Kein Volksfest im Messepark

Hiobsbotschaft für die Freunde des ehemaligen Europa-Volksfests Trier: In diesem Jahr gibt es keinen Vergnügungspark im Messepark, wie die Stadt dem TV auf Anfrage bestätigt hat. Erst fehlte ein Ausrichter, dann blieben die Schausteller weg.

Trier. Im Januar 2008 stand das Europa-Volksfest vor dem Ende. Veranstalter Oscar Bruch stieg wegen anhaltender Lärm-Beschwerden und der daraus folgenden Auflagen aus. Die Agentur M&M Events Trier sprang in die Bresche, organisierte das erste "Trierer Volksfest" mit mehr Attraktionen denn je (der TV berichtete). Der Lärmschutz war unter anderem durch eine veränderte Aufstellung der Stände und Fahrgeschäfte gewährleistet.

Mit der Strom- und Wasserversorgung beauftragte M&M die Schneider Promotion & Transport GmbH, seit 2004 auch Betreiber des Messeparks (siehe Extra). Im Nachgang gab es finanzielle Differenzen.

Vergebliche Suche nach einer Lösung



Ein neuer Veranstalter für das Volksfest 2009 sollte her. Nach einer Ausschreibung in der Fachpresse im Oktober 2008 fand sich niemand, der die verschärften Bedingungen akzeptieren wollte. Der Versuch der Firma Schneider, selbst die Ausrichtung zu übernehmen, scheiterte: "Leider lagen bis zum Ende der Frist nur 25 Anmeldungen vor", schreibt Matthias Schabio, Geschäftsführender Gesellschafter von Schneider P&T, in einer Stellungnahme. "Eine formale Absage ging daraufhin fristgerecht an die Aussteller" - vier Wochen vor dem geplanten Start am 5. Juni.

Nach TV-Informationen waren etliche Schausteller nicht bereit, die teilweise kräftig erhöhten Standmieten (je nach Größe 500 bis 2500 Euro) und zusätzlich eine Kaution in Höhe der Standmiete zu zahlen. Die Wasserkosten (pro Tag 5 Euro je Mieter und Wohnwagen/Geschäft) sollten von der Kaution abgezogen werden. Zu möglichen Kosten für Müllentsorgung, Sicherheitsdienst, Feuerwehr, Rotes Kreuz, Feuerwerk wurde nichts festgehalten. Der Strom sollte mit einer Fachfirma extra abgerechnet werden.

Laut Schabio entsprechen Miete und Kaution den üblichen Konditionen: "Die Kalkulation stimmt, der Vertrag ist absolut in Ordnung."

Oberbürgermeister Klaus Jensen sieht keine Versäumnisse bei Stadt oder Messeförderungsgesellschaft, die keine Detail-Kenntnisse besäßen: "Für die Absage haben wir volles Verständnis. Wir analysieren die Gründe und suchen eine Lösung für die Zukunft."

Liebe Leser, mailen Sie uns bitte Ihre Meinung zur überraschenden Volksfest-Absage in Kürze an echo@volksfreund.de. Name und Anschrift nicht vergessen.



Meinung

Zu spät reagiert

Keiner kann behaupten, das Volksfest im Messepark sei mit Absicht gegen die Wand gefahren worden. Der Betreiber hätte gerne Geld verdient, die Stadt sich gerne damit geschmückt. Die Umstände sind allerdings kritikwürdig. Das fängt bei der Frage an, wie die Neuauflage der Großveranstaltung von 2008 zunächst an Differenzen über Strom- und Wasser-Kosten scheitern konnte. Seltsam auch, dass sich dann kein einziger externer Veranstalter für 2009 fand. Inwieweit die Vertragsbedingungen für den Ausrichter überhaupt realistisch erfüllbar wären, muss auch für die Zukunft geklärt werden. Mag sein, dass die Standmieten erhöht werden mussten. Die Kaution in Verbindung mit offenen Kostenfragen schreckte Schausteller ab, die aus Erfahrung heraus sensibel reagieren. Die Stadt mit dem Oberbürgermeister an der Spitze hätte sich frühzeitig einschalten, Rat und Öffentlichkeit über die Problemlage informieren müssen. Die Absage auf den letzten Drücker ist nicht nur peinlich gegenüber Bürgern, sondern auch unverantwortlich gegenüber Schaustellern. m.hormes@volksfreund.deEXTRA Messepark: Die Messeförderungsgesellschaft (MFG) Trier hat seit 1993 den Messepark von der Stadt Trier gepachtet. Am Stammkapital sind die Stadt Trier zu 60 Prozent, Handwerkskammer sowie Industrie- und Handelskammer zu je 20 Prozent beteiligt. Geschäftsführer Rolf Bollig ist Beschäftigter der Stadt Trier. Die MFG hat Schneider Promotion & Transport mit dem Betrieb des Messeparks beauftragt. (cus)