichtig, sagt Rita Woods: "Nur mit Hilfe der männlichen Betreuer können die Jungs Vertrauen zu sich selbst aufbauen und sich dann in ihrem späteren Leben zurechtfinden."

Extra Das Frauenhaus wird finanziert über einen regelmäßigen Zuschuss des Landes zu den Personalkosten, einen Zuschuss der Stadt Trier zu den Betriebskosten und über Spenden. Auch das Jungenprojekt wird von Spenden getragen. Wer helfen möchte, kann es unter folgender Kontoverbindung tun: Sparkasse Trier, BLZ 585 501 30, Kontonummer: 741 348. Spenden, die für das Jungenprojekt sind, müssen im Verwendungszweck angegeben werden. Weitere Informationen: www.frauen-haus-halt.de, Telefon 0651/9945139 oder E-Mail an kontakt@frauen-haus-halt.de (kne)